[Spoiler] Ein seltsamer Wanderer - Alternative F4 Geschichte

  • 146. Endspurt

    Nachdem sie an der Farm angekommen waren, zogen sich Nick und Blue in die Scheune zurück. Ferrington und die beiden anderen gingen zu den Zelten. Grummpel folgte ihnen und legte sich anschließend dazu. Er schien Ferrington genauso gerne zu mögen wie Flux. Später gesellten sich auch noch Mick und Caspar dazu und lauschten den Neuigkeiten, von denen Ferrington berichtete. Sie waren bei der Farm geblieben während die große Gruppe der Minutemen Richtung Eden Meadows und anschließend Richtung der Vim-Fabrik gezogen waren.


    Währenddessen sprachen Nick und Blue über den Auftrag, den DiMa ihnen gegeben hatte. Er war für die Ausführung des Planes den DiMa geschmiedet hatte wichtig. Die einzigen, die wussten, das Tektus ausgetauscht werden sollte, waren Nick und Blue. "Laut der Beschreibung, die DiMa uns gegeben hat, finden wir Martins Zuflucht unterhalb einer alten Brücke. So wie ich das sehe, ist sie nicht weit von dem alten Sägewerk entfernt, wo wir damals mit Longfellow nach dem Kapitänstanz eine Rast gemacht haben, oder Nick?" sagte Blue nachdenklich. "Ja. Scheint mir auch so, Großer. Dort sollen irgendwelche Holobandaufnahmen von Martin und DiMa zu finden sein." bestätigte Nick Blues Vermutung. "Gut, die nächsten Schritte werden wir beide alleine absolvieren. Ich möchte keinen meiner Leute da mit hinziehen. Je weniger davon wissen, umso besser. Außerdem reicht es, wenn ich mit der Entscheidung leben muss, die ich getroffen habe. Ich gehe davon aus, das du mit dabei sein willst, Nick?" fragte Blue.


    Nick nickte. "Mir gefällt diese Entscheidung nicht, Blue. Aber ich wüßte auch keine bessere Lösung. Deshalb unterstütze ich dich trotzdem. Das ist das erste Mal seit langem, dass wir beide mal nicht einer Meinung sind." sagte Nick. "Ich weiss. Und du kannst mir glauben, dass ich mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht habe. So ein Zeitpunkt mußte ja irgendwann kommen." Blue seufzte unzufrieden." Ich würde auch vorschlagen, dass wir uns möglichst bald auf die Suche machen...ich möchte das Ganze einfach hinter mich bringen. Wir sollten in aller Frühe aufbrechen, damit genug Zeit bleibt um die Aufnahmen zu sichern. Wer weiß, ob uns nicht da die ein oder andere Überraschung erwartet." "Okay. Das hört sich vernünftig an. Dann suchen wir morgen die Stelle auf und bringen DiMa die Aufnahmen."


    Am nächsten Morgen verließen Nick und Blue die Farm und zogen zunächst die Strasse Richtung Süden entlang. Dann verließen sie die Strasse und gingen querfeldein. Irgendwann gegen frühen Nachmittag erreichten sie die Stelle, die DiMa ihnen beschrieben hatte. Unter einer kleinen Brücke fanden sie eine Tür, die in einen alten und relativ kleinen Wartungsraum führte. So wie es aussah, war schon seit einiger Zeit niemand mehr hier gewesen. Es hatte sich eine Staubschicht gebildet. Nach einiger Zeit fanden die beiden zwei unscheinbare Holobänder. Blue schob sie in seinen Pipboy und die beiden hörten sich die Gespräche zwischen DiMa und Martin an. Es musste der Zeitpunkt rund um das Ereignis gewesen sein, wo Allen Lee einen der Missionare der Kinder des Atoms getötet hatte. Martin und DiMa führten dabei ein Streitgespräch. DiMa versuchte noch zu schlichten, doch mit Martin war zu dem Zeitpunkt kein vernünftiges Gespräch mehr möglich. Nachdem sie die Bänder abgehört hatten, verstaute Blue sie sicher bei sich und beide verließen Martins ehemalige Zuflucht.


    Als sie wieder draußen waren sagte Nick zu Blue "Selbst unter Martin war das Verhältnis zwischen Kindern und den Bewohnern von Far Harbor alles andere als leicht. Er hat zwar versucht Frieden zu wahren, aber auch er war der Meinung, dass die Leute von Far Harbor anderswo besser aufgehoben wäre als hier. Endgültig ist es dann wohl wirklich mit Allen Lee Aktion gekippt. Aber wie es mir scheint, war die Eskalation der beiden Gruppen von vornerein klar. Nicht schön" Nick ging während des Gesprächs wieder hoch auf die Strasse und Blue folgte ihm mit kurzem Abstand. "Zu mindestens hat uns DiMa bei einigen Dingen die Wahrheit gesagt. Ich hoffe, das klappt was DiMa mit den Holobändern vorhat. Sonst kann das brenzlig für uns werden" sagte Blue nachdenklich. Die beiden machten sich auf den Rückweg, wollten aber noch bei Eden Meadows Rast machen um nach Flux zu sehen und bei Blue stand ebenfalls die Kontrolle der Verletzung noch aus. Die Rückreise verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Eigentlich eher ungewöhnlich für die Insel. Es schien eine wachsame Stille zu herrschen.


