[Spoiler] Ein seltsamer Wanderer - Alternative F4 Geschichte

  • 281. Auf dem Boden der Realität

    Reginald Avens kniff sich in den Oberarm, was John Rothschild mit einem fragenden Stirnrunzeln kommentierte. Avens verzog kurz das Gesicht. Er hatte sich wohl recht heftig gekniffen. "Entschuldigen Sie, Sir. Aber ich musste mich selbst davon überzeugen, dass ich mich in der Realität befinde." Avens schnaufte kurz und sah Rothschild ziemlich ernst an. "Das ist ... vor etwas mehr als zehn Tagen dachte ich noch, dass ich wahrscheinlich in den Ödlanden die endgültige Ruhe finde und heute trägt man eine Frage an mich heran, die ich davor für unmöglich gehalten habe ... und das ist wirklich ernst gemeint? Sie verarschen mich wirklich nicht, Sir?" Avens kam immer noch nicht damit klar.


    In seinem Kopf tosten tausend Fragen nach den Warum und Wieso. Warum wollte die stählerne Bruderschaft einen Waffenstillstand? Wieviel hatten die Silver Dragons damit zu tun? War es vielleicht so, dass sie die Bruderschaft unter ihrer Fuchtel hatten? Das hieß aber, dass hier eine Fraktion aufgetaucht war, die der NCR ziemlich gefährlich werden konnte, wenn sie die Bruderschaft für ihre Zwecke einspannen konnte. Immer wenn er dachte, er würde diese Leute verstehen kam es zu neuen Ereignissen, die wieder mehr neue Fragen aufwarfen, als sie zu beantworten. Avens schluckte innerlich. Ihm kam hier mit einem Mal eine Rolle zu, die eine ziemliche Tragweite hatte. Die Ereignisse hier gingen nachdem er Meldung gemacht hatte mit hoher Wahrscheinlich direkt an die höchste Ebene der NCR.


    "Major, sehe ich so aus, als würde ich in solchen Dingen Späße mit Ihnen treiben?" sagte John ziemlich ernst. Der Gesichtsausdruck den er dabei hatte sprach Bände. Avens wusste damit, dass John Rothschild es äußerst ernst meinte. Er sank in den Dinersessel zurück, schloss die Augen und ließ dabei ein leises *Uff* hören. John wartete geduldig einen Moment. Dann sprach er Avens wieder an. "Major?" Der öffnete die Augen und nickte ganz langsam. "Ja, ich bin bereit mich mit dem Ältesten zu treffen. Wobei ich mich immer noch frage, warum gerade ich? Eigentlich ist das eine Sache fürs HQ. Für General Lee Oliver." "Nun, der Älteste und ich ... Wir beiden waren uns einig, dass Sie eine kompetenten Eindruck machen und diese Sache schon an betreffende Stelle überbringen werden. Außerdem ist der Älteste noch ein wenig vorsichtig ... dazu kommt noch nach Aussage des Ältesten, dass General Lee nicht gerade für ein gewisses Fingerspitzengefühl bekannt zu sein scheint." antwortete John ehrlich.


    Avens sah ihn mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck an. Einerseits war es fragend und gleichzeitig zustimmend schmunzelnd bitter. "Sie haben mich dem Ältesten als kompetente Person empfohlen? Das ist überraschend für mich..." Avens war beinahe schon verlegen. "Ähem ja. Das mit dem Fingerspitzengefühl bei General Lee ... nun ja ... und anderen Dingen ... da möchte ich mich nicht weiter zu äußern. Dass der Älteste aus Schutzgründen so vorgeht, das kann ich natürlich verstehen. Nun gut. Wann soll das Treffen mit ihm stattfinden?" Avens war trotz der Feindschaft zwischen NCR und BoS neugierig geworden. Die Ältesten hatten in der NCR schon etwas Mysteriöses an sich. Man wusste, dass sie die Fäden in der stählernen Bruderschaft zogen. Aber zu sehen bekam man sie im Normalfall nicht. Zu mindestens nicht auf Seiten der NCR.


    "Heute gegen späten Nachmittag. Im Lassen. Ich werde Sie dann durch einen unserer Leute abholen lassen. Ich selbst muss mich noch um einige Dinge für dieses Treffen kümmern." John stand auf und wollte gerade gehen als Avens ihn nochmal ansprach. "Dann werde ich wohl neben den Ältesten der Bruderschaft wohl auch den Kommandanten kennen lernen, oder? Bei einem Gespräch von solcher Wichtigkeit wird er oder sie doch sicherlich mit dabei sein." John schüttelte den Kopf, was Avens mit einem fragenden Gesicht zur Kenntnis nahm. "Der Kommandant und der Älteste haben ..."


    Avens hatte den Eindruck, dass John Rothschild einen Moment nach der richtigen Wortwahl suchte "... ich nenne es mal ... persönliche Differenzen miteinander. Daher wird er nicht daran teilnehmen. Ich selbst werde dabei sein. Der stellvertretende Sicherheitschef Twibs mit einigen unserer Leute. Zu Ihrem und zum Schutz des Ältesten. Und zwei weitere Leute, der stellvertretende Vorsitzende des Ältestenrates und der Versammlung. Wobei letztere als eine Art Zuschauer dabei sein werden. Es dient ihnen zur Information, um den Rest unser Leute im Stand der Dinge in der Außenwelt zu halten." informierte ihn John abschließend. "Okay. Danke. Sie scheinen hier im Moment wirklich eine schwierigen Job zu haben ... zwei Oberkommandierende, die sich nicht verstehen ... in Ihrer Haut möchte ich nicht stecken, Sir."


    In seinem Inneren fragte sich Avens, wie dieses Bündnis zwischen BoS und Silver Dragons funktionieren konnte, wenn sich die beiden führenden Köpfe scheinbar spinnefeind waren. Auch schien der Kommandant eher eine Person der zurückhaltenden Sorte zu sein, da er sich bis jetzt nicht bei Major Avens hatte sehen lassen, obwohl er scheinbar derjenige gewesen war, der die Rettung angeordnet hatte. Er blieb wie eine graue Eminenz im Hintergrund und schien die Fäden zu ziehen. Vielleicht waren es auch nur irgenwelchen Sicherheitsaspekten geschuldet, dass der Kommandant sich alles berichten ließ, aber nicht selbst in Erscheinung trat. John seufzte aufgrund Avens Bemerkung kurz auf und nickte. Scheinbar hatte Avens damit ins Schwarze getroffen. John brach danach Richtung Lassen auf.


    Etwa gegen 17.00 Uhr des gleichen Tages


    Major Avens betrat den kleinen Besprechungsraum auf der Ebene des Ältestenrats. Hier stand ein oval geformter Tisch aus einem schwarzen fast glasartigen Material. An dem einen Ende des Tisch saß ein älterer Mann mit krausen, schwarzen Haaren, die bereits einen leichten Einschlag von grau aufwiesen. Aus dem braunen, wettergegerbten, aber eigentlich nicht unsympathischen Gesicht betrachteten ihn ernst und prüfend zwei braune Augen. Unverkennbar trug er die Tracht eines Ältesten der stählernen Bruderschaft. Mittig saß John Rothschild. Hinter ihm stand wohl der stellvertretende Sicherheitschef mit dem Namen Twibs. Auch wenn er um einige Lebensjahrzehnte jünger als Cpt. Cornally wirkte, strahlte er eine ähnliche Autorität wie er aus.


    Aufmerksam beobachtete er den Raum. Vier weitere Leute der Sicherheitsmannschaft waren im Raum. Am anderen Ende des Tisches, in der Nähe der Tür, durch die er hindurch getreten war, befand sich ein leerer Sitz. Noch zwei weiter Leute waren im Raum anwesend. Das mußten wohl die Leute aus der Versammlung und des Ältestenrat sein, dachte er kurz bei sich. Avens blieb einen Moment unsicher stehen. Er war aufgrund der ganzen Situation angespannt. "Setzen Sie sich doch Major." sagte John zu ihm und wies mit der Hand auf den freien Sitz. Als Avens Platz genommen hatte, begann John die beiden miteinander bekannt zu machen. Anschließend ergriff der Älteste das Wort und erläuterte Major Avens den Grund des erbetenen Gesprächs.


    Fast drei Stunden dauerte die Besprechung. Hin und wieder musste Pause gemacht werden, da das Gespräch teilweise sehr hitzig von beiden Seiten geführt und John bei drohenden Beschimpfungen das Gespräch unterbrechen lies. Gerade zu Anfang kochte es ziemlich hoch, wurden aber auf die Dauer der Zeit gesehen immer ruhiger. "Für jemanden der aus der NCR sind, Sie nicht auf den Kopf gefallen, Avens. Das muss ich schon sagen." konstatiere der Älteste nachdenklich gegen Ende des Gespräches. "Das ist ... sehr höflich von Ihnen, Ältester Bardeen. Sie sind auch nicht ganz so überheblich, wie ich Sie zunächst eingeschätzt habe. Ich werde die Dinge weiterleiten. Allerdings kann ich Ihnen nicht sagen, ob Ihr Anliegen zurzeit auf fruchtbaren Boden fällt. So ungern ich das auch zugebe, die meisten Ihrer Argumente sind einleuchtend. Gegen die Legion brauchen wir auf jeden Fall eine Art von ... Absprache." antwortete der Major offen und ehrlich. Kurz darauf endete das Gespräch auch und beide wurden wieder getrennt in ihre Quartiere verbracht. Dort gab es auf beiden Seiten weiter Gespräche. Ebenso im Lassen selbst.


    Am nächsten Morgen brach Jeremiah bereits Richtung Lost Hills auf. Abby und Darrington, sowie einige andere Mitglieder der Bruderschaft blieben in dem Quartier der Bruderschaft auf Anordnung des Ältesten zurück. Er wollte beide zunächst in relativer Sicherheit wissen, bis alles für die Neuausrichtung geregelt wäre. Das was er für die BoS anstrebte war reichlich Zündstoff in den eigenen Reihen. Major Avens hingegen blieb auf Anraten von John Rothschild noch in der Kluft. Der wollte sichergehen, dass die meisten der Geretteten wieder soweit wohlauf waren, dass ihre beschwerliche Reise im Ödland Richtung Redding wieder fortsetzten konnten. Avens wollte von dort aus mit einigen seiner Veteranen Richtung der Hauptstadt der NCR aufbrechen. Früher wurde sie Shady Sands genannt, heute bezeichnet man sie mit gleichen Namen, wie die NCR selbst. Die Nachrichten und Informationen der er jetzt bei sich trug, wollte er damit an die vermeintlich richtige Stelle bringen.


    Drei Tage später


    Avens sah sich immer noch zwischen Freude und Staunen die Schritte einer seiner Leute an. Aufgrund der schweren Verwundungen, die sie bei dem Gefecht gegen die Supermutanten erlitten hatten, war es leider notwendig gewesen bei dreien von ihnen einige Gliedmaßen zu amputieren. Nach kurzen Beratungen, an der auch der Kommandant selbst beteiligt war, hatte man sich dazu entschlossen einen adäquaten Ersatz zu stellen. Es gab zwar draußen im Ödland Möglichkeiten bei Verlust von Gliedmaßen diese zu ersetzten, aber entweder waren sie in Kronkorken kaum zu bezahlen oder aber sie waren so grob und primitiv, dass man nicht wirklich von einem Ersatz sprechen konnte.


    "Schauen Sie mal Major, ich kann sogar die Zehen bewegen. Wie als wären es die eigenen. Und ich kann damit der NCR weiter dienen. Doc Darper sagte, dass sie genauso belastbar sind wie die eigenen." Avens schaute zu Darper, der angelehnt im Türrahmen stand und lächelte. "Wirklich?" fragte Avens fasziniert bei Doc Darper nach. Er nickte kurz. "Tja mein Junge, dann werden Sie damit demnächst zum Mechaniker müssen, wenn da was dran kommt." grinste Avens und klopfte dem jungen Mann von etwa vierundzwanzig Jahren aufmunternd auf den Rücken. Die anderen, bis auf einem, der immer noch im künstlichen Koma lag, waren in ähnlich guter Verfassung. Trotzdem hieß es für sie, dass sie noch eine längere Zeit hier bleiben sollten. Darper wollte seine Patienten komplett wieder hergestellt wissen. Avens hatte große Achtung vor Darpers medizinischer Einschätzung und wusste das seine Leute hier bestens auch auf längere Zeit aufgehoben waren.


    Kurz nachdem er bei seinen Leuten fertig war, bat er seine Begleitung ihn wieder zurück in das Quartier zurückzubringen. Dieser nickte und sie schlugen den Weg Richtung der Aufzüge ein. Avens verlangsamte seine Schritte auf den Weg dorthin und begann wie so oft in den letzten Tagen über die Auswirkungen nachzugrübeln, die es nach sich ziehen würde, wenn er dem HQ über das Anliegen der Bruderschaft und der Existenz der Silver Dragons berichten würde. Der Waffenstillstand bzw. die Friedensverhandlungen mit der Bruderschaft würde die NCR mit Sicherheit militärisch entlasten und dazu führen das sie die freiwerdenden Ressourcen an anderer Stelle gegen die Legion eingesetzt werden konnten. Ob das HQ das auch so sah, das schätzte er pessimistisch ein. Er befürchtete eher, dass General Lee das als Schwäche der stählernen Bruderschaft auslegte. Wie das HQ die Silver Dragons einordnete konnte er überhaupt nicht einschätzen. Seine Begleitung wartete zwar geduldig, schien aber irgendwie unter Zeitdruck zu sein. Auch wenn sie versuchte das zu verstecken.


    Avens fiel das zwar auf, machte sich aber darüber keine weiteren Gedanken. Sie waren am Hauptaufzug angekommen und warteten einen Moment auf ihm. Er war auf dem Weg von unten in diese Ebene. Einen Moment später war er da. Gedankenverloren wollte Avens den Aufzug betreten und schaute dabei auf dem Boden. Normalerweise war dieser leer. Diesmal nicht. Er hörte ein erschrecktes "Vorsicht Major!", merkte nur noch einen ziemlich massiven Widerstand und fand sich anschließend auf dem Boden vor dem Aufzug wieder. Auf dem Bodens sitzend starrte er ungläubig auf ein paar ziemlich große schwarze glatte Schuhe.

  • 282. Offenlegung

    "Major Avens? Ist ... bei Ihnen alles in Ordnung? Ich war in Gedanken ... Es tut mir leid, dass ich Sie über den Haufen gerannt habe." seufzte Drake und hielt ihm seine Hand hin. Avens schaute ihn immer noch total ungläubig an. "Ach du heilige Scheiße. Ein Nightkin. Hier drinnen. Geradeaus sprechen kann er auch noch." dachte er im ersten Moment entsetzt. "Okay Reg, ruhig bleiben. Wenn der hier so einfach rumrennt, dann tut er dir sicherlich nichts." Erst dann nahm er wahr, dass Drake ihm die Hand zur Hilfe anbot. "Scheint wirklich einer der umgänglichen Sorte zu sein." Avens gewann sein Fassung wieder und betrachtete sein Gegenüber genauer.


    Der Nightkin, der vor ihm stand trug neben den schwarzen Schuhen eine ebenfalls schwarze Hose. An dem Gürtel darüber war eine Art Tasche befestigt. Er war mit der gleichen Uniform bekleidet, wie Rothschild oder Cornally sie trugen. Allerdings nicht mit silbernen Einschlägen, sondern mit goldenen. Auf den Schulterklappen war kein eindeutiges Rangabzeichen zu erkennen, sondern nur der typische Drachenkopf der Silver Dragons in goldener Farbe. Ebenfalls trug er einen für sich passenden Pipboy mit silbernen Einschlägen. Avens Blick wanderte an dem Namenschild vorbei, auf dem der Name seines Gegenübers stand, weiter nach oben.


    Im Gesicht trug der Nightkin tatsächlich eine Brille auf der Nase. Zwei nachdenklich wirkende blau-graue Augen sahen ihn im Moment besorgt an. Er hatte sogar Augenbrauen und kurze graue Haaren, die einen Seitenscheitel aufwies. Avens griff nach der helfenden Hand. Vorsichtig zog die ihn nach oben, so dass er einen Moment später wieder auf seinen Füßen stand. Avens Begleitung sah den Nightkin ziemlich bedröpelt an. "Es tut mir leid, Sir. Wir..." Der seufzte kurz. "Kein Problem. Ich hätte auch noch einen Moment länger warten können. Ich war diesmal wirklich sehr unaufmerksam ... und ungeduldig. Also nicht Ihre Schuld. Ich werde den Major selbst nach oben begleiten. Nachdem ich seine gerade aufkommenden Fragen beantwortet habe und das wird, denke ich länger dauern. Sie können jetzt ruhig gehen. Sie haben ja heute noch etwas Wichtiges anstehen, ..." unterhielt sich Drake mit der Begleitung.


    Avens hatte tatsächlich gerade eine Menge Fragen, als er das Gespräch mit anhörte. Seine Begleitung grinste dankbar und verschwand im Aufzug, so das Avens nur noch allein mit Drake dort stand. Im ersten Moment fühlte sich Avens nicht besonders wohl und das sah man ihm auch deutlich an. Was ihm auch selbst bewusst war. "Ich ... *Uff* ... es tut mir leid. Nur ich ... also ... ich möchte nicht beleidigend sein, aber ..." Zu seiner Verwunderung schmunzelte sein Gegenüber. "Sie sind es einfach nicht gewöhnt, einen Supermutanten so nah an sich zu haben. Kann ich nachvollziehen. Vor allem nach der Geschichte mit dem Angriff. Bei mir brauchen Sie keine Angst haben, Major Avens. Ich neige eigentlich nicht dazu jemanden zu verletzten oder umzubringen. Es sei denn, ich muss mich oder meine Leute schützen. Was halten Sie davon, wenn wir ein Stückchen weiter gehen. Ich glaube, so nah am Aufzug stehen zu bleiben, wäre ungünstig."


    Drake ging voraus, Richtung der Krankenstation. Avens folgte ihm in einigen Abstand. Während des Laufens sprach Drake mit Avens weiter. "Ich bin froh, dass sich Ihre Leute von den Verletzungen halbwegs erholt haben. Es tut mir nur leid ... wenn wir schneller bei Ihnen gewesen wären ... vielleicht könnten noch mehr Ihrer Leute leben. John hat mir erzählt, dass einige der Gefallenen noch sehr jung waren. Es waren Rekruten, oder?" Avens nickt kurz. "Ich bin überaus froh, dass uns überhaupt jemand in dieser Einöde zur Hilfe geeilt ist ... Ihr Name war Drake, richtig?..." Von Drakes Seite kam eine Art bestätigendes Brummen. "... und was hier für uns getan worden ... so eine Hilfsbereitschaft findet man im Ödland kaum noch ... und so hart das auch klingt ... ich bin für jeden froh, der diesen Angriff überlebt hat und hier gesund gepflegt wird. Um auf die Frage zurückzukommen. Ja, wir waren mit einer Gruppe Neulinge zum Ausbildungscamp in Redding unterwegs. Wir wollten gerade ein Quartier für die Nacht aufschlagen, als wir überfallen wurden ... mit John meinen Sie General Rothschild, oder?"


    Wieder kam das bestätigende Brummen als Antwort. "Darf ich fragen, wie Sie und Rothschild sich kennengelernt haben. Sie sind gut miteinander befreundet, wie mir scheint. Von welchem Ort des Ödlandes kommen Sie ursprünglich?" Avens war neugierig die Geschichte zu erfahren, die Rothschild und diesen Drake miteinander verband. Drake blieb kurz stehen und blickte den Major nachdenklich an. Er schien einen Moment zu überlegen bevor er Avens Frage beantwortete. "Ja. John und mich verbindet eine sehr lange Freundschaft." Mehr zu sich als zu Avens murmelte er anschließend "...glaube ich ... wie lange genau eigentlich? ... ich weiß es nicht ... nicht mehr ... lange auf jeden Fall." Wieder an Avens gerichtet "Ich komme von hier ... Major ... Hm. Unser Kennenlernen? Das liegt weit zurück ... auch daran erinnere ich mich nicht." Avens war im ersten Moment enttäuscht, dann stutzte er.