    Draußen vor Eden Meadows standen Longfellow und Whitefield. Sie unterhielten sich mit Erickson, der auf einen Besuch vorbei gekommen war. Erickson wollte die neuen Nachbarn kennenlernen und freute sich das Longfellow auch bei ihnen war. Er war überrascht, wie umgänglich die neuen Leute waren. Blue hatte seine Leute vorher informiert, dass Erickson ein guter Freund von Longfellow und ihm war. Als Nick und Blue sich Eden Meadows näherten unterhielten die drei sich gerade über die letzten Vorkommnisse. "Also ist Grun jetzt tot. Und die anderen auch. Ich bedaure es, dass es keine andere Möglichkeit gab. Aber es musste letztendlich so kommen. Hättet ihr sie nicht getötet, wären sie früher oder später zu euch gekommen und hätten dasselbe getan. Leider. " sagte Erickson nachdenklich. "Hätten wir eine andere Möglichkeit gehabt es zu lösen, hätten wir es getan, Erickson." verteidigte sich Whitefield. "Whitefield, das weiss ich. Viele meiner Brüder sind nicht an einem friedfertigen Umgang mit euch Menschen interessiert. Was dumm ist. Aber nicht zu ändern. Leider" Erickson schaute zu Seite und sah Nick und Blue über die Straße herankommen.


    "Hallo Erickson, schön dich hier zu sehen." freute sich Nick. Blue freute sich ebenfalls. "Hallo ihr beiden." grüßte Erickson die beiden und wandte sich zu Blue. "Du hast mit deinen Freunden recht gehabt, meiner blauer Freund. Sind wirklich sehr höflich und man kann sich anständig unterhalten. Das ist sehr gut. Ich werde jetzt erstmal wieder gehen. Muss nach meinen Freunden, den Hunden sehen. Wir werden uns bestimmt bald wieder sehen." Erickson verabschiedete sich und stapfte in Richtung des alten Flugzeugwracks davon.

    Die vier gingen in die Siedlung hinein. Nick und Longfellow gingen zusammen zu dem alten Diner, welches man hergerichtet hatte und setzten sich dort hin. Whitefield unterhielt sich mit Blue kurz noch über einige Dinge und gab Bericht ab über den derzeitigen Status auf der Insel. Die Minutemen, die über die Insel verteilt waren, berichteten zu bestimmten Zeiten kurz über Funk. Es war im Moment ruhig und keine Seiten machte zurzeit Anstalten irgendetwas "Unüberlegtes" zu tun. Blue steuerte danach das Lazarettzelt an, in dem Flux lag.


    Der war wach, als Blue eintrat. Weiter drinnen behandelt Lancet gerade einen anderen Minutemen. "Hallo Andrew, wie geht es dir? Was macht der Arm?" fragte Blue. "Mittlerweile wesentlich besser, auch wenn es noch ziemlich schmerzt. Doc Lancet meinte das es zwar noch eine ganze Zeit dauern wird. Aber es wird wahrscheinlich nichts zurückbleiben. Und was ist bei dir?" sagte Flux müde. "Ich würde sagen gut. Aber Lancet wollte nochmal drüber sehen und Verband muss auch noch gewechselt werden. Danach werde ich dann mit Nick weiter ziehen. Wir haben noch etwas Wichtiges zu erledigen." antwortete Blue. Er verabschiedete sich von Flux und ging zu Lancet, der gerade fertig geworden war. "Hallo Sir, ich habe gerade noch an Sie gedacht. Dann wollen wir uns das Ganze mal ansehen." sagte Lancet und nahm Verband und Schienung zunächst ab und begutachtet die Verletzung. "Wirklich bemerkenswert. Für die kurze Zeit schon sehr gut verheilt. Die Schiene können wir weglassen, denke ich. Aber noch nicht voll beanspruchen." ermahnte Lancet Blue und legte einen neuen Verband an. Die Schlinge konnte Blue nun auch weglassen.


    Nachdem Lancet fertig war, suchte Blue Nick auf und zog mit ihm auf dem direkten Weg weiter nach Acadia. Spätnachmittags kamen sie dort an. Sie gingen zu DiMa und gaben ihm die Holobänder. Der verschwand mit ihnen und nach einiger Zeit kam er damit wieder und erläuterte Blue die restlichen Dinge. Der hörte aufmerksam zu, nickte hin und wieder und stellte DiMa noch die ein oder andere Frage. Als DiMa mit den Ausführungen fertig war, schaute er einen Moment Blue an ohne etwas zu sagen. Blue erwiderte DiMas Blick. "Es wäre jetzt fast alles soweit. Bist du immer noch dazu...bereit, den Plan auszuführen, Blue? Es ist für alle auf der Insel das Beste, es so zu machen" fragte DiMa nach. "Ich...werde den Plan so auszuführen, wie wir es besprochen haben. Ich hoffe nur, dass deine List mit den Holobandaufnahmen von Martin funktioniert. Ich werde mich auf den Weg zu Farm machen und mich für den Besuch im Nukleus vorbereiten und morgen möglichst schnell zum Nukleus aufbrechen." antwortete Blue. "Gut. Also Morgen im Lauf des Tages wird Tektus dann auf die eine oder andere Art abdanken. Dann herrscht endlich Frieden. Danke, Blue. Du tust Richtige" sagte DiMa dankbar. "Das werden wir sehen DiMa." sagte Blue knapp und nahm die Aufnahmen von DiMa. Nick und Blue verließen Acadia und steuerten wieder die Farm der Daltons an.