    "Merkwürdig. Was meint er genau mit hier? Aus dieser Gegend? Er bezeichnet Rothschild als Freund, kann sich aber an wichtige Sachen nicht erinnern. Ist er senil oder hat man ihn eine Art Gehirnwäsche verabreicht, damit er so friedlich ist, wie er ist." Avens wurde wieder ein wenig misstrauischer und sein Gesicht sah immer noch fragend aus. Die Leute hier schienen aus seiner Sicht einige Geheimnisse zu haben und sie auch gut zu hüten. Auch die uneindeutigen Aussagen von Rothschild während anderer Gespräche mit ihm wiesen darauf hin. Aus dem Gespräch am Fahrstuhl schloss Avens, dass die Silver Dragons es vermieden hatten, dass er und seine Leute den Nightkin zu sehen bekamen. Aber zu welchem Zweck?


    Drake seinerseits wusste, dass die Beantwortung der Fragen von Avens für diesen unbefriedigend war. Er würde dem Major versuchen alles zu erklären. Zunächst wollt er aber die Sache in der Krankenstation erledigen. Danach würde er John informieren. Es war wichtig, dass dieser bei dem Gespräch mit dabei war. Um ihn erinnerungstechnisch zu unterstützen und den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen zu untermauern. "Major Avens, ich weiß, dass ich Ihre Fragen ziemlich dürftig beantwortet habe. Ich werde eben noch was auf der Krankenstation erledigen und anschließend werden wir ein längeres und klärendes Gespräch führen. John Rothschild wird auch dazu kommen." erklärte er sein weiteres Vorgehen. Einen kleinen Moment später waren sie dort angekommen. Avens setzte sich auf einen der Stühle, während Drake Darper ansteuerte, der gerade aus dem hinteren Teil der Krankenstation kam.


    Das Gespräch selbst konnte er nicht wirklich verstehen. Die beide standen ein ganzes Stück weg, sprachen relativ leise miteinander und in der Krankenstation herrschte eine beständige Betriebsamkeit. Darper schien zunächst überrascht zu sein, dass Drake mit Avens gemeinsam hier ankam. Drake schien ihm etwas zu erklären. Anschließend waren die beiden in ein fachliches Gespräch vertieft. Etwa zwanzig Minuten später waren sie damit fertig und Darper verschwand nach einer kurzen Verabschiedung wieder nach hinten. Drake hingegen nutzte danach seinen Pipboy und schien mit jemanden darüber zu sprechen. Avens beobachtete ihn dabei. Für einen Moment schien sich Drake über eine Aussage der Gegenseite zu ärgern. Das verflog aber wieder schnell und keine zwei Minuten später war auch dieses Gespräch beendet.


    Drake kam zurück zu ihm. "So, ich bin hier fertig. Wir werden uns jetzt auf den Weg nach unten machen. Zur Kommandoebene des Lassen." erklärte Drake und sie liefen wieder zurück zu den Aufzügen. Nach einem kurzen Moment des Wartens stiegen sie ein. Im Inneren des Aufzugs drückte Drake den Knopf für die Ebene -5 und hielt seinen Pipboy kurz vor eine Art schwarzem Scannerfeld. "Sicherheitsabfrage?" fragte Avens interessiert. "Alles unter Ebene -4 braucht besondere Zugangsberechtigungen." antwortete Drake knapp und nickte dabei. Der Aufzug bewegte sich nach unten und nach einem kurzen Moment kamen sie dort an. Kaum aus dem Aufzug ausgestiegen, war auch schon ein Checkpoint in Sicht. Den sie zur Avens Überraschung unbehelligt passierten.


    Beide waren gerade einige Meter gelaufen, als ihnen eine altbekannte Person entgegenkam. Es war John Rothschild. Er hatte kurz ein leicht süffisantes Lächeln aufgesetzt. Ein Gesichtsausdruck, den Avens bei ihm sonst noch nie gesehen hatte. "John, spar dir den Kommentar, den du da gerade auf der Zunge liegen hast." brummte Drake verlegen. "Wir gehen zu dir. Bevor du fragst." Der nickte kurz und die drei gingen in das Büro von John. Während sich Avens auf den von John dargebotenen Stuhl Platz nahm, setzte sich Drake auf den Boden. So hatten sie alle in etwa die gleiche Augenhöhe.


    "Eigentlich hatten wir dieses Treffen anders geplant, aber das ist jetzt hinfällig. Major, wenn Sie bald wieder mit Ihren Leuten Richtung Redding aufbrechen, wollten wir noch einige Fragen und Dinge klären, die uns betreffen. Da Sie wahrscheinlich Ihren Vorgesetzten von uns berichten werden, möchten wir mit offenen Karten spielen. Damit es nicht heißt, wir wären für eine eventuelle Zusammenarbeit nicht ... vertrauenswürdig genug." erklärte John und Drake nickte unterstützend dabei. "Das ist ... eine gute Einstellung. Ja und in der Tat habe ich gerade noch einmal gefühlte tausend Fragen mehr. Sie sind hier in manchen Dingen wirklich sehr verschlossen. Was eigentlich nicht zu Ihrer sonstigen guten ... wie nenne ich es ... Gastfreundschaft passt. Sie sind mir in manchen Gesprächen in der Beantwortung meiner Fragen ausgewichen." Avens schien kurz nachzudenken. "Und was mich im Moment auch sehr interessiert, was Sie beiden eigentlich miteinander verbindet?" Er zeigte dabei auf Drake. "Ich habe noch nie mit einem vom Nachtvolk zu tun gehabt, der erst einmal so einwandfrei spricht und sich von Menschen ansehen lässt, ohne gleich absolut argwöhnisch darauf zu reagieren."


    John rieb sich an der Wange und überlegte. "Tja, wo fangen wir mit an. Grundsätzlich sind wir vorsichtig gewesen, um unsere Leute zu schützen. Wir mussten erst wissen, wie Sie auf uns reagieren. Da es eigentlich durchweg positiv war ... wie alt schätzen Sie mich Major?" fragte John plötzlich. Avens schaute irritiert. "Ich würde so sagen um die vierzig herum. Aber was ist das für...?" "Biologisch gesehen schon, chronologisch habe ich ein wenig mehr auf den Buckel. Zweihundertsechsundvierzig Jahre." erklärte John Avens seelenruhig. Der schaute John an und dachte er hätte sich verhört. "Sie sind 246 Jahre alt ... aber das ist doch ... Moment, das heißt ja, Sie haben ... den großen Krieg erlebt ... aber wie...?" John erzählte ihm einen kurzen Ausschnitt der Ereignisse und wie sie am Ende festgestellt hatten, das sie zweihundert Jahre verschlafen hatten. Auch erwähnte John das erste Zusammentreffen der Bruderschaft in dem Zusammenhang. Avens sank staunend in den Stuhl zurück. "Das erklärt auch einige Ihrer Aussagen. Auch warum Sie viel Wissen von vor dem Krieg über die Zeit gerettet haben. Ihr Abkommen mit der Bruderschaft. Und das bisherige vorsichtige Vorgehen. Unglaublich und habe schon so einige Dinge in den Ödlanden gesehen und erlebt."


    Avens ließ die ganze Sache einen Moment innerlich sacken. Einen Moment später setzte er sich wieder auf. "Was ist mit Ihnen beiden? " fragte Avens wissbegierig. John sah darauf hin Drake fragend an. "Den Teil mit den ... Ereignissen wirst du übernehmen ... müssen und das ... andere ... habe ich ihm gegenüber noch nicht erwähnt." sagte Drake langsam und irgendwie wirkt er mit einmal sehr verschlossen. Er hatte mittlerweile seine beiden Hände zusammengefaltet und stützte auf ihnen sein Kinn ab. Avens beschlich mit einem Mal das Gefühl, dass das keine Geschichte mit einem guten Ausgang werden würde. Sein Verdacht sollte sich später bestätigen. Dann begann John zu erzählen, was vor mittlerweile fast anderthalb Jahren zugetragen hatte. Avens lauschte mit zunehmenden Entsetzten. Zwischendurch sah er kurz zu Drake rüber. Der hatte mittlerweile die Augen geschlossen. Bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen, dass er leicht mit dem Kiefer knirschte.

  • 283. Steinige Wege

    John hatte die Erzählung beendet. Avens sagt zunächst nichts, sondern musste das Ganze verarbeiten. Jetzt verstand er auch warum die Silver Dragons trotz ihrer Querelen mit der Bruderschaft an dieser festgehalten hatten. Warum er auch den Kommandanten zunächst nicht zu sehen bekam. Avens wäre fast vom Stuhl gekippt, als er während Johns Bericht erfuhr, dass der Nightkin neben ihm derjenige war. Hier im Lassen lernte Avens erneut, dass das Ödland immer noch weitere Überraschungen unter der Oberfläche bereithielt. "Ich nehme an, dass meine Leute und ich unser Überleben aufgrund Ihrer schnellen Entscheidung zu verdanken haben?" fragte Avens nachdenklich Drake und der nickte kurz. "Ich hätte Ihnen in der Situation sehr gerne persönlich geholfen. Nur habe ich die Gefahr gesehen ... nun ja ... dass Sie aufgrund meines ... "Äußeren" ... mich und meine Leute ebenfalls angreifen ..." gab er gegenüber Avens zu.


    "Ich muss gestehen ... vielleicht im Eifer des Gefechts ... doch ... in dieser Stresssituation ... vielleicht war es ganz gut, dass wir uns auf diese Weise kennengelernt haben ..." antwortete Avens ebenfalls ehrlich. "Nur das mit dem Umrempeln hätte nicht passieren müssen." seufzte Drake. Ihm war der Zusammenstoß immer noch unangenehm. Avens war innerlich erleichtert durch das Gespräch mit John und Drake. Man schien im Lassen ein ehrliches Interesse daran zu haben, die Menschen außerhalb zu unterstützen. "Wie geht es eigentlich nun weiter mit uns?" und sah Drake fragend an. "Wir hatten vor, Sie in den nächsten Tagen mit allem auszurüsten, was Sie und Ihre Leute für eine sichere Rückreise benötigen. Und wenn Sie sich bereit genug zum Aufbruch fühlen, wollte John Sie bis zu einem gewissen Punkt begleiten. Danach ... ich hoffe, dass wir die NCR in friedlicher Form wieder sehen."


    Mit dieser letzten Aussage erinnerte Drake Avens daran, dass es keineswegs klar, in welcher Form die Vorgesetzten von ihm auf den Bericht reagieren würde, den er über die Ereignisse anfertigen musste. Für einen Bruchteil einer Sekunde dachte er zunächst daran das Zusammentreffen nicht zu erwähnen, aber irgendeiner seiner Leute würde es mit Sicherheit irgendwann versehentlich ausplaudern. Und dann waren da auch noch die Sachen, der Bruderschaft, die er überbringen sollte. "Nein. Ich werde hier alles offenlegen ... müssen. Auch die Silver Dragons wollen den Kontakt zu NCR aufbauen. Ich hoffe nur General Lee trifft in der Hinsicht die richtige Entscheidung ... ich befürchte, dass sogar vielleicht Präsident Kimball mit auf die Entscheidung Einfluss nimmt ... " Avens starrte einen Moment nach vorne und seufzte. "Machen Sie sich keine Sorgen, Major. Wir wissen, was es für uns bedeuten kann, wenn Sie Ihre anderen Leute informieren. Wir vertrauen darauf, dass sich die NCR hier anständig verhält. Sollte es wider Erwarten anders kommen ... sind wir dafür gewappnet." sagte Drake ruhig. Durch die letzte Aussage machte er auch eindrücklich klar, dass man eine Auseinandersetzung mit der NCR nicht scheuen würde.


    Avens hoffte für sich selbst, dass man auch weiterhin ein gutes Verhältnis zu einander aufbauen würde. Er stellte weitere Fragen an die beiden, die er diesmal ohne weiteres Ausweichen beantwortet bekam. Im Gegenzug klärte er bei Nachfragen von Johns und Drakes Seite auf. Als die drei das Treffen beendeten, verabschiedete er sich für heute von John. Mit Drake würde er noch eine Tour durch den Lassen machen. Während des Gesprächs wurde deutlich, dass Avens gerne die Technik im Ansatz verstehen wollte, die den Lassen am Laufen hielt. Beide verschwanden in Richtung der Aufzüge, während John Rothschild zurückblieb. Die beiden würden noch miteinander darüber reden müssen, welche Maßnahmen sie ergreifen würden, wenn die NCR sie tatsächlich angreifen würden. War eine weitere Aufrüstung notwendig? John hoffte ebenfalls wie Drake und scheinbar auch Avens, dass es friedlich blieb.


    Avens war mit Drake etwa einen halben Tag unterwegs im Lassen gewesen und jetzt waren sie auf dem Rückweg Richtung Kluft. Die beiden unterhielten sich angeregt miteinander. War es Avens anfangs noch etwas schwergefallen mit Drake ins Gespräch zu kommen, merkte man jetzt nichts mehr davon. Er war ziemlich beeindruckt davon, wie schnell Drake den anfänglichen Wissensverlust kompensiert hatte. Auch schien Drake neues Wissen wie ein Schwamm aufzusaugen. Bereits im seinem ersten Gespräch mit ihm war ihm aufgefallen, wie neugierig und interessiert er war. Das war ein Verhalten, dass er bis jetzt bei Supermutanten gar nicht kannte. Das konnte aber auch damit zusammenhängen, dass Drake gerade am Anfang von seinen Leuten eine Unterstützung in vielen Dingen erhalten hatte, die er sonst, wenn er im Ödland verblieben wäre, nie erfahren hätte. Vielleicht war genau das der Grund weswegen er seine Menschlichkeit hatte erhalten können. Auch wenn der Anfang nicht ungefährlich für seine Leute gewesen war. Nachdem was John Rothschild ihm erzählt hatte.


    Avens hatte großen Respekt vor John aufgrund dieser Entscheidung. Sie waren gerade dabei die neuen Entwicklungen im Ödland zu diskutieren, als sie am Eingang der Kluft ankamen. Drake blieb mit einem Mal nachdenklich stehen, was Avens zunächst irritiert zu Kenntnis nahm. "Ist irgendetwas nicht in Ordnung, Drake?" "Ich überlege gerade ... ob ich Sie bis zum Quartier begleiten soll ... ich weiß nicht ob Ihre Leute mich jetzt schon kennenlernen sollten. Ich..." begann er wieder nachdenklich. "Ich denke, es würde schon Sinn machen, wenn Sie sich Ihnen vorstellen. Immerhin verdanken sie Ihnen ihr Leben. Vor allem zeigte es meinen Leuten, dass es auch sehr umgängliche Ihrer Sorte gibt." sagte Avens ohne Zögern und Drake willigte ein.


    Das erste Zusammentreffen mit Avens Leuten war zunächst ebenfalls von Misstrauen und Irritation geprägt. In einem gemeinsamen Gespräch konnte es aber größtenteils ausgeräumt werden. Nach fünf weiteren Tagen war es dann soweit. Die Heimat rief. Avens und seine Leute machten sich reisefertig. John und auch Drake waren anwesend. Man hatte Avens und seine Leute ein komplett neue Ausrüstung angefertigt, die sie äußerst dankbar annahmen. Selbst die Waffen waren generalüberholt worden. Drake überreichte Avens noch einige zusätzliche Sachen, die für seine Vorgesetzten bestimmt waren. Avens selbst bekam von ihm auch unter anderem ein Funkgerät überreicht, mit dem er in direkten Kontakt mit den Silver Dragons treten konnte. Drake hatte Avens die letzten Tage ins Herz geschlossen, was John ebenfalls freute. Nach dem Gespräch hatten die beiden sich noch öfter getroffen. Man verabschiedete sich.


    Drake blieb nachdenklich zurück. John war mit einigen Silver Dragons in Powerrüstungen mit aufgebrochen und begleitete Avens und seine Truppe ein ganzes Stück. Wie würde es jetzt mit der stählernen Bruderschaft und der Neukalifornischen Republik weitergehen? Die Silver Dragons würden jetzt wahrscheinlich unruhigen Zeiten entgegen schauen. Der Status der Neutralität war längst nicht mehr aufrecht zu halten. Am Horizont tauchte eine neue Bedrohung in Form der Legion auf. Während wahrscheinlich unter der Oberfläche des Ödlandes ihr alter Feind, die Enklave wartete. Die NCR war für die Silver Dragons nun ebenfalls ein Faktor, der besonderer Aufmerksamkeit geschenkt werden musste. Drake seufzte. Er hoffte, dass er die richtigen Entscheidungen getroffen hatte.

  • 284. Klaue gegen Pelz

    Ostküste. Nuka - World, Safari Adventure. Etwa Mitte Juli 2289.


    Blue hatte das sichere Primatenhaus verlassen und durchforstete das gesamte Safari Adventure vorsichtig. Hier gab es überall Ecken und Hecken, wo sich die Gatorklauen hervorragend trotz ihrer Größe verstecken und auf die Lauer legen konnten. Er wollte zunächst die Gebäude durchsuchen, um festzustellen, wo sich die Klonanlage befand. Einen Hinweis hatte er auf dem Holoband von Dr. Dermott erhalten. Er war einer der Wissenschaftler im Safari Adventure gewesen und hatte den großen Krieg direkt miterlebt. Er überlebte ihn durch eine eintretende Ghulifizierung und lebte lange einsam und zurückgezogen in der Anlage mit der Klonanlage. Er war derjenige gewesen, der die Gatorklauen geschaffen hatte. Eigentlich als Schutz für sich und die Klonanlage gedacht. Sie erwiesen sich aber als nicht zu bändigen Gefahr und wollte seinen Fehler rückgängig machen. Seine eigenen Kreaturen griffen ihn dabei aber an, so dass er schwerverletzt fliehen musste. Cito fand ihn und versuchte ihn gesund zu pflegen.


    Allerdings waren die Verletzungen zu schwer gewesen, so dass Dr. Dermott bald darauf verstarb. Der Hinweis beschrieb ein Gebäude, das als das Willkommenscenter im Safari Adventure vor dem Krieg bekannt gewesen war. In den Tiefen dieses Gebäudes war die Klonanlage beheimatet, die laut Dr. Dermotts Aussage auf dem Holoband in besorgniserregend kurzen Abständen neue Gatorklauen produzierte und in den Park entließ. Im Moment hielten sich die Gatorklauen aufgrund ihrer genetischen Programmierung, die Klonanlage zu schützen nur im Safari Adventure auf. Es war aber nur eine Frage der Zeit bis das Gebiet für sie alle zu klein und ihr Verteidigungsterritorium weiter ausbreiten würden. Die Gatorklauen waren zwar nicht ganz so agil und stark wie Todeskrallen, aber ihre schiere Anzahl und die Art der Angriffe bereitete Blue große Sorgen.


    Blue nahm ein Geräusch links von ihm wahr. Kaum einen Augenblick später schoss die nächste Gatorklaue aus der Hecke und schnappte mit dem breiten zahnbewehrten Kiefer nach Blues Gesicht. Reflexartig hatte Blue mit dem breiten und gezackten Schwert, was er von Gage erhalten hatte, in der Höhe des Kopfes der Kreaturen zugeschlagen. Er durchtrennte der Gatorklaue mit dem Hieb den Hals und die Wirbelsäule und der Kopf rollte einige Meter weiter. "Puh. Das war knapp. Diese Gatorklauen beherrschen das Verstecken wirklich hervorragend." schnaufte Blue erleichtert und sah sich dann den sauber abgetrennten Kopf an. "Vielleicht sollte ich mir den als abschreckendes "Präsent" für die Raider einpacken? Sollte es mir gelingen, diesen Park wirklich von diesen Dingern zu befreien, muss ich überlegen, wie ich Cito und seine Familie vor den Raidern schützen kann. Hm. Vielleicht ... ja das wäre ... eine Möglichkeit. Zu mindestens verschafft mir das Zeit." Blue hatte eine Idee, wie er die Raider eine Zeitlang hier heraushalten konnte. Den abgetrennten Gatorklauenkopf nahm er mit.