  • 147. Atoms Entscheidung

    An der Farm angekommen trennten sich Nick und Blue. Nick ging zu Mick und Caspar. Blue ging alleine runter zum Strand und setzte wieder an den Findling, verschränkte die Arme und starrte aufs Meer hinaus. "Hey, Nick wo hast du denn Alterchen gelassen. Ich dachte ihr wärt hier zusammen angekommen" fragte Mick irritiert. "Er brauchte ein wenig Zeit für sich. Darum ist er allein runter zum Strand." erklärte Nick. "Probleme?" fragte Caspar neugierig. Nick schüttelte den Kopf. "Jein, nicht mehr als sonst. Aber er mußte eine schwierige Entscheidung treffen. Darum." sagte Nick nachdenklich. "Verstehe. Ich weiß zwar nicht worum es geht, aber ich denke, er wird sich mehr als nur ein paar Gedanken zu seiner Entscheidung gemacht haben." sagte Caspar. "Ja vermutlich." seufzte Nick.


    Blue hatte einfach kein gutes Gefühl bei der Sache. DiMas Plan war zwar gut durchdacht, aber es konnte noch so einiges schiefgehen. Für Nick und ihn war das ganze Unterfangen nicht Ungefährlich. Blue sollte mit Tektus in der alten Kommandozentrale sprechen und zwar in dem alten Wartungsteil, wo er mit Nick zusammen das alte Computerterminal gefunden hatte. Dort gab es genug Ecken, wo man Tektus "verschwinden" lassen konnte. Blue hatte sich bereits einen Plan zu Recht gelegt, wie er mit Hilfe von DiMas Holoband Tektus versuchen würde dazu zu bewegen, sein Amt als hoher Beichtvater niederzulegen.


    Blue hoffte immer noch auf eine friedliche Lösung, war sich aber darüber im Klaren, dass er Tektus aus dem Weg schaffen mußte, sobald dieser Anstalten machte auf Konfrontationskurs zu gehen. Tektus war nicht dumm und Blue vermutete, dass dieser mit Sicherheit auch einige Vorgänge und Gerüchte auf der Insel mitbekommen hatte. Häufig blieben die Kinder des Atoms zwar in der Nähe des Nukleus, aber es gab auch die ein oder andere Erkundungsmission der Kinder. Diese dienten als Selbstschutz vor etwaigen Gefahren, wie zum Beispiel der Bewohner von Far Harbor, aber das hieß nicht, dass die Kinder ahnungslos waren.


    Daher konnte Blue nur schwierig einschätzen, über welchen Sachstand Tektus verfügte und vor allem wie er reagieren würde. Blue hatte den Eindruck, dass DiMa Tektus in Sachen Taktik und Verschlagenheit unterschätzte. Blue dachte über das ein oder andere Gespräch nach, das mit dem hohen Beichtvater geführt worden war, als er regelmäßig bei den Kindern gewesen war. Da hatte er erleben können, wie manipulativ und verschlagen Tektus wirklich sein konnte. Nach etwa einer Stunde alleine am Strand und etliche Gedankengänge weiter, stand Blue auf und ging zu Nick und den anderen. Sie saßen um das Lagerfeuer herum und scherzten und lachten. Außer Nick, der ja wußte, was am nächsten Tag anstand.


    "Ah, da kommt er ja. Ich war schon geneigt, zu ihm zu gehen und zu fragen, ob ich helfen kann." sagte Ferrington, der mittlerweile auch zum Lagerfeuer dazugekommen war und sah, wie Blue langsam vom Strand hochkam. "Lieber Ferrington" sagte Nick "...es gibt ein, zwei Momente, da sollten Sie ihn einfach in Ruhe lassen. Das wäre für ihn auch eine Hilfe. Wirklich." sagte Nick ruhig und zog ein seiner Zigarette. "Nun gut. Mr. Valentine. Ich dachte nur...es würde helfen...wenn man die Gedanken zu schwierigen Entscheidungen teilt. Vielleicht entlastet das..." sagte Ferrington nachdenklich. Nick seufzte. "Prinzipiell ist das schon richtig. Nur dieser Fall ist speziell. Es gibt Dinge, die muss er ganz alleine mit sich ausmachen und auch ich kann ihm diesmal dabei nicht wirklich helfen." "Sie sind unterschiedlicher Meinung, richtig?" fragte Ferrington. Nick nickte erneut. "Das ist...selten. Ich verstehe." sagte Ferrington und schwieg. Ihm war klar, dass er weder von Nick, noch von Blue eine Auskunft darüber bekam, was los war. Er akzeptierte es, fragte sich aber trotzdem, was vorgefallen war. Nick und Blue waren fast immer auf einer gleichen Wellenlänge gewesen. Er konnte sich kein Reim darauf machen.


    Blue setzte sich mit zu den anderen ans Feuer. "Alles soweit fertig durchdacht, Großer?" fragte Nick nach einem Moment, "Ja, Nick. Ich denke schon" sagte Blue kurz und schaute zu Ferrington herüber, der neben Nick saß. "Ferrington. Ich werde morgen früh mit Nick nochmal Richtung Nukleus losziehen. Und bevor Sie Fragen. Diesmal kann ich Sie nicht mitnehmen." Ferrington wollte gerade was darauf sagen, als Blue mit dem Sprechen fortfuhr. "Ich muss ein wichtiges Gespräch führen und je weniger dabei sind, desto besser. Der hohe Beichtvater ist ein misstrauischer Mensch und im Moment noch mehr als sonst. Es ist nicht gegen Sie persönlich, sondern liegt an der Art der Sache." "Okay, Sir. Seien Sie dann bitte aber besonders vorsichtig." sagte Ferrington besorgt. Ihm gefiel es gar nicht, Blue wieder alleine in den Nukleus ziehen zu lassen, wo dieser noch nicht hundert Prozent fit von der Sache an der alten Vim-Fabrik war.


    Nachdem Blue sich wieder verkleidet hatte, machten sich Nick und Blue am frühen Morgen Richtung Nukleus auf. Nach einigen Stunden Fußmarsch kamen sie dort an. Der Großfanatiker stand mit einigen der Wachen draußen und unterhielt sich. Als er Blue und Nick heran kommen sah, hellten sich seine Gesichtszüge auf und er begrüßte die beiden. "Ah, bei Atom, schön euch wohlbehalten zurück zusehen. Wir hatten schon befürchtet, euch wäre auf eurer Pilgerreise etwas zugestoßen, großer Bruder. Die Insel ist zurzeit ein wenig...unruhig." Blue war daraufhin ein wenig angespannt, ließ sich aber nichts anmerken.


    "Wie meint ihr das, ehrenwerter Großfanatiker. Ich hab nichts dergleichen mitbekommen. Ist etwas Schlimmes passiert?" fragte Blue besorgt. "Diese verdammten Ungläubigen aus Far Harbor haben wieder einen der unseren getötet. Und einige unser Brüder und Schwestern, die ebenfalls seit geraumer Zeit auf Pilgerreise auf der Insel unterwegs waren, sind ebenfalls verschwunden. Ich befürchte, dass sie ebenfalls Opfer von Gewalt geworden sind. Zuletzt wurden sie auf einer Straße weit unterhalb von Acadia gesehen. Zu allem Überfluss ist unten im Süden eine große Gruppe von Menschen unterwegs gewesen. Es sind Fremde und haben auf Atoms Heiligen Land nicht verloren. Deshalb auch die Sorge um unsere Brüder und Schwestern, die zurzeit außerhalb des Nukleus unterwegs sind." schilderte der Großfanatiker die Ereignisse. "Das ist wirklich betrüblich zu hören, dass unsere Brüder und Schwestern wieder den Ungläubigen zum Opfer gefallen sind. Möge Atoms Zorn sie treffen." sagte Blue und fluchte den letzten Teil des Gesagten.


    "Aber wenigstens seid Ihr nun wieder hier. Und bald schon wird das Eintreffen, Bruder. Das kann ich euch versichern. Dafür wird der hohe Beichtvater schon bald Sorgen. Er wünscht übrigens eure Anwesenheit bei ihm. Ich sollte Euch Bescheid geben, sobald Ihr wieder hier eingetroffen seid. Lasst den hohen Beichtvater nur nicht zu lange warten. Es schien ihm sehr wichtig zu sein euch möglichst bald zu sprechen." sagte Richter. "Ich werde dem Wunsch des Beichtvaters umgehend entsprechen und ihn sofort aussuchen. Habt Dank, Großfanatiker." sagte Blue und verabschiedete sich von ihm. Dann gingen Nick und Blue zur Tür und traten in den Nukleus ein. Nick flüsterte Blue besorgt zu, als sie eingetreten waren "Das ist nicht gut, Großer. Das gefällt mir gar nicht. Die Lage hier spitz sich auch zu. Das mit dem erschossenen Kind des Atoms haben wir ja mitbekommen, aber die anderen...?" "Ich vermute, dass werden die Kinder sein, die wir tot in dem alten Wartungsgebäude gefunden haben. Und ja, es wird langsam kritisch, vor allem was will Tektus von mir? Das bereitet mir zusätzlich Sorgen. Wir müssen jetzt extrem vorsichtig sein, Nick." sagte Blue zwar ruhig, aber er war ebenso besorgt wie Nick.