    Es ging weiter durch den Park. Als Blue gerade an einigen alten Essensständen ankam, hörte er das wütende Brummen eines Yao - Guais. Gleichzeitig hörte er wieder das zischende Geräusch einer Gatorklaue. Die Laute schienen von über den kleinen Fluss zu kommen, der sich durch das Safari Adventure wand. Wenn hier die ortsansässige Fauna nur nicht so tödlich wäre, hätte dies ein kleines Paradies in dem ansonsten eher trockenen und tristen Ödlanden sein können. Blue folgte vorsichtig den Geräuschen und überquerte dabei eine alte Holzbrücke, die gerade so breit wie er war. Das Holz knackte an einigen Stellen und er beeilte sich hinüber zu kommen. Auf der anderen Seite angekommen, sah er was los war. Eine Gatorklaue kämpfte mit einem Yao-Guai und hatte ihn bereits gut zugerichtet. Der wiederum hatte bei der Klaue gerade einen Volltreffer mit seinen riesigen Pranken auf der Schnauze gelandet. Sie wich deswegen zurück.


    Der Yao-Guai setzte sofort nach. Er stellte sich wütend auf die Hinterbeine und deckte die Klaue mit einem Schlaghagel der Pfoten ein. Er zerfetzte ihr dabei den Brustkorb und keine zwei Minuten später war sie verblutet. Der Yao-Guai drehte sich hinkend von ihr weg und ging in Richtung einer höhlenartigen Öffnung. Bis dorthin kam er nicht mehr. Etwa zwei Meter davor brach der Yao-Guai laut schnaufend zusammen. Er brummte dabei Richtung der Höhle. Der Kampf gegen die Gatorklaue hatte auch bei ihm sein Tribut gezollt. Blue hatte den Kampf der beide gebannt verfolgt. Er fragte sich, warum der Pelzträger trotz seiner tödlichen Verletzungen unbedingt dorthin zurück wollte. Er beschloss der Sache nach zugehen. Blue ging Richtung der Höhle und sah sich dabei mit gehörigem Abstand den verletzten Yao-Guai an. Der hatte Blue ebenfalls wahrgenommen und brummte ihn an. Sonst machte er keine Anstalten ihn anzufallen. Vermutlich war er zu schwach dazu.


    Blue beschloss dem Yao-Guai den Gnadenstoß zu geben und damit sein Leiden zu verkürzen. Nachdem er das getan hatte, betrat er die fast dunkle Höhle. Auch hier wurde gekämpft. Blue versuchte auf die Entfernung zu erkennen, was sich im hinteren Teil der Höhle abspielte. Es schien wieder eine Gatorklaue und ein Yao-Guai zu sein. Plötzlich stieß er mit seinem Fuß gegen etwas Weiches. Da er im Moment nur Schemen erkennen konnte, knipste er das Licht an und schaute auf das was zu seinen Füßen lag. Es war der zerfetzte Leichnam eines kleinen Yao-Guais. Jetzt wusste er, warum der Yao-Guai da draußen unbedingt wieder hierhin zurück wollte.


    Wahrscheinlich kämpfte dort hinten der zweite Elternteil gegen den Eindringling, der die Bruthöhle der Yao-Guai betreten hatte. Gewarnt durch das tote Junge, knipste Blue das Licht wieder aus und schlich weiter. Nachdem er fünfundzwanzig Meter gegangen war, wurde er Zeuge davon, wie die Gatorklaue dem zweiten Yao-Guai gerade die Kehle mit ihrem breiten Kiefer zerfetzte. Nicht unweit von den beiden lag ein zweites Junge der Yao-Guai, ebenfalls tot. Gerade als der zweite Yao-Guai blutüberströmt zu Boden sank vernahm ein leises Brummen aus der Ecke hinter ihm. Dort war noch ein weiteres Junges. Im Gegensatz zu den anderen sogar relativ befellt. Die Gatorklaue hatte aber das Augenmerk auf Blue gerichtet. Er schien neben der gerade erlegten Beute ein höheres Interesse an Blue als an dem kleinen Yao-Guai zu haben. Die Klaue schoss fast augenblicklich mit der immer noch blutverschmierten Schnauze auf ihn los und setzte zum Sprung mit weit aufgerissenem Maul an.


    Er sprang blitzschnell zu Seite. Die Klaue verfehlte ihr Ziel und zischte wütend. Das war auch das letzte Geräusch, was sie von sich geben sollte. Mit zwei Schlägen des Schwertes hatte er sie getötet. Als die Gatorklaue tot war, kam der kleine Yao-Guai aus der Ecke heraus und schnüffelte vorsichtig um sich. Ganz unverletzt war dieser auch nicht. Er hinkte mit der rechten Hinterpfote und dort fehlte auch einiges an Fell. Die Klaue hatte ihn wohl auch schon erwischt gehabt. Wahrscheinlich war dann eines der Elterntiere gekommen und hatte es beschützt. Blue beobachtete es genau und seufzte. "Was mache ich denn jetzt mit dem kleinen Kerlchen? Er ist noch zu klein um alleine zu überleben und seine Verletzung ist auch nicht ohne ... eigentlich müsste ich ihn auch ... aber er ist doch noch ..." Blue hatte bei dem kleinen Kerlchen mit einem Mal wirklich Gewissenbisse. Obwohl er genau wusste, dass dieser nicht so klein bleiben würde. Ausgewachsene Yao-Guai waren ziemlich bedrohlich, wenn man ihnen einmal zu nahe gekommen war. Trotzdem brachte er es in diesem Moment nicht übers Herz. Das Yao-Guai Junge näherte sich ihm vorsichtig und schnüffelte weiter herum.


    Blue kramte vorsichtig in seiner Seitentasche herum. Er hatte noch etwas gebratenes Fleisch und eine Tato dabei. Im Gegensatz zu den meisten Prädatoren in den Ödlanden nahmen die Pelzträger sowohl Fleisch als auch Früchte zu sich. Was bei einigen Siedlungen im Commonwealth dazu führte, dass hin und wieder ein Gruppe Yao-Guai die Felder versuchten zu räubern. Er setzte sich auf den Boden und legte die Sachen vor sich. Es dauerte nicht lange, da hatte das Junge die Sachen entdeckt und verleibte sie sich schnell ein. Danach sah es Blue erwartungsvoll an und er legte nochmal etwas nach. Auch das wurde ruckzuck verschlungen. Das Junge schien nun satt zu sein. Es legte sich ganz nahe an ihn heran. "Das ist wirklich ungewöhnlich. Er scheint mich zu akzeptieren. Mal schauen, ob ich ihn auch anfassen kann ..." Vorsichtig griff er nach dem Jungen und hob es sogar hoch. Nichts. Der Kleine brummte einmal ganz leise und schlief dann weiter.


    Nun hatte er ein schlafendes Yao-Guai Junge bei sich. "Hm. Auf die weitere Erkundung werde ich dich nicht mitnehmen können, das ist zu gefährlich. Ich werde mit Cito sprechen, ob er auf dich solange aufpassen kann. Vorausgesetzt seine Familie akzeptiert das." Blue kehrte zum Primatenhaus zurück. Cito schaute zunächst etwas merkwürdig als er Blue mit dem Pelzträger auf dem Arm sah. Als Blue ihm erklärte, was passiert war, verstand er, warum er ihn dabei hatte. "Cito kennen Pelzträger. Wenn aus Weg gehen, sie in Ruhe lassen, sie relativ friedlich sein. Cito wissen von Jungen. Traurig sein. Du jetzt Familie von kleinem Pelzträger. Cito aufpassen auf Kleinen." "Danke Cito. Ich werde ihn jetzt noch ein wenig verbinden. Futter hat er bekommen. Ich werde versuchen für euch und ihn noch etwas zu essen aufzutreiben, während ich nach dieser Maschine suche." Daraufhin verlies Blue erneut das Primatenhaus und durchsuchte den Park weiter.

  • Dr. Binet freut sich schon die Schlange und die Miene auszubauen. :D


    Finde ich bis heute schade, dass man nur die eine Bahn hat....aber besser als nix. Wäre genial die anderen beiden Bahnen auch fahren zu können. ^^

    🎵🧺Alles hat ein Ende, nur die Wäsche nicht. 🧺🎵


    I`m slowly breaking and silently screaming.


    Never without my bucket <3<3<3 🪣 <3<3<3 !

  • kerngesund Da gebe ich dir recht. Das wäre eine sehr schöne Aufbaumöglichkeit gewesen. :thumbsup:

    Ich habe damals aber auch bei Nuka-World gedacht, dass sie weit hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben sind. Sie hätten noch wesentlich mehr aus dem Landstrich machen können (mein persönliches Empfinden). :)


    285. Klauensafari

    Nachdem Blue das Yao-Guai Junge bei Cito gut untergebracht wusste, durchforstete er weiter das Safari Adventure. Eines der ersten Gebäude, das er nach dem Primatenhaus betrat, war das ehemalige Reptilienhaus. Außer einer weiteren Gatorklaue war dort nichts Wichtiges zu finden. Nachdem er sie ausgeschaltet hatte, verließ er das Reptilienhaus wieder. In einiger Entfernung konnte er eine ziemlich großen Baum mit einer Art Haus erkennen. Der Baum war zwar künstlich, wie man an einigen offenen Stellen der Verkleidung erkennen konnte, aber dennoch sehr naturgetreu gestaltet. Um den Baum herum war ein Irrgarten angelegt worden. Dieser war mittlerweile ziemlich verwildert und verwachsen, aber es schien so, dass man zu diesem Baumhaus immer noch über diesen gelangen konnte.


    Blue beschloss, zu dem Baumhaus zu gehen. Vielleicht fand er sogar eine Möglichkeit nach oben zu gelangen. Von dort oben hatte man bestimmt eine gute Übersicht über das Safari Adventure. Er betrat den Irrgarten und schlich so leise wie möglich vorwärts. Mit Sicherheit hielten sich hier auch einige der Gatorklauen auf. Die Umgebung war eigentlich für sie ideal. Es dauerte auch nicht lange, da wurde Blues Verdacht bestätigt. Vor ihm an einer breiteren und nicht so zugewachsenen Stelle des Irrgartens hatte es sich eine Gatorklaue gemütlich gemacht. Sie lag ziemlich platt auf dem Boden und schien sich sonnen. Die Kralle hatte Blue den Rücken zugedreht und ihn noch nicht wahrgenommen. Er erschlug sie von hinten, bevor sie überhaupt reagieren konnte. Es dauerte einige Zeit durch den Irrgarten hindurch zu finden und die nächste Gatorklaue tauchte auch schon bald auf.


    Trotz das Blue die ganze Zeit aufmerksam gewesen war, überraschte sie ihn dennoch. Er bewegte sich gerade an einer langgezogenen Hecke entlang, als diese plötzlich mit weit aufgerissenem Maul ihn von der Seite angriff. Zum Glück fing die metallene Brustrüstung ein Teil des Bisses ab und er wehrte auch diese Klaue erfolgreich ab. Allerdings hatte sie ein Teil des Verschlussmechanismus der Rüstung beschädigt. "Diese zu groß geratenen Echsen ... Das war knapp. Gut das ich die Rüstung an hatte. Sonst wäre das gerade nicht so glimpflich abgelaufen. Ich werde mir oben in dem Baumhaus den Verschluss ansehen, ob ich ihn provisorisch reparieren kann. Respekt, das Cito das hier bis jetzt überlebt hat. Er muss extrem vorsichtig sein, sonst hätten ihn die Klauen schon längst erwischt ... oder sie jagen bevorzugt größere Beute." Es ging weiter durch den restlichen Irrgarten und mit einem Mal stand Blue vor dem riesigen Baum. Es gab sogar noch einen kleinen, funktionierenden Aufzug.


    Blue betrachtete ihn nachdenklich. "Der ist ganz schön in die Jahre gekommen. Hoffentlich hält der mich aus." Dann stellte er sich auf die Aufzugsplattform und drückte den Knopf. Der Aufzug ruckte quietschend an und fuhr dann langsam, aber stetig Richtung Baumhaus. Oben angekommen bot sich ein eindrucksvoller Ausblick über den gesamten Park und darüber hinaus. Man konnte sogar ein wenig in die anderen Parks hineinsehen. Bevor er weiter in die Ferne spähte, sah er sich zunächst hier oben um. Es schien schon lange niemand mehr hier gewesen sein. In einer Ecke, an alten Bar lagen einige unberührte Skelette. Sie trugen nur in Fragmenten erhaltene grüne Kleiderfetzen und auf den bleichen Schädeln saßen immer noch die Militärhelme. So wie es aussah, hatten sie hier oben Zuflucht gesucht. Vielleicht waren sie hier während oder kurz nachdem großen Krieg hier oben an den Folgen der Strahlung gestorben.


    Nachdem Blue sich hier umgesehen hatte, schaute er in den Park. Dabei entdeckte er ein Gebäude, indem er bis jetzt noch nicht gewesen war. Es war ziemlich nahe des Einganges, durch den er ins Safari Adventure gekommen war. Dadurch das er Cito zuerst gefolgt und der ganze Bereich mit hohen Hecken und Büschen verwildert war, hatte er es nicht wahrgenommen. Wahrscheinlich war es das Gebäude, was er die ganze Zeit gesucht hatte. Sobald er wieder hier runter war, würde er es aufsuchen. Vorher aber betrachtete er noch den Rest der Gegend. In einem Bereich hinter dem Park konnte er eine alte, nicht fertig gestellte Achterbahn erkennen. An einer Stelle war die Mauer durchbrochen worden und Blue bekam den Eindruck, dass der Park hier noch erweitert werden sollte. Blue vermutete, dass der große Krieg wohl dafür gesorgt hatte, dass dieses Projekt nicht mehr zu Vollendung kam.


    Für einen kurzen Moment bekam er das merkwürdige Bedürfnis sich vorzustellen, wie es wohl früher hier gewesen sein mußte. Als der Park von zahlreichen Menschen besucht worden war, wie diese ganze Gegend ausgesehen haben musste. Für den Bruchteil einer Sekunde schossen winzige Bildfragmente von lachenden Personen und einer unversehrten Umgebung, dieser nicht unähnlich an seinem inneren Auge vorbei und waren dann wieder fort. Blue war für einen Moment irritiert. "Ich glaube, diese ganze Stresssituation ... diese Einsamkeit und das Fehlen meiner Freunde ... das alles scheint mir zu zusetzten. Ich scheine Halluzination zu bekommen." Er kratzte sich nachdenklich und besorgt am Kopf. Anschließend macht er sich daran seine beschädigt Rüstung nachzuschauen. Er stellte fest, dass sie mehr beschädigt war, als er dachte und sicherte die Verschlüsse provisorisch. Anschließend verließ er das Baumhaus und suchte das Gebäude auf, welches er von oben gesehen hatte.


    Auf dem Weg dorthin erledigt er noch drei weitere Gatorklauen und eine weitere griff ihn an, als er das alte Willkommenscenter betrat. Hier gab es auch endlich nach den Hinweisen, die er gesucht hatte. Im unteren Bereich fand er eine stark gesicherte Tür, die mit einem Terminal verbunden war. Das Terminal benötigte einen Code. Damit konnte diese dann geöffnet werden. Blue wollte erst versuchen das Terminal zu hacken, sah dann aber davon ab. Mit Sicherheit hingen dort nach weitere Sicherheitsmechanismen dran. Die wollte er jetzt nicht dadurch unter Umständen auslösen. "Dann muss ich doch schauen, ob ich irgendwo die Zugangskarten von Dr. Hein finde. In den anderen Terminals hier war die Rede davon, daes er kurz vor Kriegsausbruch Richtung * Angry Anaconda* gegangen ist. Damit könnte die alte Achterbahn gemeint sein. Aber ob ich nach der langen Zeit noch etwas finde ...?"


    Tatsächlich hatte Blue ungemeines Glück und fand tatsächlich etwas in einem der alten Baucontainer. Er war wohl seitdem Krieg verschlossen gewesen. Dort fand er das Skelett, dass noch eine alte fast zerfallene Wissenschaftskleidung trug. Der Schädel wies ein Loch im vorderen Bereich und dort wo das Skelett lag, war der Boden bräunlich verfärbt. Dr. Hein schien ein brutales Ende gefunden zu haben. Blue nahm die Zugangskarten von Dr. Hein an sich, suchte erneut das Willkommenscenter im Safari Adventure auf und verschaffte sich mit Hilfe der Karten Zugang zu den tiefen Bereichen des Gebäudes. Kaum war Blue einige Meter gegangen, merkte er dass er in Wasser trat. Die unteren Bereiche schienen sich langsam mit Wasser zu füllen. Blue schaltete nun auch das Licht seines Pipboys an, um der Dunkelheit etwas erkennen zu können. Hier unten war es Totenstill. Nichts schien sich zu regen und er hörte im Moment nur seine eigenen platschenden Schritte. Diese kamen ihm aufgrund der Stille laut vor.


    Auch befiel Blue hier unten das Gefühl, dass hier unten in der Dunkelheit etwa zu lauern schien. Er hörte und sah nichts, aber trotzdem war er angespannt. Als er eine Etage tiefer gekommen war, wusste er das sein Gefühl ihn nicht betrogen hatte. Er betrat einen größeren Raum in deren Mitte er sofort die Sillhoutte einer Gatorklaue erkannte. Im Licht seines Pipboy funkelten ihn zwei tiefrote Augen an. Die Gatorklaue, die nun vor ihm stand war größer als die anderen vorher. Das Exemplar hier war fast von weißer Färbung. Sie griff ihn sofort und mit noch einer höheren Aggressivität als die anderen an. Während er versucht die weiße Gatorklaue zu bekämpfen, stellte er mit Schrecken fest, dass diese nicht allein war. Eine zweite kam aus der Dunkelheit hinzu. Jetzt wurde es für ihn hier unten brandgefährlich. Zwar gelang es Blue die weiße Gatorklaue zu bekämpfen und zu verletzen, aber die andere bewegte sich behändend hinter ihn. Bevor er überhaupt auch noch reagieren konnte, merkte er dass diese sich an der Rüstung festgebissen hatte und diese mit ruckartigen Bewegungen versuchte zu lösen.


    Dadurch, dass die Rüstung nicht mehr ganz in Ordnung war, schaffte sie es auch. Blue hatte es bemerkt und versuchte durch eine Bewegung nach unten und zur Seite auszuweichen, um die Gatorklaue aus seinem Rückenbereich zu bekommen. Er bekämpfte die beiden erbittert und konnte sie letzten Endes zur Strecke bringen. Der Kampf war an Blue nicht spurlos vorbei gegangen und er war ziemlich angeschlagen. Die Rüstung lag zerstört am Boden. Eine der Klauen hatte ihm voll im Bereich des Oberkörpers mit ihrer rasiermesserscharfen Kralle erwischt und drei blutende und tiefe Wunden gerissen. Ein anderer, teilweise abgewehrter Hieb war ins Gesicht gegangen und hatte das rechte Auge und Bereiche des oberen Schädels getroffen. Einen Biss hatte er auch im Rücken abbekommen.


    Bevor er sich um sich selbst kümmert, schaltete er zunächst die Klonanlage aus, bevor die erneut eine Gatorklaue in den Park entlassen konnte. Die Gefahr durch diese war jetzt nun gebannt. Cito und seine Familie waren jetzt in Sicherheit. Zu mindestens vor den Klauen. Blue musste jetzt nur noch dafür sorgen, dass keiner der Raidergruppen den Park bekam. Aber zunächst war es wichtig, sich um die Wunden kümmern, die die beiden ihm verpasst hatten. "Ich muss zu Cito. Meine Verletzungen dort versorgen ... nicht hier ... zu gefährlich ... vielleicht noch Klauen da." brummte er angeschlagen und machte sich vorsichtig auf den Rückweg zum Primatenhaus. Auf dem Weg dorthin begegnete ihm keine weitere Klaue. Dann betrat er die Zuflucht von Citos Familie.

  • 286. Zurückkehrende Freiheit

    Cito hörte Blues Schritte. Er freute sich über seine Rückkehr ins alte Primatenhaus. Aber er erschrak, als er sah, dass Blue in seinen Augen einige schwere Verletzungen erlitten hatte. "Cito sehen Freund von Cito und Familie verletzt. Cito helfen?" Blue ging abgekämpft auf Cito zu und nickte kurz zustimmend. "Ich habe gute Nachrichten für dich und deine Familie. Die Maschine, die die Gatorklauen produziert hat, funktioniert nicht mehr. Und ich habe auf dem Weg dorthin noch einige aus dem Weg geräumt. Es müsste jetzt wieder etwas sicherer sein." Blue lächelte müde dabei. Er hatte Schmerzen. Insbesondere die Verletzung vorne im Oberkörperbereich war ziemlich massiv und blutete immer noch. "Danke. Cito sehr froh sein, dass große Monster nicht mehr nachkommen. Du wirklich guter Freund." "Gerne Cito. Ich werde mich jetzt ein wenig verarzten ... " brummte Blue und zog sich weiter nach hinten in das Primatenhaus zurück.


    Er hinterließ dabei eine Blutspur. Dort angekommen zog er das zerfetzte schwarze Hemd aus, das er unter der Rüstung getragen hatte. Es war bereits teilweise mit der ein oder anderen Verletzung verklebt, die bereits aufgehört hatten zu bluten. Er atmete kurz zischend aus, als es ihm endlich gelang es auszuziehen. Die modifizierten Armschiene hatte er als bereits vorher auf dem Boden abgelegt. Die hatten ihn gut im Kampf gegen die Gatorklauen unterstützt. Anschließend setzte er sich auf dem Boden und durchwühlte seinen ebenfalls abgelegten Beutel nach Verbandsmaterial und seufzte. "Das wird wohl nicht ausreichen. Den Rest werde ich wohl im Fizztop verbinden müssen. Ich habe für den kleinen Yao-Guai schon einiges gebraucht." Blue schaute zu dem Kleinen hinüber. Der schlief tief und fest in einer Ecke. Cito hatte ihm ein kleines gemütliches Lager aus den vorhandenen Materialien gemacht. Während Blue nachdachte, kam Cito zu ihm. Er half einen Moment später Blue seine Wunde am Rücken zu verbinden.


    Auch wenn Cito merkwürdig sprach und wie ein Wilder aussah, war er sehr geschickt mit den Händen. Auch verstand er Blues Anweisungen sehr gut. Einige Zeit später waren sie fertig. Blue fragte danach Cito, was er jetzt vorhaben würde. Cito wollte sehr gerne im Safari Adventure bleiben. Außerhalb war es zu gefährlich für Citos Familie. Blue stimmte ihn zu. Er versprach Cito darauf acht zu geben, dass dieser Park geschützt blieb. Gleichzeitig warnte Blue ihn vor den Raidern nebenan und bat Cito sehr vorsichtig zu sein. Er erklärte Cito, dass bald Freunde von ihm kämen und ihm auch bei dieser Gefahr halfen. Gerade als Blue sich zum Gehen fertig machte, kam Cito noch einmal zu ihm. Cito war äußerst dankbar und überreichte Blue ein Geschenk. Es war ein modifizierter Baseballschläger. Blue nahm ihn erfreut an und verstaute ihn in seiner Seitentasche. Die beiden verabschiedeten sich voneinander. Blue nahm auch das Yao-Guai Junge mit und trug es auf der unverletzten Körperseite.


    Seine Waffen waren provisorisch mit Seil auf dem Rücken des im Moment nackten Oberkörpers befestigt. An dem Superhammer hatte er zusätzlich drei Köpfe der Gatorklauen befestigt. Der der großen Weißen war mit dabei. Durch die derzeitige Ausrüstung und die Verletzungen glich er im Moment eher einem durchschnittlichen Supermutanten im Ödland. Blues derzeitiger Gesichtsausdruck und die Wunde im Augenbereich verstärkte dieses Bild noch zusätzlich. Der kleine Yao-Guai ließ sich von Blue auch weiterhin tragen. Auch er schien sich noch von der Verletzung der Klaue erholen zu müssen und war kurz nach dem Hochheben wieder eingeschlafen. Jetzt ging es erst einmal aus dem Safari Adventure hinaus und Richtung Fizztop. Auf dem Weg dorthin blieb Blue trotzdem immer noch sehr aufmerksam, um Gefahren frühzeitig zu entdecken. Ohne Zwischenfälle erreichte er den nördlichen Eingang nach Nuka-Town. Eine Gruppe der Jünger schob gerade Wache im Eingangsbereich und unterhielten sich darüber, wie man wehrlose Bewohner des Ödlandes am besten quälen konnte.


    In Blue begann die kaltgewordene und bis jetzt ruhende Wut wieder an zu glimmen. Einige Gedanken schossen ihm durch den Kopf, was er mit ihnen anstellen würde, wenn er sie in irgendeiner Ecke weitab von den anderen auffinden würde. Er kämpfte wieder für einen Moment gegen den Impuls an, einfach zu ihnen hinzugehen und sie für ihre sadistische Mordlust mit gleicher Münze zu bezahlen. "Bleib ruhig. Sie werden bald ihre verdiente Abrechnung bekommen. Ich darf mich nicht noch weiter runterziehen lassen ... denke an die Händler und die anderen ..." schnaubte Blue gereizt in sich hinein. Die Jünger sahen, wie Blue sich dem Eingang näherte. Einer von ihnen machte den Fehler einen dummen Spruch loszulassen. "Hey Overboss, siehst ja ganz schön verprügelt aus. Hast du nem Yao-Guai versucht das Junge wegzunehmen? Sollte man nicht tun. Das gibt immer Tacheles." Der Jünger grinste dabei.


    "Weiß du was, Flachflöte. Halt einfach dein Maul. Sonst rede ich gleich mit dir Tacheles ... in den Cola Cars. Für blöd hältst du mich eigentlich? Während ihr hier gemütlich euren Arsch hin und her geschoben habt, habe ich mit einer Abart der Todeskrallen vergnügt. Während ich versucht habe den Park freizumachen. Diese Viecher erledigen ein Yao-Guai ohne Probleme. Dich Witzfigur nehmen sie als Zahnstocher im Vorbeigehen. Aber weißt du was? Vielleicht "peppe" ich die Arena mit zwei von denen auf. Und du darfst sie dann aus nächster Nähe anschauen. Was hältst du davon? Ach, gefällt dir nicht? Beim nächsten Spruch bis du fällig. Und jetzt geh mir aus dem Weg." fauchte Blue gereizt und sah ihn ebenso an. Dem Jünger war das Grinsen mittlerweile vergangen und der sichtbare Teil des Gesichtes wurde kalkweiß. Blue stapfte an ihnen vorbei ohne weitere Worte zu verlieren und fuhr mit dem provisorischen Aufzug ins Fizztop hoch.


    Oben angekommen schaute er sich kurz um und überlegte, wo er dem Yao-Guai Jungen eine vorübergehende Bleibe einrichten konnte. In einem Bereich weiter hinten machte er eine passende Stelle aus und richtete dem Kleinen ein gemütliches Lager her. Als er damit fertig war, legte er ihn darin ab. Der kleine Yao-Guai schnaufte und brummte kurz. Dann rollte er sich wieder zusammen und schlief weiter. Nachdem Blue sich vergewissert hatte, dass er nun gut versorgt war, fing er an sich um seine restlichen Wunden zu kümmern. Gerade wollte er am Kopf anfangen, als er das Surren des provisorischen Aufzugs hörte. Jemand war auf dem Weg zu ihn. "Das ist bestimmt Gage. Den kann ich gerade gar nicht gebrauchen ... " brummelte Blue genervt in sich hinein und schaute zur Tür hin. Die war zwischenzeitlich eingebaut worden. Vorher war dort nur ein Loch gewesen in der Verkleidung des ehemaligen Restaurants. Als die Tür sich öffnete, stand dort aber nicht Gage. Es war wieder das Rudelmitglied mit der blauen Elefantenmaske.


    Blue grinste müde. "Hallo Rüssel, schön dass du mich besuchen kommst." Der vermeintlich Raider sah sich um. Er schien sicher gehen zu wollen, dass er allein mit Blue war. Als er das Yao-Guai Junge sah, schien er verblüfft und nachdem er Blue gesehen hatte in Sorge. "Scheiße Blue, was hast du denn angestellt? Du siehst aus, als hättest du dich mit einigen Todeskrallen angelegt." "Das ist eine längere Geschichte, Deacon. Und es waren Gatorklauen, um genau zu sein." Deacon zog fragend die Augenbrauen hoch. Blue begann darauf hin zu erzählen, was im Safari Adventure passiert war. Während er erzählte, unterstützte Deacon ihn dabei ihn zu verbinden.

  • 287. Schwelende Wut

    Blue zuckte wieder zusammen, während er auf dem Boden des Fizztop saß. Deacon versuchte Blues Haare vorsichtig aus der Kopfverletzung zu entfernen. Der atmete dabei jedes Mal zischend aus und brummte ziemlich angesäuert. "Es bringt nichts mein Freund. Ich werde sie dir zum Teil abrasieren müssen. Vielleicht solltest du mal darüber nachdenken, häufiger einen Helm auf dem Kopf zu tragen. Vor allem wenn du wieder einmal allein ins Ödland aufbrichst." seufzte Deacon. Bei der Bemerkung sah Blue Deacon finster an und brummelte irgendetwas Unverständliches. Er war nicht wirklich davon angetan einen Teil seiner Haare geschoren zu bekommen. Aber Deacon hatte Recht. In der Wundfläche konnten sie auch nicht verbleiben.


    "Hmm. Wenn es nicht anders geht, muss es wohl sein. Und ja ich werde mich bemühen von jetzt an öfters einen Helm zutragen." brummte er unzufrieden. Deacon entfernte vorsichtig mit einem Schermesser die Haare um die Verletzung herum. Als Deacon damit fertig war, standen nur noch die Haare in der Mitte. Es sah im Moment so aus, als würde Blue einen Irokesenschnitt tragen. Deacon musste sich das Schmunzeln stark verkneifen, als er sich sein Machwerk ansah. Blue bekam das natürlich mit und kommentierte es genervt. "Geschieht mir recht, dass du lachst. Leichtsinnigkeit muss einfach bestraft werden." Er dachte dabei kurz an das, was Preston ihm vor einiger Zeit vorgehalten hatte. Dass er zu wenig auf sich selbst Acht gab. Der Kampf mit den beiden Gatorklauen war knapp gewesen, fast zu knapp.


    "Ich muss wieder vorsichtiger und geduldiger werden. Cito ... den Händlern ... mein Freunden ... es würde ihnen nicht helfen, wenn ich mich weiterhin so in die Schusslinie bringe." Nach etwa einer halben Stunde war Blue mit Deacons Hilfe mit Verbinden fertig. Zum Schutz der Augenverletzung trug er wieder eine Augenbinde. Er hatte Glück gehabt. Wenn die Gatorklaue auch nur ein wenig tiefer und direkt getroffen hätte, dann wäre er jetzt wahrscheinlich einäugig gewesen. Blue zog sich ein schwarzes T-Shirt aus seinem Rucksack vorsichtig über. "Du solltest wirklich ein paar Tage Pause machen. Bevor du in den nächsten Park gehst." riet Deacon. Blue wollte ihm aus einem inneren Impuls erst wiedersprechen.


    Er besann sich eines Besseren und nickte er zustimmend. "Werde ich. Ich höre auf deinen Rat. Mir fällt es in der Situation nur unglaublich schwer die Hände in den Schoß zu legen, während *brummendes Schnaufen* dieses Pack da unten wieder irgendwelche Unschuldigen malträtiert und tötet. Ich bin wirklich froh, dass du hier bist Deacon. Sonst hätte ich in der Zwischenzeit wohl schon meine Selbstbeherrschung verloren." Deacon sah ihn daraufhin einen Moment schweigend an. Deacon machte sich ernsthaft Sorgen um Blue. Er kannte ihn nur nachdenklich, geduldig und beherrscht. Hier hatte er den Eindruck, dass es unter der Oberfläche seines Freundes im Moment gewaltig zu brodeln zu schien.


    Preston hatte das richtige Gefühl gehabt, ihn zu seiner Unterstützung hierhin zu schicken. Seit dem Ausraster bei der Schlacht um Gunners Plaza hatte Preston sich durchaus über das Passierte seine Gedanken gemacht. Und Blues eigener Bericht über den Wutanfall, als Paladin Corell Gelehrte Abby anschoss, bestätigte ihn in seinem Denken. Es schien einige Umstände zu geben, die je nachdem in welcher mentalen Verfassung Blue sich befand, dazu führen konnten, dass bei ihm eine Art Schalter umgelegt wurde und sein freundliches und gutmütiges Wesen für einige Zeit fast komplett verschwand. Dieser Zustand führte im Anschluss meistens dazu, dass er sich ohne auf seine Sicherheit zu achten in die vorderster Front begab und zu wüten begann. Auch ohne Rücksicht auf Unbeteiligte. Je nachdem, wie ausgeprägt dieser Ausnahmezustand war.


    Bis jetzt waren diese "Ausfälle" relativ selten bei Blue aufgetreten, trotzdem behielt Preston das im Hinterkopf. So wie sein Freund sie alle im Moment beschützte, wollte Preston ihm auch zur Seite stehen, wenn es nötig war. Gerade wenn es bei Blue wieder auf eine ähnliche Situation hinauslief. Diese Art des Kurzschlußverhaltens ordnete Preston der Tatsache zu, dass es zu Blues Dasein als Supermutant gehörte und dieser selbst damit zu kämpfen hatte. Auch gab es Menschen, die ein solches Verhalten aufwiesen und da war es schon nicht ohne. Bei Blue konnte dieser Kontrollverlust für sein Umfeld ziemlich gefährlich werden. "Dafür sind Freunde da. Ich kann dich verstehen. Wir müssen geduldig sein. So schwer es auch ist. Denk an die Leute hier." sprach beruhigend auf Blue ein und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. Der seufzte zustimmend. "Übrigens, es gibt etwas Positives zu berichten. Ich konnte ein wenig über die "netten" Halsbänder herausfinden ..."


    Deacon berichtete ihm einige interessante Neuigkeiten, die Blue lächelnd zur Kenntnis nahm. Als Deacon fertig war, stand Blue auf und ging mit ihm gemeinsam zu dem kleinen Yao-Guai hin. Auch Deacon durfte ihn anfassen und streicheln. "Tja. Niedlich ist der Kleine ja. Was ich aus deinen Erzählungen herausgehört habe, scheinst du geneigt zu sein, den Kleinen behalten und aufzuziehen zu wollen. Du weißt aber schon, dass der ausgewachsen größer als du sein wird? Zu mindestens wenn er sich auf seine Hinterpfoten stellt." Blue nickte. "Ich würde es sehr gerne versuchen. Mir ist auch klar, dass das nicht ohne Probleme sein wird. Aber er scheint mir und einigen Menschen nicht abgeneigt." Deacon seufzte kurz. "Da er mich ja scheinbar auch mag, werde ich auf den Kleinen ein Auge haben, wenn du hier wieder unterwegs bist. Nicht das die Raider noch auf dumme Gedanken kommen. Hast du schon einen Namen für das Pelzknäul?" Blue schüttelte den Kopf. "Was hältst du denn von Ferris?"


    "Klingt irgendwie passend. Danke Deacon. Das du nach ihm schaust und aufpasst. Was ich schon rausgefunden habe ist, dass er gerne Feldfrüchte mag." erklärte er Deacon ruhig und fügte danach mit einem gefährlich klingenden Unterton hinzu "Sollte einer dieser Raider ihm auch nur ein Härchen krümmen ... dann nehme ich den eigenhändig auseinander." Deacon glaubte ihm das aufs Wort. Beide führten noch einen Moment das Gespräch weiter. Deacon bekam den Eindruck, dass Blue sich innerlich wieder beruhigt hatte. Bis beide hörten, dass sich der Aufzug bemerkbar machte. Er fuhr nach unten, verharrte einen Moment und machte sich dann wieder auf dem Weg nach oben. "Deacon, zieh deine Maske wieder schnell auf. Das wird diesmal mit Sicherheit Gage sein. Bleib du hinten bei ... Ferris." brummte Blue leise und verzog sich nach weiter vorne auf eines der alten roten Sofas. Nur einen kurzen Moment später schaute Gage Visage grinsend durch die Tür. Blue Gesichtsausdruck war wieder übellaunig.


    "Hey Overboss. Habe gehört, du hast drüben im Safari Adventure richtig aufgeräumt und kräftig mit diesen zweibeinigen Monstern gebalgt. Wollte deswegen nach dir schauen. Nicht das du mir noch Hopps gehst, wo es gerade so gut läuft. Aber ich sehe schon, du hast dich schon selbst versorgt." Gage schien erleichtert zu sein. "Danke für deine überaus besorgte Art. Nein, du musst dich nicht wieder nach einem neuen Overboss umsehen, der dir den Arsch weiter aus der Schusslinie zieht." spottete Blue. Mit einem Mal vernahm er ein leises wütendes Brummen von hinten. Es kam von Ferris. Der war aufgrund von Gages Ankunft wach geworden und war scheinbar alles andere als begeistert von Gages Anwesenheit . Es war mehr als offensichtlich, dass der kleine Yao-Guai ihn nicht mochte. Deacon musste unter der Elefantenmaske grinsen. "Der Kleine wird mir richtig sympathisch."


    Gage schaute einen Moment verdutzt. "Oh, ich sehe du hast da ein kleines Mitbringsel. Was hast du denn mit dem vor?" fragte er interessiert. Auch hatte er wahrgenommen, dass Blue nicht allein war. "Ja, nee war klar. Wo Viehzeugs ist, kann das Rudel nicht weit sein." "Blauer Rüssel hat ein Händchen für ihn. Deshalb darf er hier sein. Hat von mir ne Sondererlaubnis. Was ich mit ihm vorhabe? Ich werde ihn großziehen und an ihn Leute verfüttern, die dumme Fragen stellen oder mir im Weg stehen." brummte Blue weiterhin angesäuert. "Okay, habe verstanden. Du bist im Moment angepisst und willst deine Ruhe haben. Ich komme später wieder." Gage macht daraufhin kehrt und verschwand wieder mit dem Aufzug nach unten.

  • 288. Der Weg Richtung Verderbnis

    Blue schnaufte erleichtert als Gage Leine gezogen hatte. "Das war knapp. Ich bin froh, wenn ich Gages Visage irgendwann nicht mehr sehen muss. Dieser Kerl ist hinterlistig wie eine Schlange. Aber er ist hier im Moment meine Lebensversicherung. Leider." brummte Blue. "Es gibt aber noch etwas zu berichten, Deacon. Das betrifft Nuka-World und seine Parks als Ganzes. Ich habe in den einzelnen Parks in denen ich bis jetzt war, Hinweise darauf gefunden, dass vor dem Krieg der Park und das Militär hier irgendein geheimes Projekt am Laufen hatten." Deacon runzelte besorgt die Stirn. "Wir beide wissen aus Erfahrung, dass es nicht nur bei Hinweisen bleiben wird. Das ist nicht gut."