    Beide durchquerten den Nukleus und nährten sich dem alten U-Boot. Nick beschloss draußen zu warten. Die beiden hatte es so abgesprochen, so dass es wirkte, dass nur Blue alleinig von dem Holoband und dessen Inhalt wußte. Er quetsche sich wieder durch die enge Luke ins U-Boot und näherte sich respektvoll Tektus. "Seid gegrüßt, ehrenwerter Beichtvater. Großfanatiker Richter teilte mir mit, dass Ihr die Anwesenheit eures unbedeutenden Kind des Atoms wünscht." sagte Blue. "Ach, da seid Ihr ja. Zurzeit das liebste meiner Kinder. Schön euch wohlbehalten wieder zusehen." sagte Tektus unglaublich freundlich zu Blue. Bei Blue schrillten innerlich die Alarmglocken.


    Irgendetwas stimmte nicht. Tektus wollte etwas von ihm. "Ich denke, der Großfanatiker hat euch schon einiges über unsere neusten Verluste an Gläubigen des Atoms erzählt. Diese Barbaren aus Far Harbor müssen endlich zu Rechenschaft für ihre Taten gezogen werden." sagte Tektus und sah Blue erwartungsvoll an. "Und Ihr werdet mir dabei helfen, mein Kind." "Ich gebe euch Recht Tektus, es darf so nicht weitergehen. Aber was kann ich schon für euch tun" sagte Blue und spielte den vermeintlich Unwissenden. "Nun, mein Kind. Euch liegen eure Brüder und Schwestern ähnliche nahe am Herzen wie mir. Ihr habt Einfallreichtum und Schläue bei den Bitten eurer Brüder und Schwestern erwiesen und manches Mal auch große Kraft. Atom möchte, dass Ihr als sein Schwert Far Harbor zur Rechenschaft zieht. Das ist eine große Ehre." sagte Tektus und lächelte sanft.


    Das war etwas, womit Blue nicht gerechnet hatte und Tektus Anfrage erwischte ihn eiskalt. Blue überlegt sehr schnell. "Das...das...ist eine große Ehre...hoher Beichtvater...und ohne das Wort des Atoms in Frage zu stellen...aber mir scheint, das der Großfanatiker hier...diese Ehre eher als ich verdient hätte..." sagte Blue sichtlich verwirrt. "Ach, liebes Kind. Das ist genau dass, was ich an euch schätze. Aber die Anweisung Atoms sind hier...nicht in Frage zu stellen." sagte Tektus immer noch freundlich, aber bestimmend. "Nun gut, hoher Beichtvater. Ich werde mich dem Wunsch des heiligen Atoms natürlich nicht verweigern und seinem Wunsch entsprechen. Allerdings hätte ich auch ein nicht minderwichtiges Anliegen an euch. Ich habe während meiner Pilgerfahrt etwas Besorgniserregendes gefunden. Wo habe ich..." Blue kramte gespielt in seinen Taschen herum. "...ah dort." Er gab Tektus das Holoband, welches DiMa für das Treffen vorbereitet hatte. "Was ist das, liebes Kind?" fragte Tektus verwundert über das Holoband.


    Blue antwortete ihm mit gedämpfter Stimme "Als ich nach einer Zuflucht für die Nacht gesucht habe, habe ich diese Holoband in einem kleinen Raum unter einer Brücke im Westen gefunden. Es scheint von eurem Vorgänger zu sein, Beichtvater Martin. Er spricht darauf über die Rückkehr in den Nukleus und er will seinen Platz wieder einnehmen." Tektus wurde für einen Moment aschfahl, fing sich aber wieder recht schnell. "Das...das...ich werde es mir in Ruhe anhören. Ihr habt richtig gehandelt, mich davon zu unterrichten. Danke." Blue flüsterte weiter. "Ich bin nur meiner Pflicht nachgegangen, hoher Beichtvater. Vielleicht sollten wir das weitere Vorgehen an einem ungestörten Ort fortführen. Wo die anderen Kinder es nicht mitbekommen. Es wäre, glaube ich nicht gut, das offen zu...diskutieren." Tektus sah ihn nachdenklich an. "Ich sehe, ihr habt auch hier die Problematik bereits erfasst, mein Kind. Was schlägt Ihr also vor?" "Vielleicht wäre ein passender Ort die alte Kommandozentrale. Wie ich von anderen Kindern hörte, soll es dort Bereiche geben, wo man ungehört und ungestört miteinander reden kann."

    Tektus überlegte einen Moment lang und nickte dann. "Nun, mein Kind, ich werde eurem Vorschlag entsprechen. Wir werden uns in etwa einer halben Stunde dort sehen. Ihr könnt bereits vorgehen. Ich werde mir noch die Aussagen auf dem Band anhören und mir dazu Gedanken machen. Ihr könnt nun gehen, mein Kind." Blue verabschiedete sich und verließ das U-Boot. Nick wartete bereits auf Blue. "Der hohe Beichtvater wird mit uns in einer halben Stunde in der alten Kommandozentrale sprechen und es gibt...Neuigkeiten" flüstere er Nick leise zu. Der runzelte kurz die Stirn. Da Blue das Wort Neuigkeiten so komisch betonte, wußte er, das Blue noch weitere Informationen hatte, über die sie hier nicht reden konnten. Beide gingen Richtung Kommandozentrale.