    Blue pflichtete ihm bei. "Noch ein Grund mehr, warum die Raider Nuka-World nicht komplett in ihre Klauen bekommen dürfen. Wer weiß, was die hier entwickelt haben. Wenn das Militär involviert war, kann es sich nur um eine Waffe oder Ähnliches gehandelt haben. Bei meinen bisherigen Nachforschungen ist immer ein Name in dem Zusammenhang gefallen. Projekt Kobalt. Bis jetzt weiß ich noch nicht, was das gewesen sein könnte. Aber ich habe vor es rauszufinden." Deacon nickte nachdenklich. "Irgendetwas in der Art wird es mit Sicherheit sein. Meinst du, die Raider wissen davon?" fragte Deacon besorgt.


    Blue schüttelte den Kopf. "Ich glaube nicht. Ihr Augenmerk ist im Moment darauf gerichtet ganz Nuka-World in eine Art Festung zu verwandeln, von der aus sie die Ödlande und wahrscheinlich auch das Commonwealth mit ihren Raubzügen terrorisieren. Viele können von ihnen nicht lesen. Aber Gage zum Beispiel schon. Wenn er die Hinweise richtig interpretiert, wird er weiter danach suchen. Ich traue ihm das zu. Dumm ist Gage in der Beziehung nicht." Deacon schaute sehr ernst. "Das fehlt uns auch noch. Organisierte Raider, die irgendeine Waffe unbekannter Schlagkraft der alten Welt nutzen. Ist das ein Grund mit, warum du derzeit so ungeduldig und unausgeglichen erscheinst, Blue?" Deacon gefiel die Vorstellung überhaupt nicht.


    Blue seufzte und antwortete knapp. "Auch. Den anderen Grund weißt du ja." Die beiden besprachen sich über das weitere Vorgehen. Deacon unterbreitete Blue eine Idee, was die Halsbänder betraf. Er benötigte dafür aber einige Materialien, die Blue mit Sicherheit in einem der Parks finden würde. Nun galt es noch eine Lösung für die Sicherheit der Händler und Sklaven zu finden, wenn die Minutemen vor den Toren von Nuka World auftauchten. Blue hatte bereits auch schon eine Ahnung, wo sich seine Leute relativ unbeobachtet sammeln konnten. Er schätzte, dass es bei der kleinen Stadt weit im Norden Sinn machen würde. Nur musste er dort erst einmal nachsehen, wie sehr die von wilden Ghulen in Anspruch genommen war. Es gab also noch jede Menge zu erledigen.


    Jetzt würde er erst einige Tage Pause machen, bis er sich einigermaßen von den Verwundungen der Gatorklauen erholt hatte. Der nächste Park würde auch nicht einfacher werden. Die Galactic Zone. Hier würde er sich noch besser vorbereiten und sehr umsichtig vorgehen müssen. Vor allem brauchte er dort eine anständige Ausstattung. Wenn die Gerüchte stimmten war dieser Park vollgestopft mit alten Vorkriegsrobotern aller Art. Aber auch heute würde er noch einiges zu tun haben. Gage würde sich mit Sicherheit heute noch sehen lassen und mehr über Blues Unternehmung im Safari Adventure wissen wollen. Deacon verabschiedete sich abermals von Blue und verschwand Richtung Nuka-Town.


    Blue hingegen wollte sich auf dem Markt von Nuka-Town etwas zu essen für sich und Ferris organisieren. Dabei ließ er einige Zeit verstreichen und ruhte sich zunächst aus. Später legte er sich die selbstgefertigten Handschienen wieder an und befestigte das große Schwert provisorisch auf dem Rücken. Unbewaffnet wollte er keinesfalls durch Nuka-Town wandern. Eine Brustrüstung legte er nicht an. Er hatte es erst mit seiner alten mitgebrachten versucht, aber selbst die drückte zu sehr auf der Brustverletzung, so dass er darauf verzichtete. "Vielleicht finde ich ja auf dem Markt einen passenden Ersatz oder Materialien für eine halbwegs anständige Reparatur. Ich sollte wirklich so lange mit weiteren Exkursionen warten, bis ich am Oberkörper wieder anständig was tragen kann." dachte Blue in sich hinein.


    Nachdem er nach Ferris geschaut hatte, verließ er das Fizztop Grill und wanderte Richtung Markt. Die Raider, die ihm auf dem Weg begegneten, wichen ihm aufgrund seines derzeitig grimmigen Äußern aus. Das führte dazu, dass er ohne irgendwelche Kommentare in Ruhe auf dem Markt ankam. Dort suchte er zuerst Mackenzie auf, da er einige seiner Vorräte wieder aufstocken musste. Sie erschrak sich im ersten Moment, als sie Blue so sah. Leise erklärte er ihr ein Auszug davon, was passiert war. Blue gab anschließend eine Bestellung bei ihr auf, die wie sie hoffte auch in den nächsten Tagen eintraf. Danach ging er zu Aaron Corbett. Wie mittlerweile die anderen Händler auch, war Aaron von Mackenzie über Blues Vorhaben informiert worden und zeigte sich dem vermeintlichen Overboss etwas zugänglicher.


    Aaron war eigentlich ein Waffenhändler, aber hatte auch ein wenig von Rüstungen Ahnung. Blue bat ihm darum, nach einer passenden Rüstung oder zu mindestens nach Reparaturkits für ihn Ausschau zu halten. Aaron versprach sein Möglichstes. Danach ging er zu Shelby Chase und deckte sich dort mit einigen Nahrungsmitteln für sich und Ferris ein. Als er damit fertig war, machte er sich wieder auf dem Rückweg. Während er lief, dachte er darüber nach, wie er seine Leute möglichst strategisch positionieren konnte, um die Raider mit wenig eigenen Verlusten aus Nuka World herauszubefördern. Im Fizztop begrüßte ihn schon Ferris, der neugierig schnupperte. Er schien das Essen, was Blue besorgt hatte schon von weitem zu wittern. Blue schmunzelte und gesellte sich zu dem kleinen Yao-Guai. Dann aßen die beiden zusammen. Sie waren gerade fertig als sich der Fahrstuhl erneut bemerkbar machte. Blue und Ferris brummten fast zeitglich.


    Blue schmunzelte und sagte leise zu Ferris "Du scheinst die Person, die da kommt genau wie ich auch nicht besonders zu mögen, hmm? Aber leider müssen wir mit dem noch ein wenig zurechtkommen." Blue strich ihm kurz durch das Fell, stand behutsam auf und ging dann weiter nach vorne. Ferris hingegen verzog sich auf sein Lager. Nur ein wenig später kam Gage zur Tür herein. "Ist es jetzt besser Overboss?" fragte er zur Sicherheit. Gage wollte es sich nicht mit Blue verscherzen. Blue nickte knapp. "Also, wie ist es gelaufen? Erzähl. Das muss dort ja heftig zugegangen sein. Wer bekommt als nächstes seine Beute?" grinste Gage zufrieden. "Na warte, Gage. Dir wird das dumme Grinsen gleich noch vergehen. Mal sehen, wie du mein Vorhaben aufnimmst." dachte Blue grummelig in sich hinein.


    "Der Park hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Ich habe kräftig da drinnen aufgeräumt und ein paar schöne Trophäen erlegt. Nach der vierzigsten habe ich aufgehört zu zählen. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Nur das weiße Mistvieh habe ich zu Anfangs ein wenig unterschätzt. Aber du siehst ja letzten Endes hat es den Kürzeren gezogen" Blue übertrieb extra, um Gage in die Irre zu führen und von ihm selbst ein gefährliches Bild zu zeichnen. Blue zeigte anschließend auf den Tisch, wo die drei Köpfe der Gatorklauen lagen. Tatsächlich hat er etwa zwanzig bis fünfundzwanzig von Ihnen beseitigt. Was auch nicht gerade wenig war. Gage schluckte kurz. Selbst der kleinste Kopf der drei Trophäen der Gatorklauen war so groß, dass die ihm im lebenden Zustand ohne Probleme den gesamten Kopf mit einem Biss hätten abreißen können.


    "Du hast mehr als vierzig dieser Bestien abgeschlachtet? Du erzählst mehr echt keinen Scheiß? War das deren Brutstätte, die du da alleine ausgeräumt hast? " fragte Gage ungläubig. Blue kommentierte den Unglauben mit einem leicht zornigen Blick. "Gage, sehe ich im Moment so aus, als würde ich dich verarschen? Ich kann die Kadaver gerne nach hierhin holen. Dann kannst du vom Gegenteil überzeugen." brummte er mit einem angesäuerten Unterton. "Nee, lass mal Overboss. Sorry. Wollte deine Leistung nicht in den Dreck ziehen. Deinen "Arbeitsaufwand" hat man dir deutlich angesehen. Diese Parks haben es wirklich in sich. Aber der Aufwand lohnt sich echt. Die Unternehmer haben es sich schon sehr gemütlich in Dry Rock Gulch eingerichtet. Megs ist echt gut drauf. Und glaube mir Overboss, die ist wirklich nicht einfach zufrieden zu stellen." schmunzelte Gage. Er war selbst hoch zufrieden mit der jetzigen Situation.


    "Lass mich raten, Boss ... jetzt bekommt das Rudel seinen Anteil, oder? Sie werden diesen Bereich sicher lieben. Und ihr Viechzeugs hätte auch genug Platz." "Nein. Das Eckchen bleibt erst einmal mein ganz persönlicher Park. Einige dieser netten Viecher sind da noch unterwegs. Das ist jetzt mein Jagdgrund. Da wird keiner der Banden auch nur ein Fuß reinsetzten, verstanden." Gage schaute überrascht, mit so einer Entscheidung von Blues Seite hatte er nun gar nicht gerechnet. "Echt dein Ernst, Boss? Das wird den anderen Banden gar nicht gefallen, die ..." Wieder reagierte Blue in einer Art und Weise mit der Gage nicht gerechnet hatte.


    Er packte Gage plötzlich mit einer Hand an der Vorderseite seiner Rüstung und zog ihn zu sich hoch und funkelte ihn dabei zornig an. "Gage! Muss ich dich an das Thema mit der Loyalität erinnern? Du stellst meine Entscheidung wirklich gerade in Frage? Es sind da draußen noch drei weitere Parks, die darauf warten übernommen zu werden. Mehr als genug für die Banden. Ich bin hier der Overboss, und habe mich dazu entschlossen mir auch ein Teil der Beute zu holen. Willst du mir das streitig machen?" brummte Blue gefährlich Richtung Gage. Dieser schüttelte wortlos den Kopf. "Gut, das wollte ich dir auch geraten haben. Die Banden werden noch ihren Spaß haben, wenn wir demnächst auf große Tour ins Umland gehen. Und das ist erst der Anfang." grinste Blue leicht bösartig, dann setzte er Gage ab.


    "Okay Boss, du hast bereits einen umfangreichen Plan, das wusste ich nicht. Gegen dich wirkt Colter echt wie ein Waisenknabe. Ich werde die Banden davon unterrichten, dass das Safari Adventure für sie Sperrgebiet ist." "Sehr gut Gage, du denkst wieder mit. Werde mich dafür erkenntlich zeigen." Gage verabschiedete sich von Blue. In seinen Gedanken sah er schon für sich und die Banden ein goldenes Zeitalter anbrechen. Wo sie sich im Ödland alles holten, was sie wollten und niemand würde sie aufhalten können. Blue sah Gage äußerlich ruhig oben vom Fizztop hinterher, wie er Richtung Nuka Town verschwand. Es hatte begonnen zu regnen und der ganze Landstrich wurde in ein widernatürliches rotes Licht getaucht. Ein Rad-Sturm schien aufzuziehen. "Lächele du nur und wiege dich in Sicherheit, du verschlagene Schlange. Bald wird hier euer Tod an die Tür klopfen."

  • 289. Tödliche Einsamkeit

    Es waren jetzt fünf Tage vergangen, seitdem Blue aus dem Safari Adventure zurückgekehrt war. Die Verletzungen verheilten langsam und die wegrasierten Haare begannen wieder nachzuwachsen. Bis auf den Besuch auf dem Markt von Nuka-Town hatte er das Fizztop seither nicht mehr verlassen und sich mit Ferris beschäftigt. Dabei dachte er darüber nach, dass er sich langsam wieder bei Preston melden und ihm einen Zwischenbericht abliefern müsste. So wie er seinen Freund kannte, war der mit Sicherheit wieder in Sorge um ihn. "Hmm. Vielleicht kann ich auf dem Weg zum Damm vorsichtig die Stadt observieren. Die Raider haben sie und das Gebiet dahinter bis jetzt immer links liegen lassen. Ich würde es aus strategischer Sicht wirklich bevorzugen, wenn sich unsere Leute dort sammeln könnten..." Blue war sich noch unschlüssig.


    Er beschloss die Entscheidung zu verschieben bis er in der Nähe der Stadt war. Er würde heute nochmal Aaron aufsuchen und ihn nachzufragen, ob er schon was für ihn gefunden hatte. Des Weiteren hoffte er, dass Aaron vielleicht eine alte Laserwaffe im Repertoire hat. Blue war mit Scharfschützengewehr und Superhammer gut ausgerüstet, aber das Scharfschützengewehr war bei dieser Art Gegner etwas zu langsam und auf Dauer zu munitionsintensiv. Der Hammer war zwar sehr wirksam, aber er musste dafür sehr nahe an die Gegner heran. Was bei einen Aggressotron oder Kampfbot ziemlich schnell sehr gefährlich werden konnte. Laserwaffen waren hingegen bei Robotern aus einiger Entfernung schon recht wirkungsvoll.


    Er stand nach einiger Zeit des sorgsamen Abwiegen seiner nächsten Schritte auf und verließ das Fizztop Richtung Nuka-Town und dem Markt. Dort hatte er Glück. Aaron hatte tatsächlich einige Sachen für ihn. Neben einem alten und etwas mitgenommenen Lasergewehr, was noch einer gewissen Nachbearbeitung und Instandsetzung bedurfte, hatte Aaron einige größeren Teile einer Lederrüstung und tatsächlich Reparaturkits auftreiben können. Ein zwei passende Mods für das Lasergewehr waren ebenfalls darunter. Das Ganze war zwar kein billiger Spaß, aber Blue legte neben der regulären Summe, noch einen guten Haufen Kronkorken drauf. Was Aaron zunächst irritiert zur Kenntnis nahm, sich dann aber stillschweigend freute. Blue nahm sich ebenfalls noch einige Feldfrüchte für Ferris mit.


    Der Yao-Guai hatte mittlerweile einen gesunden Appetit entwickelt, was darauf hindeute, dass das Junge seine Verletzungen überstanden hatte. Gerade zu Anfang hatte Blue Sorge gehabt, dass es aufgrund von Verletzung und Verlust seiner Eltern hätte doch noch sterben können. Im Fizztop zurück begann Blue damit, die alte Laserwaffe behutsam auseinander zu nehmen. Er holte aus seiner Seitentasche einige kleinere Ersatzteile und mehrere Laserlinsen heraus. Sie stammten noch von ihrem Ausflug ins Versteck des Mechanisten. Gerade als er dabei war, die alten Linsen aus dem Gewehr zu entfernen, hörte er das Surren des Aufzugs. Gage war wieder im Anmarsch. Während der fünf Tage ließ er sich mindestens einmal am Tag beim Overboss blicken. Blue beschloss Gage zunächst zu ignorieren. Die Linsen herauszunehmen und gegen die anderen auszutauschen, erforderte einiges an Fingerspitzengefühl und Konzentration.


    "Hey Boss. Wie sieht es ..." Gage unterbrach sich und schaute sehr genau zu, was Blue der vor einem Werkzeugtisch saß mit der Laserwaffe anstellte. Er wartete bis Blue die Reparaturarbeit Größtenteils abgeschlossen hatte, bevor er sich wieder äußerte. "Wow. Nicht schlecht. Wusste gar nicht, dass du dich so gut auf solche Sachen verstehst ... " Blue blieb stumm und antwortete zunächst nicht darauf. "Du würdest dich wundern, was ich noch so kann ..." dachte Blue still in sich hinein. Gage ging ihm im Moment ganz gewaltig auf den Zeiger. Der Raider war zurzeit richtig froh, dass es so vermeintlich gut für sie lief. Er war dabei schon weiter Planungen für Zukünftiges zu machen und teilte dies dem Overboss auch unentwegt mit. Gage ständige Ausführungen, darüber wie man irgendwelche Ödländer um ihr Hab und Gut brachte und sie für die Zwecke der Raider missbrauchte, trugen nicht unbedingt dazu, dass die Laune von Blue sich über diese fünf Tage besserte.


    Er machte die restlichen Arbeiten fertig und wendete sich dann Gage zu. "Du wolltest gerade was von mir? Worum geht es Gage?" fragte Blue hörbar brummig. "Ich habe mich nur gefragt, welchen Park du als nächstes Angehen willst. Oder hast du die Nase jetzt erstmal voll, nach dem Kampf mit diesen Bestien?" "Nein Gage, habe ich nicht. Nur der Nächste erfordert eine wesentlich umsichtigere Planung. Dafür habe ich noch nicht alles zusammen, was ich brauche. Ich werde heute erstmal hier ins Umland aufbrechen. Da gibt es die eine oder andere Stelle, die vielversprechend für die fehlenden Teile aussieht." "Okay, Overboss. Verstehe aber nicht, warum du nicht jemanden von unseren Leuten schickst. Die können dir doch die Drecksarbeit abnehmen ... "


    "Ja, klar. Dann kann ich sie dreimal losschicken ... ich muss mir die Sachen selbst anschauen um einschätzen zu können, ob sie brauchbar sind." Gage sah Blue nachdenklich an. "Du machst dir als Mutie verdammt viel Gedanken und planst umsichtig. Ich dachte wirklich immer, dass wäre bei euch nicht drin. Ihr seid ja eher die Muskel als Hirntypen." "Gibt halt Ausnahmen." brummte Blue knapp. "Und? Nun sag schon. Welcher Park?" stichelte Gage ungeduldig nach. "Gage? Du nervst allmählich. Damit du endlich Ruhe gibst, sag ich es dir. Die Galactic Zone wird es sein." "Oh. Dann ist klar, dass du vorsichtig bist, Boss. Das ist der Schlimmste von allen. Meiner Meinung nach. Diese Roboter sind gnadenlos. Aber ich denke, du wirst sie gut aus ihrem Stahlgehäuse pusten." Die Unterhaltung der beiden ging noch einen kleinen Moment weiter. Dabei teilte Gage ihm mit, dass einige Raider aus den anderen Gruppen zu murren begannen. Die Unternehmer hatten bereits ihren Bereich seit einigen Tagen und anderen wurden deswegen langsam neidisch.


    Blue nahm es zur Kenntnis. Er gab Gage den Auftrag, den Raidern zu sagen, welchen Park er als nächstes holen würde. Gage nickte. Das würde sie wieder ein wenig beruhigen. Gegen frühen Mittag machte sich Blue auf den Weg ins Umland und steuerte dabei die kleine Stadt mit dem Namen Bradberton im Norden an. Beim Verlassen von Nuka-World hatte er sich vergewissert, dass ihm niemand von den Raidern folgte. Einige Zeit später kam er dort an. Auf den ersten Blick sah die Stadt ruhig aus. Sie schien nicht ganz so stark von wilden Ghulen befallen zu sein, wie er es erst vermutete hatte. Er begann sie nach verwertbaren Materialien zu durchsuchen und wurde auch fündig. Immer mal wieder scheuchte er dabei ein Ghul auf.


    Etwas tiefer in der Stadt, in einem alten und teilweise schon sehr verfallenen Haus, fand er etwas, dass seine Aufmerksamkeit weckte. Am Boden des Hauses fand einen toter, relativ ordentlich gekleideter weiblicher Ghul. Sie schien dort schon einige Zeit zu liegen, da sie einer trocknen Mumie glich. In der Stirn war ein Einschussloch zu sehen. Ihre Hände umklammerten noch die Waffe, mit der sie sich scheinbar selbst hingerichtet hatte. Fast unscheinbar in Nähe der Hände lag ein Holoband. Blue nahm vorsichtig das Holoband und spielte es mit Hilfe seinen Pipboys ab. Was er darauf zu hören bekam, erschütterte ihn. Der weibliche Ghul, der tot vor ihm lag, hieß Rachel und war eine geraume Zeit auf der Suche nach einem Heilmittel für ihren Zustand und der ihrer Freunde gewesen. Leider erfolglos. Sie schien dann irgendwann in einem Zustand zu kommen, wo sie dabei war zu einem wilden Ghul zu werden. Aufgrund der Aufnahme bekam man mit, wie sie dagegen bewusst ankämpfte.


    Es gelang ihr es eine ganze Zeit hinauszuzögern. Aber sie wusste, dass sie diesen Kampf verlieren würde. Deshalb nahm sie sich das Leben bevor der Prozess abgeschlossen war. Blue dachte in dem Moment an seine Freunde und Bekannte im Commonwealth. Hancock, die Pendeltons und andere. Sie alle würden vielleicht irgendwann an einen ähnlichen Punkt ankommen. Er hoffte, dass dieser Punkt bei ihnen noch weit entfernt war. Die Aufnahme von Rachel steckte er ein. Vielleicht könnte sie für Curie aus Forschungszwecken noch interessant sein. Anschließend begrub er Rachel nicht weit von dem Haus. Er kannte sie zwar nicht, war aber der Meinung, dass es nicht richtig war, sie dort weiter liegen zu lassen. Danach verließ er Bradberton und wanderte Richtung Damm.

  • 290. Auf zu den Sternen

    Nachdenklich stand Blue auf dem alten Damm und schaute über das flache Land in Richtung Nuka World. In der Einöde des Ödlandes wirkten die Außenmauern der einzelnen Parks wie trotzige Mauern einer alten Burg. Sie schienen in den heutigen Tagen Schutz zu versprechen. Das Gegenteil war aber zurzeit der Fall. Im Moment bedeutet diese Mauern Tod und Versklavung. Blue versuchte über das alte Funkgerät wieder Kontakt zu Preston und den Minutemen aufzunehmen. Diesmal ging es recht zügig. So als hätte man nur darauf gewartet. Prestons Erleichterung war deutlich in seiner Stimme zu hören. Ebenfalls erkundigte er sich nach Deacon. Blue gab einen kurzen Statusbericht über die Geschehnisse in Nuka World ab. Auch unterrichtete er Preston über die nächsten Schritte, die er vor hatte zu unternehmen.


    Dann ging er dazu über, Preston sehr genau den Aufbau von Nuka-Town, Dry Rock Gulch und dem Safari Adventure zu beschreiben. Er hatte die Bereiche größtenteils erforscht, so dass Preston und die anderen sich auf Grund von Blues Angaben mittlerweile darüber Gedanken machen konnten, wie sie den Angriff der Minutemen auf Nuka World vorbereiten konnten. Dabei beschrieb er auch die kleine Stadt und deren Umgebung. "Ich denke, wir sollten hier mindestens sechshundert Leute einsetzen. Ich habe versucht die Raider in ihrer Anzahl zu schätzen. Ihre Zahl scheint irgendwo zwischen dreihundertfünfzig bis vierhundert zu liegen, Preston." berichtete Blue ihm weiter. "Uff. Ich weiß ja, du sagtest es sind eine Menge. Aber gleich so viele? Ich weiß jetzt nicht, ob ich froh sein sollte, dass du über sie "gestolpert" bist ... Kannst du mir eine ungefähre Zeit nennen, bis du die Erforschung der anderen Parks abgeschlossen hast?"


    Preston wollte die Leute und insbesondere Blue lieber heute als morgen aus Nuka-World herausholen und ein weiteres Geheimprojekt des alten Militärs in den Mauern des Parks machte die Situation auch nicht gerade besser. Aber er war mit Blue einer Meinung. Sie mussten hier in ähnlicher Weise vorgehen, wie sie es schon bei den Gunnern gemacht hatten. Auf Blues Einschätzungen war bis jetzt immer verlass gewesen. Er irrte sich extrem selten. Wenn die beiden sich unsicher waren, hatte Blue als General der Minutemen so wieso das letzte Wort. Er hörte sich aber stets die andere Seite an. "Schwierig, Preston. Ich weiß, du hast jetzt die ganze Planung am Hals ... mit dem Galactic Zone zusammen ... wenn nicht wieder so Überraschungen, wie die Gatorklauen dabei sind ... Hmm. Ich denke fünfzehn bis zwanzig Tage, bis wir den Spuck hier beenden können." "Gut, das ist eine Angabe mit der wir hier arbeiten können. Wir warten dann auf deine nächste Meldung. Seid beide vorsichtig. Wir hören uns. Over."


    Blue setzte sich nach Beendigung des Gespräches hin und ließ die Beine über die alte Dammmauer baumeln. Wieder blickte er Richtung der Parks. Diesmal lächelte er kurz. "In weniger als einem Monat werden diese verfluchten Raider ins Gras gebissen haben. Mackenzie und die anderen sind dann wieder in Freiheit und das Ödland ist um eine Gefahr ärmer. Vielleicht schließen sich uns dann auch an ... zwingen werde ich sie dazu nicht. Das wäre nicht richtig. Wenn muss es von Ihnen kommen. Wir brauchen Leute, die unsere Sache langfristig mittragen. Zwang wäre hier kein gutes Fundament für ein geeintes Commonwealth ... und darüber hinaus." Blue versuchte auch hier bereits der Idee von Wisemen und den anderen Rechnung zu tragen. Nachdem er eine halbe Stunde dort gesessen und nachgedacht hatte, brach er wieder auf. Den restlichen Tag würde er mit den Vorbereitungen für die Galactic Zone verbringen.


    Bereits früh am nächsten Morgen war Blue bereit das Galactic Zone zu betreten. Schon als er sich dem Eingang näherte begrüßte ihn ein ganzer Trupp Roboter. Es schienen für Nuka-World angepasste Mr. Handys zu sein. Die quadratische Außenrüstung sah an ihnen fast lächerlich aus, aber trotzdem waren diese nicht zu unterschätzen. Diese Mr. Frothy genannten Mr. Handys verteilten über eine Art Ventilator verteilten im Handbereich einen leicht bläulichen Sprühnebel. Der Pipboy schlug sofort Alarm. Der Nebel war hochradioaktiv. "Wäre ich nicht strahlungsunempfindlich, wäre ich wahrscheinlich schon auf dem besten Weg ein Ghul zu werden. Also die nächste Todesfalle von Park." stellte Blue erschrocken aufgrund der hohen RAD-Werte fest. Die nächste Überraschung in Form von für Nuka-World gestalteten Protektrons, den Nukatrons wartete schon einige Meter weiter. Während Blue gerade dabei war, die Mr. Frothys aus dem Weg zu räumen, merkte er neben sich das Niedergehen irgendeiner Flüssigkeit oder Ähnlichem.


    Kaum einen Moment später riss ihn eine Explosion fast von den Füssen. Er schaute nach vorne und sah, wie die Nukatrons eine weitere Salve vorbereiteten. "Was ist das für ein Höllenzeug mit dem die da schießen. Das hat mehr Wumms, als eine Plasmagranate. Ich muss mich schnell in eine sichere Position begeben. Sonst kann ich mir gleich einen Grabstein meißeln lassen, auf dem steht *Rest in Pieces*." fluchte Blue leise und bewegte sich rückwärts, um den Beschuss auszuweichen. Die Protektrons zielten schlecht und waren zu Blues Glück auch nicht die Schnellsten. Er fand unter einer Überdachung einigermaßen Schutz und visierte mit dem Lasergewehr sowohl Beine als auch die Hände direkt an. Diese Roboter mussten schnellstmöglich ausgeschaltet werden.


    Blue schaffte es sowohl die Mr. Frothys als auch die Nukatrons ohne größere eigenen Verletzungen auszuschalten. Gewarnt durch diese Gefahren schlich er noch behutsamer, als sonst durch die Park. Immer wieder traf er dabei auf Tote. Teilweise waren es Skelette, teilweise verhältnismäßig frische Leichen. Mackenzie hatte ihm berichtet, dass beim Angriff der Raider einige ihrer Leute in den anderen Parks Zuflucht gesucht hatten. Diesen Entschluss schienen sie nicht lange überlebt zu haben. Gerade im Galatic Zone schien das eine tödliche Fehlentscheidung gewesen zu sein. Die kaum bewaffneten Händler dürften hier nicht den Hauch einer Chance gegen die Roboter gehabt haben.


    Er bewegte sich weiter. Besonderes Interesse hatte der hohe Turm inmitten der Galactic Zone geweckt. Der schien sich in unterschiedliche Ebenen aufzuteilen, die wiederum teilweise mit weiteren Laufwegen des Parks verbunden waren. Als er in den Bereich des Erdgeschoss trat, staunte Blue. Am Ende eines relativ hohen und rund gestalteten Raumes sah er an der Wand eine umfangreiche Computeranlage. Auch wenn sie trotz der langen Zeit relativ gut erhalten schien, fiel Blue auf, dass die Anlage an vielen Stellen fehlende Komponenten aufzuweisen schien. Neugierig ging er zu Anlage und wollte sie sich genauer ansehen. Als er fast am Eingabeterminal angekommen war, stieß er wieder auf einen toten Händler. Auch sie wies wie die anderen schwere und tödliche Verletzungen auf. Sie hielt dabei etwas in der Hand, dass Blue schon einmal gesehen hatte. In Dry Rock Gulch. Es war diese merkwürdige Schalttafel.


    Blue nahm die Schalttafel an sich und begutachtete sie genau und schaute dann zu Bereichen, wo etwas zu fehlen schien. "Die scheinen dafür gemacht worden zu sein. Eine Menge dieser Schalttafeln scheint verschwunden zu sein. Wofür war diese Anlage gut?" Blue bediente nachdenklich das Terminal, nachdem er seine Handschuhe angezogen hatte. Bevor er überhaupt Zugriff bekam musste er einen sogenannten Starcore einlegen. So nannten sich diese hochkomplexen Schalttafeln. Er setzte sie in nächster Nähe ein und das Terminal gab den Zugriff frei. Nach einem kurzen Moment des Lesens wusste Blue wofür diese Anlage gut war. Die durfte keinefalls in die Hände der Raider fallen. Dafür würde er sorgen.

  • Blue schaut Dr. Binet kurz verdutzt an und schmunzelt dann. "Sie sollten nicht immer auf Äußerlichkeiten schließen." Er greift einfach über Dr. Binet hinweg und programmiert einen Teil der Anlage bereits um." :D Sry. Der mußte sein.


    Die Preisliste gefällt mir. :thumbsup:


    291. Vorkriegsüberbleibsel

    Blue dachte nach. "Ich werde erstmal den Zugang zu dem Hauptterminal sperren. So das später keiner dieser Raider mit seinen Griffel Zugriff auf die Steuerung der Roboter im Park bekommt. Dafür brauche ich aber zunächst noch mehr Starcores. Die zurzeit scheinbar im kompletten Park verteilt sind und auch darüber hinaus." seufzte Blue. Ihm missfiel die Vorstellung in jede Ecke diese Parks zu gehen, während er es mit amoklaufenden Roboter jeder Art zu tun bekam. "Auf eine Art ist es gut, dass die Anlage eine Aufspürfunktion für sie besitzt. Was hat die führenden Leute in diesem Park damals zuletzt eigentlich geritten? Die haben hier tatsächlich Militärroboter eingesetzt. In einem Freizeitpark, wo Menschen und ihre Kinder friedlich Entspannung vom Alltag gesucht haben."


    Er schüttelte verständnislos den Kopf. Plötzlich fiel ihm etwas ein. "Es sei denn ... Projekt Kobalt ... das muss der Grund sein ... wahrscheinlich gehörten die Roboter als Schutz zusätzlich dazu. Neben der Bespaßung. Perfide, aber nicht verwunderlich. Die Zeiten waren wohl damals so." Blue dachte an einige Berichte, die er im Commonwealth gefunden oder auch in den Archiven der Bruderschaft gelesen hatte. Er nahm eine der alten Flyer auf und betrachtete ihn. Die originalen Flyer lagen immer noch im Park überall herum und hatten die Zeit nach dem Krieg scheinbar durch eine spezielle Laminierung weitestgehend unbeschadet überstanden. "Tja. Hmm. Dann werde ich wohl als erstes das *Starlight Interstellar Theater* aufsuchen. Danach das *Vault-Tec: Among the Stars* ... " Er stutzte kurz. "Warum wundert mich das jetzt eigentlich nicht ... Vault-Tec ... wenn geheime Militärprojekte am Laufen waren, sind die meistens auch nicht weit entfernt gewesen." Blue schlich so vorsichtig wie möglich hinüber zum Theater.


    Auf dem Weg dorthin erledigte er mit einigen gezielten Laserschüssen einige weiter Nukatrons. Am Eingang angekommen, schaute Blue noch einmal auf seine Notizen. Er hatte sich die Orte notiert, wo die restlichen Starcores zu finden waren. Es waren insgesamt fünfunddreißig Stück. Damit konnte man die komplette Anlage wieder in Betrieb nehmen. Genau das strebte Blue auch an. "Wenn das stimmt, was das alte Computerterminal angeben hat, müssten im Theater vier Stück aufzufinden sein ... Mal sehen, was mich da drinnen wieder Spannendes erwartet." Blue öffnete die Tür so leise wie möglich und schlüpfte ungesehen hinein. Zu seinem Glück, wie er feststellte als er das Theater betreten hatte. Neben einer ganzen Anzahl von modifizierten Protektrons in weiß-goldener Farbe mit relativ hochentwickelten Laserwaffen schwebten hier auch einige Mr. Frothys herum.


    Blue drückte sich an der Wand entlang. Durch seine dunkel gehaltene Rüstung und seine blaue Hautfarbe verschmolz er regelrecht mit der Wand in dem spärlich beleuchteten Theater. So entdeckten ihn die Roboter ihn zunächst nicht. Es ging weiter vorwärts durch die Vorräume des Theaters. Immer wieder blieb er stehen und lauschte, um festzustellen wo die Roboter gerade waren. Von dem eigentlichen Raum des Theaters gingen Geräusche aus, die ihm gar nicht gefielen. Geräusche, wie von einem schweren Fahrzeug, einem tiefen Piepen und einer blechernen, tiefen Stimme. "Das ist hoffentlich nicht das, was ich befürchte. Jetzt muss ich erst einmal zu sehen, dass ich die Starcores hier finde. Ich werde wohl nicht darum herum kommen, diese ganzen Roboter auszuschalten. Über Star Control funktioniert das im Moment noch nicht." Star Control hieß die Computeranlage, die Blue in der Mitte des Parks unter dem hohen Turm entdeckt hatte.


    Blue eröffnete das Feuer und nutzte jede strategische Möglichkeit, die Roboter auszuschalten. Besonders effektiv nutze er die Methode bei den Galactrons, den weiß goldenen bemalten Protektrons, die Hände zu beschädigen und verkrüppeln. Diese Beschädigung führte dazu, dass sie nach einiger Zeit in den Selbstzerstörungsmodus gingen. Das war bei allen Robotern der Protektronklasse der Fall. Bei der darauf folgenden Explosion wurden in den engen Gängen weitere Roboter beschädigt, so dass es etwas leichter war, sie auszuschalten. Nebenbei musste sich Blue auch noch um die Wandgeschütze kümmern, die es zu allen Überfluss auch noch gab.


    Einige Zeit später waren die Roboter und die Wandgeschütze in den Vorräumen zu Schrott verarbeitet. Jetzt ging es in das eigentliche Theater. Dort bewahrheitete sich Blue Befürchtung. Ein voll funktionsfähiger und waffentechnisch vollausgestatteter Kampfbot hielt sich dort auf. "Na wunderbar und kaum irgendwelche Deckungsmöglichkeiten. Aber ich muss ihn ausschalten, sonst komme ich an den Kern nicht heran." brummte Blue leise. Er hatte einen der Kerne an der alten Bar entdeckt, wo sich der Kampfbot zurzeit aufhielt.


    Blue betrat so leise wie möglich das eigentliche Theater. Trotzdem erfasste der Kampfbot Blue mit seiner Sensorik und startete sofort alle Kampfsysteme, die dieser Roboter besaß. Der zog sich sofort fluchend aus dem Bereich zurück und hoffte den Kampfbot in den engen Gängen unter Beschuss zu nehmen zu können. Blue gelang es durch geschicktes Ausweichen, dass sich der Kampfbot mit seinen Beinen festsetzte und nach einem heftigen Kampf gelang es ihm den Kampfbot so zu beschädigen, das der sich in einer riesen Explosion verabschiedete. "Uff. Das war heftig. Ich hoffe, das waren jetzt alle." kommentierte Blue den letzten Kampf. Jetzt machte er sich daran, gezielt nach den vier Kernen zu suchen. Es dauerte einen Moment, bis er sie alle gefunden hatte. Neben den Kernen für Star Control konnte Blue auch einige der Dinge bergen, die Deacon für sein Projekt zur Modifikation der Halsbänder benötigte.


    Er verließ das Theater und brach Richtung Vault-Tec: Among the Stars auf. Hier sollten sich alleine sechs der Kerne befinden. Zusätzlich zu den Geborgenen, die er bei sich trug würden sie es ihm ermöglichen die nächste Zugriffsstufe bei Star Control freizuschalten. Kaum war Blue in das Innere getreten, fiel sein Blick auf eine große, altbekannte zahnradförmige Tür. Unverkennbar Vault-Tec Bauweise. Er kratzte sich nachdenklich am Kopf. "Eine Attraktion, die einen Bunker darstellt? Nicht wirklich einfallsreich. Hmm. Vault-Tec muss es vor dem Krieg wohl sehr nötig gehabt haben für seine ... "Produkte"... Werbung zu machen oder steckt doch mehr dahinter? Vielleicht ist es ja auch der Zugang zu einer richtigen Vault. Möglich wäre es." dachte Blue bei sich. Er trat durch die zahnradförmige Tür hindurch und folgte dem Gang. Zunächst durch einen Bereich, der wohl die Oberfläche eines anderen Planeten darstellte. Der Laufweg mündete schließlich in einer Vault.


    Kaum hatte Blue die Vault betreten, befiel ihn ein merkwürdiges Gefühl. Irgendetwas stimmte hier nicht. Erst traten bei ihm unverhofft ziemlich heftige Kopfschmerzen ein und als er sich tiefer in die Vault bewegte verschlechterte sich sein mentaler Zustand schlagartig. Er begann er plötzlich Stimmen wahrzunehmen, von denen er nicht wusste, ob sie real oder nur eingebildet waren. Als war das noch nicht genug, merkte er wie er mit einem Mal, dass er dabei war ziemlich gereitz, ja sogar wütend zu werden. Er war im Moment kaum noch in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. "Was...*wütendes Schnaufen* ... ist los mit mir. Argh * schmerzvolles Brummen"... diese Stimmen ... verschwindet ... geht weg ... Nein, ich werde ... wir werden das nicht tun."