  • 148. Des Beichtvaters letzte Reise

    Nick und Blue zogen sich in den Seitengang der alten Kommandozentrale zurück. Blue erzählte Nick kurz worüber der hohe Beichtvater geredet hatte. "Das ist wirklich übel, Großer. Da hast du deine Rolle aber gut gespielt. Tektus hat deine Qualitäten recht gut erkannt. Das heißt wir müssen jetzt definitiv schnell in irgendeiner Form handeln" sagte Nick besorgt. "Ja und wir müssen bei Tektus mit allem rechnen. Tektus scheint mit Martin ein großes Problem zu verknüpfen, so wie er reagiert hat. Er hat sich zwar wieder schnell unter Kontrolle gehabt, aber es war offensichtlich, dass er vor Martin regelrecht Angst zu haben scheint. Ich werde die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass er mit Martins "Verschwinden" mehr zu tun hat, als es der erste Eindruck vermittelt." sagte Blue nachdenklich. "Du meinst, dass er Martin in irgendeiner Form abserviert hat?" fragte Nick nach. "Möglich wäre es. Ich würde es Tektus zutrauen. Er..." Blue hörte auf zu sprechen und lauschte.


    Sie hörten Schritte und es waren mehr als von einer Person. Nick flüsterte zu Blue "Tektus scheint nicht alleine zu kommen, Blue." Dieser nickte und flüsterte zurück. "Sieht so aus. Ich habe ein ungutes Gefühl, dass Tektus noch eine böse Überraschung für uns bereithält. Sei auf alles gefasst, Nick." Blue und Nick warteten angespannt ab. Es dauerte einige Minuten, dann tauchten im Gang vor Ihnen Tektus mit zwei schwerbewaffnete Wächter der Kinder des Atoms auf. Tektus Gesicht war streng und er sah Blue schon fast strafend an. "Wo ist diese Schlange, sagte es mir? Sofort!" herrschte Tektus Blue an. Dieser stellte sich dumm. In dem Moment, wo Tektus den Satz ausgesprochen hatte, wußte Blue welchen Schluss Tektus gezogen hatte. Tektus war der Ansicht, dass er und Nick mit Martin gemeinsame Sache machten. Die beiden befanden sich in akuter Gefahr und der gesamte Plan, Ruhe und Frieden auf die Insel zu bekommen schien ins Wanken zu geraten.


    "Hoher Beichtvater? Ich verstehe nicht..." sagte Blue verwundert und spielte weiterhin den Ahnungslosen. "Stellt euch nicht dumm, das steht euch nicht, Bruder Blue. Ihr versteht sehr wohl was ich meine. Und ich kenne auch euer kleines Geheimnis. Die Fremden auf der Insel. Sie sind euretwegen hier. Ich habe nur noch nicht verstanden, wie der Zusammenhang zwischen Ihnen und euch ist. Wenn ihr mir jetzt gegen Martin helft und euch auf meine Seite stellt, wird dieses Geheimnis bei mir sicher sein. Keiner der anderen Kinder wird etwas erfahren. Also, heraus mit der Sprache, wo hält Martin sich auf?" Blue wußte nun, dass er die Maske fallen lassen mußte, aus dieser Situation kam er jetzt nicht mehr ohne weiteres raus. "Es gibt keinen Martin, Tektus. Man hat euch hinters Licht geführt." sagte Blue im leicht grollenden Tonfall. Tektus schaute irritiert. Er hatte nicht mit so einer Aussage gerechnet. "Was meint ihr damit? Was für ein Spiel spielt Ihr hier? Ich verstehe jetzt gar nichts mehr."

    Die beiden Wächter folgten sehr aufmerksam dem Gespräch und hatten die Waffen bereits kampfbereit gemacht. "Ganz einfach Tektus, man hat euch eine Falle gestellt und ihr seid hineingetappt. Ich bin hier im Auftrag von jemand, den ihr gut kennt. DiMa schickt mich." sagte Blue ruhig zu Tektus. "Der alte Synth vom alten Observatorium? Ich hätte es ahnen müssen. Aber er war weise, einen von euch Berühten zu schicken. Damit habe ich nicht gerechnet. Was hat er euch versprochen? Dass er die Insel mit eures gleichen teilt. Er wird euch genauso hintergehen, wie er es schon mit den Kindern getan hat. Als er den Bewohnern die Nebelfänger gab, um Atoms heiligen Atem zu entfernen. Denkt darüber nach. Euer Zuhause könnte auch hier sein. Die anderen Kinder akzeptieren und respektieren euch. Und ich wäre bereit über eure Verfehlung wegzusehen. Dann könnten wir die Ungläubigen und diesen verräterischen Synth in den Abgrund schicken."


    "Tektus, DiMa hat mir nichts versprochen. Es geht um etwas anderes...Und außerdem, die Ihr meinesgleichen nennt..." Blue lachte bitter. "...sehen mich nicht als dazugehörig...dafür bin ich zu...anders. Sie würden mich am liebsten tot sehen. Außerdem ist mir die Gesellschaft dieser mordlustigen*unverständliches Brummeln* zuwider. Davon abgesehen, hoher Beichtvater bin ich nicht hier um mit euch zu verhandeln...sondern euch aus dem Weg zu schaffen. Aber..." fing Blue an, Tektus ließ ihn aber nicht weiter ausreden. "Also wünscht DiMa mein Ableben? Und wahrscheinlich sollt ihr mein Posten übernehmen. Sehr schlau eingefädelt, muß ich schon anerkennend sagen. Aber...das werde ich nicht zu lassen." sagte Tektus wütend. Er nickte seinen beiden Wächtern zu und die zogen die Waffen und wollten schießen.