    Er sackte aufgrund der starken Kopfschmerzen und den Stimmen in seinem Kopf auf die Knie und ballte wie unter Schmerzen die Hände zu Fäusten. "Nicht ... nein ... ich will ... darf nicht ... Blue darf nicht ... Wut nachgeben. Muss weg ... von hier. Zurück. Irgendwie." Es gelang ihm den Weg kriechend auf allen Vieren zurückzulegen, während er versuchte den Kampf der gerade in seinem Inneren wütete nicht zu verlieren. Er stand kurz davor komplett durch zu drehen, als er endlich den Eingang der Vault erreichte. Die Symptome verschwanden so schlagartig, wie sie gekommen waren. Blue brach zusammen und blieb mindestens eine Stunde ohne Bewusstsein dort liegen.


    Als er aufwachte, zitterte er am ganzen Körper. Am Ende seiner Kräfte drehte er sich auf den Rücken und starrte müde zu Decke. So lag er dort mindestens für zehn Minuten. Ihm selbst kam es wie eine halbe Ewigkeit vor. Er setzte sich auf, rieb sich die Stirn des immer noch schmerzenden Kopfes und starrte nachdenklich die gegenüberliegende Wand an. Anschließend schaute er in die Vault hinein und seufzte. "Diese verdammten Kerne sind mit Sicherheit tiefer in dieser Vault. Aber irgendetwas ist dort drinnen ... etwas was mich durchdrehen lässt. Was mache ich bloß?" Blue schloss die Augen für einen Moment und lehnte seinen Oberkörper an die hinter ihm liegende Wand.


    Er schnaufte erschöpft. "Ich muss dort wieder hinunter. Da führt kein Weg daran vorbei. Ich muss herausfinden, was diese Dinge bei mir auslöst. Mit Sicherheit ist das wieder irgendeine Teufelei von Vault-Tec. Aber zuerst ist eine Pause angesagt ... bevor ich einen weiteren Versuch starte." Blue stand mit weichen Knien auf und durchsuchte den vorderen, bereits erkundeten Bereich nach einer Möglichkeit zum Zurückziehen. Er wurde fündig. Einer der alten Reinigungsräume war noch soweit intakt, dass er dort die Türen verschließen konnte. Auch wenn der Raum gerade so groß war, dass er dort mit ausgestreckten Beinen und angelehnten Oberkörper unterkam. Nachdem er die Tür von seiner Seite verschlossen hatte, fiel er ihn einen tiefen und unruhigen Schlaf.

  • 292. Laborratte wider Willen

    Blue wachte auf. Im ersten Moment total desorientiert. Der Schlaf war erholsam. Die Träume waren sehr intensiv gewesen. Er brauchte einen ganzen Moment, um sich zu erinnern wo er tatsächlich war. Nachdem er sich Augen und Stirn gerieben hatte, nahm er ein wenig Proviant zu sich und starrte nachdenklich vor sich hin. An eine Szene aus dem Traum erinnerte er sich ziemlich gut. Was ungewöhnlich war, sonst waren es eher kleinere Fragmente und sie verschwanden nach dem Aufwachen recht schnell. Er lehnte sich zurück, schloss die Augen und ließ diese Traumszene Revue passieren. Wenn es überhaupt eine war.


    Er stand zusammen mit vielen Menschen in einer leichten hügeligen Ebene und sie schauten alle nach vorne in einer Richtung. Scheinbar auf etwas wartend. Die Umgebung war spärlich bewachsen, fast wie eine steinerne Wüste. Die Sonne schien unbarmherzig von dem leuchtend blauen und wolkenlosen Himmel zu brennen. In einiger Entfernung war ein flaches Flussbett erkennen. Auf der anderen Seite des Flusses standen auf breiter Front sehr viele Menschen stark bewaffnet, die grimmig und unbarmherzig schauten. Sie waren in merkwürdigen Rüstungen gekleidet waren. Teilweise aus Leder, teilweise aus Metall mit einer Art Rock im Bereich des Unterkörpers. Diese Art von Rüstung wirkte gleichzeitig altertümlich und doch neu.


    An mehrere Stellen flatterte ein Banner. Ein goldener Stier auf einem roten samtartigen Untergrund. In der Traumszene sah sich Blue selbst kurz nach hinten blicken. Auch hier war ebenfalls eine große Anzahl von Leuten zu sehen. Drei verschiedene Banner wehten hier. Auf mehreren war ein doppelköpfiger brauner Bär auf weißem Hintergrund mit einem roten Stern in der linken oberen Ecke zu sehen. Dann war ein einzelnes, fast unverkennbares Banner dabei. Das der stählernen Bruderschaft. Und ein weiteres. Ein weißen Drachenkopf, der denen auf seinen beiden silbernen Kassetten verblüffend ähnlich sah. Der Kopf befand sich innerhalb eines weißen Zahnrads. Der Hintergrund des Banners war in einem schmutzig wirkenden dunklen Blau gehalten. Mit einem Mal wurde er sich bewusst, dass es sich hier um auf Aufeinandertreffen von zwei Armeen handeln musste. Die Armee am gegenseitigen Ufer schien der anderen an Soldaten weit überlegen.


    Dann verwischte die Szene. Blue öffnete seine Augen. Sie wanderten darauf fragend hin und her. "Das muss kurz vor einer Schlacht gewesen sein ... ist das wirklich passiert? Wann und wo? Ist das eine neue Erinnerung? Eine von vor dem Commonwealth? Was auch immer dort unten in der Vault ist, hat meinen Kopf ... mich ... ganz schön durcheinander gebracht. Wie gehe ich jetzt weiter vor?" Er stand auf vorsichtig auf und öffnete die Tür seiner derzeitigen Zuflucht. Er ging hinaus und grübelte darüber weiter, wie er weiter in die Vault kam ohne komplett durchzudrehen. Einen Moment wanderte er hin und her, dann blieb er an einem der alten Schreibtische stehen und kramte in seinem Seitenbeutel herum. Er holte seine silberne Kassette heraus und nahm eine der Spritzen hinaus. Es war die mit dem speziellen Betäubungsmittel. Er betrachte sich nachdenklich. "Wenn ich sie bei mir richtig dosiere, müsste sie bei mir ähnlichem einem Beruhigungsmittel, wie bei Menschen wirken. Es könnte mir helfen dem übermäßigen Aggressionsimpuls herabzusetzten ... vielleicht verhindern ... das ich Amok laufe ... " Blue dachte an das Gefühl von gestern schaudern zurück.


    Ähnlich wie beim Angriff auf Gunners Plaza war in ihm eine extreme Wut hoch gestiegen. Nur das diesmal kein auslösender Faktor da war. Diese innerliche Wut war um einiges schlimmer gewesen als die bei Gunners Plaza. Anders als damals wirkte es hier so das irgendeine Kraft von außerhalb versuchte in den Tiefen von Blues Psyche etwas freizusetzten was zurzeit weggesperrt war und besser unterbunden blieb. Blue konnte gestern in seinem Inneren regelrecht dabei zu sehen, wie dieser Käfig sich langsam zu öffnen begann und Gefühle und Regungen bei ihm hochkochten, die er hasste und fürchtete.


    Die heftigen Schmerzen die dabei aufkamen, als er versuchte sich dagegen zu wehren, um zu verhindern dass diese Gefühle ihn übernahmen. Am Schlimmsten waren aber die Stimmen, die dazu kamen und eine Art Befehle gaben. Befehle, die Blue anwiesen zu töten, zu verstümmeln und sich am Leid anderer zu ergötzen. Es kostete ihn eine gewaltige innere Anstrengung es nicht zu tun. Blue schüttelte sich kurz, als er daran dachte. In dem Fall war es gut gewesen, dass er alleine unterwegs war. So hatte er niemanden Schaden zufügen können, wenn es ihn übermannt hätte. "Ich muss mich vorsichtig und langsam der Vault nähern. Vielleicht fällt mir etwas Ungewöhnliches auf." Er machte sich auf dem Weg. Die Spritze hatte er dementsprechend vorbereitet. Er würde sie benutzen, wenn es die Situation erforderte.


    Als er den Eingang zur Vault betrat, merkte er wie langsam wieder das Gefühl von gestern hochstieg. Er blieb sofort stehen und betrachtete aufmerksam die Umgebung. In einiger Entfernung standen medizinische Prüfgeräte, wie sie fast in jeder Vault-Tec Vault zu finden waren. Hatte Blue sie erst für nichts funktionsfähig gehalten, stellte er fest, als er sich ihnen näherte, dass das merkwürdige Gefühl wieder zunahm. Damit einhergehend beginnende Kopfschmerzen. Sie funktionierten tatsächlich. Aber anders als die sonstigen Geräte. Die hier schienen irgendeine Strahlung oder Frequenz abzugeben. Blue wählte hier die pragmatische Lösung. Er zerstörte sie mit einigen gezielten Schlägen seiner Faust. Sofort lies das Gefühl nach. "Volltreffer. Vault-Tec hatte wirklich kein Skrupel seine Experimente egal wo auszuführen. Ich befürchte fast, dass das noch nicht alles war." Er ging weiter und näherte sich dem Raum, wo sich sein mentaler Zustand gestern rapide zu verschlechtern begann.


    Kaum hatte er ihn betreten, litt er wieder schlagartig unter den Symptomen. Wie als würde er in ein vorhandenes Feld laufen. Die Kopfschmerzen waren nicht ganz so extrem, aber trotzdem begann wieder der Zyklus wie gestern. "Irgendwas im Raum hier ... ich muss ... Blue muss ... *schweres Atmen* Beruhigen ... Ruhig bleiben ... Spritze ... muss versuchen ... " Seine Inneres war wieder dabei Amok zu laufen. Mit zittriger Hand griff er nach der vorbereiteten Spritze. Sein Herz raste bereits und langsam zog vor seinen Augen so etwas wie ein roter Nebel auf. "Muss mich beeilen ... * brummendes Schnaufen* ... muss ... kaputthauen ... Nein. Nein nicht jetzt ... Wir Aufgabe erfüllen zu haben ... Nein ... nicht meine Aufgabe ... Tod zu bringen ... *argh* ... du Schwächling ... du mich nicht davon ... oh doch ... du gehören wieder ... in den Käfig." Blue hielt die Spritze mit einer Hand fest. Seine andere Hand umfasste die mit der Spritze. Er rammte sie sich in einen ungeschützten Bereich seines rechten Beines und verabreichte sich selbst so viel, wie er vorher ausgerechnet hatte.


    Seine Rechnung ging fast auf. Nachdem er sich das Mittel verabreicht hatte merkte er das langsame Beruhigen deutlich. Aber das Mittel wirkte immer noch stärker als er berechnet hatte. Er hatte Probleme mit der Koordination und torkelte beinahe wie ein Betrunkener hin und her. "Das ... ist ... besser. Hat geholfen ... gerade noch rechtzeitig. Muss suchen ... nach Auslöser ... hier irgendwo..." Er suchte den Raum nach Auffälligkeit ab. Ein Lautsprecher hing in seiner Nähe. Er knackte kaum hörbar. Als er näher heran ging merkte er, dass sein Körper darauf reagierte. "Da ... also ... diese Teufel ... Monster in Menschengestalt ... " Blue zertrümmerte den Lautsprecher zwar im Gegensatz zu sonst sehr unkoordiniert, aber ein Ergebnis erzielte er damit trotzdem. Sofort waren Stimmen und die anderen Symptome verschwunden. Blue lehnte sich erschöpft an die Wand.


    "Denke ... Denke ... das alles gewesen ... Jetzt nach Starcores suchen ... langsam ..." Blue durchsuchte die restliche Vault langsam und bedächtig. Er fand nach einiger Zeit alle Starcores und noch etwas anderes. Vault-Tec hatte tatsächlich unterschiedliche Experimente im laufenden Parkbetrieb an den Besuchern durchgeführt. Sie waren bis zum heutigen Tag aktiv geblieben, wie Blue an sich selbst feststellen musste. Nachdem das selbst gespritze Mittel ein wenig abgeklungen war, las Blue in den unterschiedlichen Terminals der Vault-Tec Wissenschaftler. Sie waren versteckt in dieser Vorführvault untergebracht worden und beobachteten die Auswirkung ihrer Experimente auf die Parkbesucher.


    "Das erklärt es. Diese ganzen Auswirkungen auf mich ... im Gegensatz zu Menschen scheine ich darauf besonders stark zu reagieren bzw. anfällig zu sein. Gut, dass ich diese Sachen zerstört habe. Die richten kein Unheil mehr an." Blue verließ nach dem Durchsuchen der Terminals das Among the Stars und wendete sich dem nächstem Ort zu, wo weitere Starcores zu finden waren. Seine nächstes Ziel war die Robco - Battlezone. Der Name Robco verhieß im Zusammenhang mit Battlezone nichts Gutes.

  • 293. Schrottageddon

    Gewarnt durch die unsichtbare Gefahr im Among the Stars, betrat Blue die Robco Battlezone besonders vorsichtig. Früher fanden hier Kämpfe zwischen verschiedenen Robotern statt, deshalb fand Blue eine große Ansammlung von ihnen in dem Gebäude vor. Eine ganze Anzahl von ihnen war noch funktionsfähig und es waren einige der gefährlichsten dabei. Wie in den anderen der alten Attraktionen auch, war hier auch nur noch die Notbeleuchtung aktiv. So konnte Blue einen Großenteil der Roboter zu Schrott verarbeiteten, bevor sie in den aktiven Modus überwechselten. Er fand auch zügig fast alle Kerne. Bis auf einen. Er seufzte leise. Er hatte eine Vermutung, wo er den letzten finden würde.


    In der Mitte des Gebäudes lag die Kampfarena, die er bis jetzt vermieden hatte zu betreten. Seine inneres Gefühl warnte ihn eindringlich davor, sie zu betreten. Dort drinnen gab es kaum Möglichkeiten Schutz zu finden. Als er an die dreckige Scheibe trat und hindurchspähte sah er das, was er suchte. Hinten an einer Wand befand sich eine Konsole und dort befand sich der letzte Starcore der Robco Battlezone. "Ich habe es geahnt. Da ich nicht weiß, ob noch Ersatzkerne für Star Control existieren, werde ich diesen Raum betreten müssen." brummte er unzufrieden. Aufmerksam trat er ein und lief zu der Konsole. Bis jetzt war alles ruhig geblieben. Kaum macht er sich an dem Starcore zu schaffen, passierten mehre Dinge gleichzeitig. Als erstes verschlossen sich die dicken Sicherheitstüren zur Arena.


    Anschließend knarzte eine alte Sprecherstimme in den Lautsprechern und zwei bis jetzt verschlossenen Türen im Boden der Arena begannen sich langsam zu öffnen. Als die Türen komplett offen waren, kamen per Lastenaufzug zwei Aggressotrons heraus und schossen sofort auf Blue zu. "Ladys, ihr seid mir definitiv zu aufdringlich." schnaufte er und zerlegte die beiden so schnell wie er konnte. Er wollte ihnen nicht die Möglichkeit geben, ihre tödlichen Kopflaser aufzuladen. Während er dabei war, sie zu zerstören, öffneten sich auf einer Ebene über ihn weitere Türen. Weitere Roboter strömten heraus. Unter Gefluche und beständigem Geschepper zog Blue auch diese aus dem Verkehr. Er wendete sich gerade erneut dem Starscore zu, da erklang erneut eine Durchsage, die nichts Gutes verheiß. Nicht weit von Blue befand sich eine breite Tür, die bis jetzt verschlossen war.


    Unter einem ziemlichen Gerummpel begann sich zu öffnen und gab den Blick auf einen kampfbereiten Kampfbot frei. "Ach du Scheiße." entfleuchte es Blue. "Der Besitzer von Nuka-World musste wohl ausgesprochen gute Beziehungen zum Militär gehabt haben. Die haben die Wachbots wohl im Dutzend billiger bekommen." Er sah sich um. Es gab nur eine kleine niedrige Erhöhung, die würde ihm wahrscheinlich nicht wirklich Schutz bieten, aber vielleicht reichte sie um den Wachbot zu verlangsamen. "Ich muss irgendwie hinter die überdimensionierte Blechdose kommen, dann bearbeite ich die Fusionskerne. Von vorne wird das hier in der Enge ein zu heißes Tänzchen." Der Wachbot fuhr ihm entgegen und begann sofort auf Blue zu feuern. Der bewegte sich die ganze Zeit und blieb nicht auf einer Stelle stehen. Sein Plan war den Wachbot so lange zu beschäftigen, bis der seine Fusionskerne abkühlen musste. Erst dann konnte er ihn ohne größere Blessuren ausschalten.


    Nach fünfzehn Minuten ging der Wachbot endlich in die Überhitzungsphase. Blue bewegte sich so schnell er konnte hinter ihn und beschädigte mit Hilfe des Lasergewehrs die Fusionskerne kritisch. Schnell suchte er Abstand zu dem Bot und kurz darauf explodierte dieser in einem gleißenden Feuerball. Es schien der Endgegner in dem Arenakampf gewesen zu sein, denn die bisher versiegelten Zugänge zu Arena öffneten sich wieder. Blue nahm den Starcore an sich und verließ die Battlezone. Sein nächster Anlaufpunkt war die Attraktion Nuka - Galaxy. Wie die vorherigen großen Attraktionen befand die sich ebenfalls in einem der riesigen Gebäude in der Galactic Zone. Es war eine Achterbahn. Die Bahn selbst war in einem bemerkenswert guten Zustand, auch wenn einige Teile im Gebäude selbst durch Einstürze nicht mehr zugänglich waren.


    Im Gebäude bekam es Blue neben den üblichen Robotern auch mit einer Menge Wandgeschütze und bewaffneten Animatronik-Puppen zu tun. Alle waren größtenteils mit Laserwaffen bestückt und Blue steckte den einen oder anderen leichten Streifschuss ein. Letztendlich gelang es ihm aber die Gegenseite auszuschalten und auch hier alle Starcores zu bergen. Er beschloss, die bis jetzt Erbeuteten erst einmal wieder zu Star Control zu bringen. Dort angekommen setzte er sie ein und sicherte sie zusätzlich gegen eine erneute Entfernung. Mittlerweile hatte er genügend zusammen, um die Grundfunktionen zu erweitern. Eine erste Handlung war es, die gesamte Anlage gegen einen Fremdzugriff zu sichern. Er fügte der Anlage eine Kennwortsicherung hinzu. So dass die nächste Raidergruppe, die diesen Standort ihr eigen nennen sollte, nicht einen Zugriff auf die Steuerung bekam.


    Blue beging nicht den Fehler, diese Raider hier zu unterschätzen. Als er mit der Überprüfung und Erweiterung fertig war, lächelte Blue zufrieden. "Eine Gefahr weniger. Und ein Hilfsmittel mehr, wenn wir Nuka-World befreien wollen. Ich werde den Jüngern den Park übergeben. Mir passt das zwar nicht, aber sie sind von allen Raidergruppen hier in Nuka-World die Schlimmsten. So kann ich sie im Moment bei Laune halten und wenn der Tag X gekommen ist ... dann werden sie ihr blaues Wunder erleben." Blue grinste böse, als er sich in Gedanken ihre Gesichter vorstellte, wenn die Roboter sie angriffen. Er würde es so planen, dass die Roboter genau dann loslegten, wenn die Minutemen Nuka-World angriffen. Mit den Anführern der drei Banden hatte er sowieso noch eine ganz persönliche Rechnung offen. Ebenso mit Gage. Er ballte bei der Vorstellung, was er mit ihnen anstellen würde, seine linke Faust so feste, dass seine Fingerknochen laut knackten.