    Dazu sollte es nicht kommen. Blue hatte bereits damit gerechnet, dass Tektus seine beiden Wächter anweisen würde, Waffengewalt zu nutzen. Deshalb reagierte Blue und zwar so schnell, das weder Tektus noch seine beiden Wächter sich wehren konnten. Mit dem Stab, den Blue immer bei sich führte, wenn er bei den Kindern unterwegs war, schlug er die beiden kampfunfähig. Aber er tötete sich nicht. Tektus sah, wie seine beiden Leute zu Boden gingen, ohne einen Schuss abzugeben. Er selbst war unbewaffnet. Dann rannte er los, den Gang hinunter. Und Blue hinterher. Tektus kam nur wenige Meter weit, dann hatte Blue ihn. Er griff von hinten Tektus an die Schultern und zog ihn erbarmungslos zurück.


    Blue schleifte ihn weiter nach hinten und schob ihn zunächst unsanft in eine Ecke. Tektus war außer sich vor Zorn und Angst und begann Blue auf Derbste zu beleidigen. "... und wenn ich das richtige sehe, wollt ihr mich also noch richtig quälen, bevor ihr mich umbringt. Ihr seid also genauso ein sadistisches Monster, wie die anderen. Dann ist das also auch nur eine Maske, euer friedfertiges Verhalten." gifte Tektus. Das hätte Tektus nicht sagen sollen. Blue suchte immer noch eine Möglichkeit ein Blutvergießen zu verhindern und hatte deshalb die Wächter nur kampfunfähig gemacht. Dieser Satz traf ihn bis ins Mark. Er sah Tektus mit solch einem bösen Blick an, das dieser nichts mehr zu sagen wagte.


    Blue griff Tektus am Hals und zog ihn zu sich nach oben. Er hielt Tektus so, dass dieser noch genug Luft bekam. "Tektus, Ihr solltet euch gut überlegen *wütendes Schnaufen* was ihr jetzt von euch gebt, sonst sehe ich mich wirklich gezwungen, euch den Hals zudrücken. Ich habe überhaupt kein Verlangen danach euch in irgendeiner Form zu quälen. Wenn ich muss, werde ich euch schnell und schmerzfrei umbringen." sagte Blue grollend. "Wenn Ihr leben wollt Tektus, dann werdet Ihr mir jetzt genau zuhören. Ihr und eure beiden Wächter werdet zu einer Pilgerreise aufbrechen. Das werdet ihr den Kindern sagen. Ihr hattet eine Vision von Atom. Ihr werdet den Nukleus verlassen und niemals hierhin zurückkehren und die Insel verlassen. Ich gebe euch eine kurze Bedenkzeit. Ihr habt für euch und euren beiden Wächter die Wahl zwischen Leben und Tod." Tektus sah ihn angsterfüllt an und krächzte nach einem kurzen Moment des Nachdenkens "Ich...ich akzeptiere euren Vorschlag. Ich werde ins Exil gehen. Aber bitte, tut den anderen Kindern des Atoms nichts, sie haben keine Schuld..." Blue setzte Tektus darauf hin ab, behielt ihn aber genau im Blick. "Nick, würdest du den beiden Wächtern bitte die Waffen abnehmen. Nicht das sie noch auf dumme Gedanken kommen." bat Blue Nick. Der nickte und entwaffnete sie. Beide wurden gerade langsam wieder wach und stöhnten.


    Nach einem weiteren Moment gesellten sich die beiden zu Tektus und warteten darauf, was weiter passieren würde. Nick hatte mittlerweile die Waffen entsorgt. Blue sprach wieder mit Tektus. "Ihr werdet euch zum Ausgang des Nukleus begeben und ich werde euch begleiten. Wir werden gleich ein schönes Gespräch über Atom führen. Solltet Ihr oder eure beiden Wächter irgendwelche Anstalten machen, die anderen in irgendeiner Form zu warnen, dann..." Blue hatte einen größeren Stein in einer seine Hände genommen und zerbröselte ihn. "...ich denke, wir haben uns verstanden?" Die drei schluckten nickten. "Ach, noch etwas Tektus. Ihr solltet nicht versuchen, draußen Warnungen oder ähnliches zu geben. Überall auf der Insel sind meine Freunde verteilt... sie bekommen das mit. Für euch wird das eine...endgültige Konsequenz haben." Tektus schaute nur entgeistert. "Ihr habt wirklich an alles gedacht. Das muß ich euch lassen. Nur eines verstehe ich nicht. Ihr hättet mich einfach töten können. Das wäre mit weniger Gefahr für euch verbunden." sagte Tektus nachdenklich. "Sagen wir so Tektus, ich habe meine Gründe. Mehr werde ich dazu nicht sagen. Ihr solltet meine Geduld aber nicht auf die Probe stellen, Tektus. Sonst sehe ich mich geneigt euch doch noch "verschwinden" zu lassen" antwortete Blue ruhig, aber bestimmend.