    Als er mit Star Control fertig war ging er eine Ebene nach oben. Er blieb vor einem der alten Fahnenmaste stehen und entnahm aus seinem Rucksack eine Fahne mit dem Abzeichen der Jünger. Einen Moment später war sie gehisst. "Genießt das so lange ihr könnt, sadistisches Pack." Blues Laune war nach den ganzen Kämpfen in der Galactic Zone erneut auf einen Tiefpunkt. Er trat den Rückzug Richtung Fizztop an. Der Ausflug in die Galatic Zone hatte sich für Blue trotz der ganzen Gefahren dort gelohnt. Alle Teile, die Deacon für die Modifikation der Halsbänder benötigte, konnte er bei den zerlegten Robotern auffinden und Star Control war soweit instandgesetzt, dass es wieder halbwegs nutzbar war. Die restlichen Kerne würde er auch noch auftreiben. Kaum hatte Blue den nördlichen Eingang von Nuka-Town durchschritten, trat ihm auch schon ein sehr zufrieden wirkender Gage entgegen.

  • 294. Ein unmoralisches Geschenk

    "Gute Arbeit, Boss. Du bist so zielstrebig wie eine Todeskralle, die ihre Beute gewittert hat. Und genauso tödlich. Die Jünger haben auf ihre Art fast Freudensprünge gemacht, als sie ihre Fahne über der Galactic Zone gesehen haben. Nur das Rudel war wenig davon begeistert, dass du den Jüngern den Vorzug gegeben hast. Vor allem nachdem sie zwei ihrer Leute an sie verloren haben ..." Blue sah Gage mit einem nicht zu deutenden, durchdringenden Blick an. "Was Boss?" Gage war verunsichert. Er hasste es, wenn der Overboss ihn so ansah. Oft genug bedeutete das Ärger für ihn. "Das Rudel soll sich in Geduld üben, Gage. Wenn ich ihnen schon ein Filetstück der Beute weggeschnappt habe, sollen sie wenigstens einen ordentlichen neuen Anteil bekommen."


    Blue spielte dabei auf das Safari Adventure an. "Die Galactic Zone ist gerade gut genug für Nishas Bande und hält sie bei Laune. Für das Rudel steht der nächste Park an. Ich habe auch die *leichtes tiefes Lachen* weitere Familie des Rudels mitbedacht. In der Galactic Zone würden sie sich nicht wohlfühlen. Zu wenig offene Flächen und zu wenig gute Unterbringungsmöglichkeiten. Finde sie schon im Bradberton Theater schlecht aufgehoben. Wenn wir ins Umland ziehen wollen, braucht das Rudel gesunde Familienmitglieder. Ich kann bei einem Angriff auf die Siedlungen keine Viecher gebrauchen, die ihre Kräfte nicht komplett ausreizen können." Gage runzelte die Stirn.


    "Du bist ganz schön pfiffig. Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht ... Mit deiner Art der Planung werden wir die anderen Raider im Umland ganz schnell auslöschen oder unserer Gruppe hinzufügen." Gage verzog das Gesicht vor Freude zu einem fast schon unnatürlichen Grinsen. "Habe schon gedacht du kommst gar nicht mehr von selbst drauf, Gage." Gage kratzte sich mit einmal verlegen unter dem Kinn. "Sorry Boss. Nichts für ungut. Nur ... Boss ... einem Mutie habe ich bis jetzt solche Dinge nicht zugetraut. Selbst Menschen mit solchen Fähigkeiten sind äußerst rar geworden." Gage hoffte, dass er mit dem Satz dem Overboss nicht auf die Füße getreten hatte. Blue nahm es zu Gage Erleichterung scheinbar nicht krumm. "Tja, bin immer für Überraschung gut. Haben die meisten meiner Gegner auch gedacht. Bis sie mit zerschmetterten Knochen im Staub gelegen haben. Da ich heute noch einiges an Planungen zu tun habe, bewegst du jetzt deinen faulen Raiderarsch zu Mason hin und erklärst ihm, was ich vorhabe. Verstanden, Gage!


    Gage nickte. "Welcher der übrig geblieben Parks wird es denn für das Rudel sein?" "Die alte Erfrischungswelt. Ich habe auf meinen Erkundungen gesehen, dass sie im "Hinterhof" eine schöne weite Fläche mit einem kleinen See hat. Wird auch die nächste sein, die ich aufsuche." Gage lächelte und dampfte Richtung Nuka-Town ab. "Ich habe schon gedacht, ich werde Gage gar nicht mehr los. Ich werde jetzt erst einmal nach Ferris schauen. Der Kleine braucht mit Sicherheit auch wieder Gesellschaft. Und mit Sicherheit wieder Futter. Der hat mittlerweile wirklich einen ausgesprochen guten Appetit." Blue grinste kurz in sich hinein. "Aber auch kein Wunder. Er ist ja noch im Wachstum. Jaja, Yao-Guais sind immer ein klein wenig verfressen." Er musste dabei an Preston denken. Der neckte ihn hin und wieder mit so einem Vergleich, wenn sie zusammen abends im leuchtenden Gecko gesessen hatten.


    Zu essen. Das war ein Stichwort. Blue merkte mit einem Mal, wie hungrig er war. Er überlegte kurz und brach Richtung Nuka-Markt auf. Dort angekommen sprach er zunächst mit Mackenzie und unterrichte sie versteckt über den derzeitigen Stand der Dinge. Anschließend ging er rüber zu Shelbie Chase um sich mit einigen Nahrungsmitteln einzudecken. Dabei näherte sich ein Mann, den er schon oft hier gesehen hatte, aber bisher mit ihm noch kein Wort gewechselt hatte. Dieser schien häufig mit irgendwelchen Reparaturarbeiten beschäftigt gewesen zu sein, als Blue das ein oder andere Mal hier war. Diesmal sprach der Mann Blue direkt an. Er mochte zwischen vierzig und fünfzig Jahre alt sein. Er war bereits ergraut und trug neben dem speziellen Halsband die typische heruntergekommene graue Kleidung eines Sklaven von Nuka-World.


    "Hallo Boss. Man nennt mich Chip. Ich wollte dich nicht stören. Aber ich würde dich gerne etwas fragen. Du erledigst gerade Colters ursprüngliches Vorhaben, die Parks von seinen Gefahren zu befreien. Wirst du auch Colters anderes Versprechen halten, dem Park seine Lichter zurückzugeben?" Blue sah ihn fragend an. "Ist das denn noch möglich?" Chip nickte kurz. "Wenn du das alte Kraftwerk freiräumen könnest, sollte ich es hinbekommen. Weißt du, ich bin seit zwanzig Jahren hier und träume seitdem diesen Park wieder in den bunten Lichtern wie vor dem Krieg leuchten zu sehen. Das würde auch mehr Leute auf den Markt ziehen und das wäre auch nicht zu eurem Nachteil. Ich repariere hier viele der alten Dinge und ich weiß das es möglich ist." Blue überlegte einen Moment, bevor er Chip antwortete. Dann nickte er. "Ich werde es mir bei Gelegenheit einmal ansehen. Dein Argument klingt für mich ganz passabel." Chip schien sich zu freuen. Er lächelte kurz und ließ Blue wieder allein. Der erledigte noch den Rest, den er vorgehabt hatte und kehrte zum Fizztop zurück.


    Oben begrüsste ihn Ferris bereits mit einem freudigen Brummen. "Hmm, Kleiner ich freue mich auch dich zu sehen. Schauen wir gleich, mal das du was zu futtern bekommst. Schließlich sollst du ja groß und stark werden." brummte Blue ruhig. In Gedanken ergänzte er "... damit du diese vermaledeiten Raider mit deinen Pranken zerlegen kannst." Blue ging in Richtung einer alten Küche, die durch einige eigenwillige Modifikationen mit einem Generator noch lief. Auch ein funktionsfähiger Kühlschrank war hier vorhanden. Blue holte einige frische Früchte und etwas Fleisch heraus für Ferris heraus. Er selbst bereitete sich das Fleisch zu, das er auf dem Markt von Nuka Town erworben hatte. Als alles fertig war, gesellte er sich zu Ferris und beide vertilgten ihr Essen. Danach beschäftigte sich Blue weiter mit ihm. Der kleine Yao-Guai war äußerst gelehrig. Ferris kam mit Deacon auch gut klar. So das Blue guter Dinge war, dass Ferris für einen Yao-Guai halbwegs "gesellschaftsfähig" war.


    Es war bereits Nachmittag, als Ferris böse zu brummen begann und Richtung Tür vom Fizztop starrte. Blue hörte es jetzt auch. Der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. Blue war durch das Brummen gewarnt. Irgendjemand war auf dem Weg zu ihm. Scheinbar jemand Fremdes für den Yao-Guai. Deacon war es auf keinem Fall, da Ferris mit ihm kein Problem hatte. Gage konnte es auch nicht sein. Dafür war das Brummen zu aggressiv. "Ruhig. Danke für die Warnung, Kleiner. " Blue brachte den Yao-Guai in sein Lager und verschloss es. Anschließend setzte er sich auf einen der alten Sessel und stellte den Superhammer neben sich. Unten schienen mehrere Personen zu sein. Eine Stimme war ihm nicht unbekannt, aber er konnte sie zunächst nicht zuordnen. Blue wartete ab, wer ihn da aufsuchte. Der Aufzug war oben angekommen. Ohne ein Klopfen öffnete sich die Tür. Zunächst stolperten zwei Jünger hinein. Ihnen folgte Nisha mit zwei weiteren Jüngern und einer Frau, die geknebelt und in Ketten gelegt war. Sie wies Verletzungen im Gesicht auf.


    Blue gefiel Nishas Besuch hier oben überhaupt nicht. Was führte die Anführerin der Jünger im Schilde. "Wie wäre es das nächste Mal mit Anklopfen. Ich hasse es wenn ich unangemeldet Besuch bekomme, Nisha." brummte Blue leicht säuerlich. "Aber dann wäre es ja keine Überraschungsbesuch mehr. Ich dachte, ich besuche unseren Overboss und unterhalte mich mal ein wenig mit ihm." Nisha lächelte Blue zufrieden an. Ein Bild, was man bei ihr äußerst selten zu sehen bekam. "Weißt du, Overboss, ich dachte den "Ausrutscher" zwei meiner ehemaligen Jünger, würdest du es mir persönlich krumm nehmen. Uns bei der Parkverteilung nicht mehr mitbedenken. Aber ich habe mich wohl in dir getäuscht. Da du dich so ins Zeug gelegt hast, habe ich eine kleine Aufmerksamkeit für dich." Nisha drehte sich dabei nach hinten um und zog an einer Kette, die sie bereits die ganze Zeit in der Hand gehalten. "Na zier dich nicht so. Du solltest dich geehrt fühlen, dass wir gerade dich für den Overboss ausgesucht haben." Nisha grinste böse. Einige der Jünger lachten höhnisch. Sie zog die junge Frau nach vorne und reichte Blue die Kette.


    "Weißt du, ich dachte auch jemand wie du könnte etwas "Unterhaltung" gebrauchen. Die Kleine heißt Jen. Sie gehört jetzt dir. Du kannst mit ihr tun und lassen was, du willst. Ich hoffe, du weißt mein kleines "Geschenk" zu schätzen. Nisha hatte Blue damit kalt erwischt. Auch wenn er äußerlich ruhig aussah, kämpfte er gerade damit, nicht einen massiven Wutanfall zu bekommen. "Dieses verdammte ... überhebliche *grah* Miststück ... ich hasse ... wir sollten sie einfach jetzt hier oben ... Ruhig Blue ... muss ... mich beruhigen ... nicht hier und nicht jetzt." Blue drängte das Bedürfnis zurück Nisha und ihre Jünger hier oben einfach umzubringen. Blue hasste Raider aus mehreren Gründen. Diese gerade eingetretene Aktion seitens Nisha war eine davon. Die meisten Raider hatten keinerlei Skrupel andere Menschen zu schänden. Blue hatte Nishas Anspielung sofort verstanden. "Danke, Nisha. Du hast einen guten Geschmack. Die Kleine gefällt mit ... wirklich gut. Es kostete ihn eine ziemliche Überwindung diesen Satz so über die Lippen zu bringen. Er schnaufte beim Sprechen, um sich weiter zu beruhigen.


    Nisha interpretierte das falsch. "Wie ich sehe, scheine ich das Ganze ja richtig eingeschätzt zu haben. Dann werden wir uns mal verabschieden, damit ihr beiden euch richtig bekannt machen könnt." Nisha grinste und verschwand mit ihren Jüngern wieder nach draußen. Man hörte anschließend das ratternde Quietschen als der Aufzug wieder nach unten fuhr. Blue stand oben im Fizztop und starrte wütend Löcher in die nun wieder geschlossene Tür. Er hatte beide Hände zu Faust geschlossen. Er schloss die Augen und atmete dann schwer aus. Anschließend sah er nach der jungen Frau. Die saß zusammengekauert in der Nähe der Tür und sah Blue mit schreckensgeweiteten Augen an.

  • 295. Äußerlichkeiten

    Die junge Frau war leichenblass. Kleine Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und sie drückte sich panisch in die Ecke, als Blue auf sie zukam. Durch die Ketten konnte sie nicht wirklich aufstehen. Er blieb stehen. "Ich bin ein alter Dummkopf. Wäre ich deiner misslichen Lage, würde ich mich auch fürchten." brummte Blue frustriert. Ihm war gerade klar geworden, dass er aus der Perspektive der jungen Frau schon allein aufgrund seiner Körpergröße absolut furchterregend aussehend musste. Er ging einige Schritte zurück und seufzte hörbar. Die Frau war zunächst verwirrt, aber blieb trotzdem sehr angespannt. "Du heißt Jen, richtig?" Sie nickte vorsichtig. "Ich ... werde dir gleich den Knebel und die Ketten abnehmen. Und ich werde dir nichts tun. Versprochen. Auch wenn das gerade anders geklungen hat. Okay?" Jen war ziemlich verunsichert aufgrund von dem jetzt freundlichen Verhalten des Overboss.


    Sie betrachtet angespannt Blue. Der näherte sich wieder vorsichtig. Als erstes entfernte er vorsichtig den Knebel, der auch einen Teil des unteren Gesichts bedeckte. Als er ihn abgenommen hatte, sah er das Jen einige Schnitte und Abschürfung im unteren Teil des Gesichtes aufwies. Auch schien der untere Teil der Lippe geschwollen. Sie klapperte mit den Zähnen und flüstert leise "Bitte ... ich ... gehorche ... nicht schlagen ... nicht weiter quälen." Sie sah Blue mit glasigen und immer noch angsterfüllten Augen an. Was die Jünger vorher mit Jen angestellt hatten, wollte er sich nicht ausmalen. Sie schienen Jen gebrochen zu haben. Behutsam löste er die Fesseln. Nur das Sklavenhalsband konnte selbst er nicht entfernen. "Ich werde dich weder schlagen noch quälen, Jen. Das ist nicht meine Art. Auch wenn du mir das im Moment vielleicht nicht glaubst." Er redete beruhigend auf sie ein. "Wi ... Wirklich? ... mei ... meinst du das wirklich ernst ... oder ist das wieder ... ein perfides Raiderspielchen?"


    Blue schüttelte den Kopf. "Kein Spiel." "Ich ... es ist alles so merkwürdig. Du bist ... die anderen ... die Raider ... haben ... über dich ... grausame Ding erzählt ... aber du ... ich verstehe das alles nicht. Bin so erschöpft ... müde." " Dann ruh dich aus, Jen. Hier oben wird es keiner wagen dir etwas anzutun. Komm, ich zeig dir, wo du dich ausruhen kannst. Du wirst hier nicht auf den Boden schlafen." "Und du wirst wirklich nicht über mich herfallen? ... aber was frage ich ... du könntest das jederzeit ... ohne das ich überhaupt eine Chance hätte ... " Jen wurde beim Sprechen immer leiser. "Wie ich schon sagte, so etwas mache ich nicht." Blue hielt Jen den Arm hin. Sie griff nach ihm und zog sich hoch. Sie stand wieder auf den Beinen. "Danke, Overboss ... ich ... " Sie betrachtete ihn immer noch ängstlich. "Einfach nur Blue." Er brachte sie ins Innere von Fizztop Grill. Er hatte hier ein wenig Ordnung gemacht, nachdem es seine vorübergehende Bleibe geworden war. Vor den alten, nicht mehr funktionsfähigen Aufzug hatte er einen hohen und schweren Schrank geschoben, so dass man das Innere nur noch über den vorderen Teil betreten konnte.


    Ansonsten war es hier mittlerweile ordentlich und sauber eingerichtet. Blue bot Jen an, das sie sich in seinem Bett ausruhen konnte. Seitdem Ferris da war, schlief er in seine Nähe auf dem Boden auf einer Matratze mit Decke und Kopfkissen. Jen schaute immer noch misstrauisch, machte es sich aber nach einer Weil darauf bequem. "Wenn irgendetwas ist, du findest mich vorne." Danach verabschiedete er sich und ging wieder nach vorne. Jen schaute ihm ungläubig hinterher. Sie hatte bis zu Letzt damit gerechnet, dass der Overboss sich am Ende doch als brutaler Mutanten-Raider entpuppte und sie missbrauchen würde.


    Nichts von dem war eingetreten. Sie ließ sich total erschöpft in das Bett sinken und schlief sofort ein. Blue ließ sich vorne in den abgewetzten Sessel sinken und kratzte sich die Stirn. "Uff. Als wäre die ganze Situation schon nicht schwierig genug ... jetzt muss ich doppelt so vorsichtig sein. Bis ich Jen einschätzen kann. Ich denke von ihr wird keine Gefahr ausgehen, vor allem nicht bei ihrem derzeitigen Zustand. Eine gewisse Vorsicht kann nicht schaden. Ich sollte mir morgen ihre Verletzungen ansehen. Sie scheint mir ziemlich geschwächt, ich ... " Blue unterbrach seinen Gedankengang.


    Der Aufzug setzte sich abermals in Bewegung. Er schaute zu Ferris hinüber, der seelenruhig schlief. "Ich denke, das könnte Deacon sein. Ich muss ihn auf jeden Fall auf Jen hinweisen. Bin gespannt, was er heute zu berichten hat." Es war tatsächlich Deacon, immer noch in der Rudelverkleidung. Er wollte gerade anfangen zu reden, als Blue ihm ein Zeichen gab, leise zu sprechen und bedeutete ihm in die Nähe von Ferris zu gehen. Deacon sah ihn fragend an. Als sie beide dort waren, berichtete er Deacon sehr leise was passiert war. Deacons Gesicht sprach Bände während Blue erzählte. Er schaute ziemlich finster drein. "Himmel. Was für eine Scheiße. Sie muss doch drei Tode gestorben sein ... wer weiß was für Schauergeschichten sie ihr über dich erzählt haben ... nun ja ... deine Rolle als Overboss spielst du während du unter Ihnen bist erschreckend authentisch ... manche der Gangmitglieder hier haben eine sehr hohe Meinung von dir ... und die anderen verdammt viel Schieß." Deacon sann nach.


    "Die werden noch beten, dass sie mir nie begegnet wären, Deacon." brummte Blue. Deacon nickte bei der Aussage. Danach berichtete Deacon die Neuigkeiten von seiner Seite und Blue übergab ihn die erbeuteten Sachen aus der Galactic Zone. Es war alles dabei. Damit konnte Deacon den nächsten Schritt im Plan fortführen. Sie hatten eine ganze Zeit miteinander gesprochen. Deacon wollte sich gerade zum Gehen fertig machen, als Blue ihn noch etwas fragte. "Deacon, kannst du morgen Abend versteckt ein Auge auf Jen werfen? Ich wollte gegen spät abends zu dem alten Kraftwerk in der Ebene aufbrechen. Nur zur Sicherheit. Ich werde ihr sagen, dass sie besser oben in Fizztop bleiben soll. Dort ist es am Sichersten für sie. Im Augenblick. Aber ich weiß nicht, ob sie vielleicht doch einen unüberlegten Fluchtversuch wagen will." Deacon grinste kurz. "Klar werde ich auf deinen "Damenbesuch" Acht geben. Kannst du dich drauf verlassen, mein Freund."

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