    Tektus und seine beiden Leute führten Blues Anweisungen ohne Wiederstand aus und verabschiedeten sich von den Kindern, wobei der Großfanatiker wenig davon begeistert war und dem hohen Beichtvater aufgrund der Gesamtsituation davon abraten wollte. Daraufhin kassierte er von Tektus eine derart deutliche Ansage, dass man Atoms Entscheidungen nicht anzweifeln dürfte, dass Richter danach nur noch sehr kleinlaut äußerte. Dann verabschiedeten sich die drei und Tektus sagte noch wähend des Gehens "Habt Dank, Bruder Blue für euren...Rat." Sie liefen noch einen Moment auf der Straße und bogen dann ins Unterholz ab. Nick und Blue schauten ihnen noch eine Weile hinterher. Sie gingen wieder in den Nukleus und verbrachten dort noch einige Stunden zur Tarnung. Einige Zeit später brachen auch sie auf. Ihr nächstes Ziel war Eden Meadows und danach Acadia.

  • 149. Ein neuer Weg öffnet sich

    Als sie weit genug vom Nukleus entfernt waren, unterhielten Blue und Nick sich über die Ereignisse in der alten Kommandozentrale. "Ich glaube, du hast das Richtige getan, Großer. Es ist richtig gewesen ihm am Leben zu lassen" sagte Nick und klapste Blue von hinten einen auf den Rücken. "Ich hoffe, du behältst Recht. Er könnte immer noch genug Unheil stiften. Aber ich habe mich dazu entschlossen...Also muss ich auch mit den möglichen Konsequenzen leben." seufzte Blue. "Aber ich muss auch gestehen, dass ich auf den anderen Tektus gespannt bin. Aber bevor wir zu DiMa gehen, werde ich meine Verkleidung in Eden Meadows erst einmal ablegen und noch ein, zwei Sachen regeln." sagte Blue weiter. "Was meinst du, ob unsere Leute dich diesmal erkennen werden?" grinste Nick. "Ich wäre dafür, es einfach auszuprobieren. Ich muss gestehen, dass mir das manchmal fast schon ein wenig Vergnügen bereitet unsere Leute zu verwirren. Die Unternehmungen mit Deacon scheinen doch auf mich abzufärben." schmunzelte Blue. Sie liefen weiter und kamen bald in Eden Meadows an.


    Eine der Wachen stand auf der neu errichteten Umfassung und schaute aufmerksam auf die Straße, die aus dem Süden heraufkam und an Eden Meadows vorbeilief. In der Entfernung meinte die Wache eine leichte Bewegung wahrzunehmen und schaute durch das Fernglas. Dadurch erspähte dieser zwei Gestalten. Dann verließ sie den Posten und machte Meldung bei Whitefield. "Sir, möchte eine Meldung machen. Zurzeit sind zwei merkwürdige...Personen auf der Straße unterwegs." sagte diese leicht verunsichert. Whitefield runzelte die Stirn. "Also, ich habe Sie richtig verstanden? Sie melden mir ganze...zwei Leute. Sind sie schwer bewaffnet?" fragte Whitefield irritiert. "Nein. Das nicht. Wahrscheinlich. Sie haben mir angewiesen, Ihnen zu melden wenn irgendwelche abweichenden Dinge passieren. Möchten Sie selbst einmal schauen, Sir? Vielleicht können Sie die Situation ja eindeutiger, als ich beurteilen." sagte die Wache verunsichert. "Nun gut, ich werde mir diese Leute ansehen." sagte Whitefield, der sich fragte warum die Wache so verunsichert war.


    Er ging zusammen mit ihr auf den Wall und spähte durchs Fernglas. Dann setzte er es ab und schien zu überlegen. Nach einem Moment schaute er erneut hindurch und fing an zu schmunzeln. "Da brat mir doch einer ein Radkröte. Das ist...gut. Wirklich. Wäre Mr. Valentine nicht dabei...*leises Lachen*..." Whitefield hatte erkannt, wer da die Straße heraufgewandert kam. Die Wache verstand nicht, warum Ltd. Whitefield mit einem Mal anfing in ein leichtes Gelächter auszubrechen. "Ist bei Ihnen alles in Ordnung, Sir? Sind die beiden nun eine Gefahr oder nicht." Whitefield hörte auf zu grinsen und sah die Wache ernst an. "Wenn Sie auf der falschen Seite ständen würde ich sagen sogar eine sehr große, ja. Aber Sie sind auf der richtigen, also nein." Die Wache sah Whitefield immer noch fragend an. "Da ich Ihrem Blick entnehme, dass Sie mich nicht verstehen, werde ich Ihnen ein wenig auf die Sprünge helfen. Blau, etwa drei Meter groß, Ihr und mein Vorgesetzter und seine Freund, der Detektiv aus Diamond City. Klingelt es jetzt bei Ihnen?"


    Die Wache nickte und sagte dann "Entschuldigen Sie, Sir. Aber ich habe ihn wirklich nicht erkannt, in diesem...Aufzug. Mr. Valentine hatte ich mir fast gedacht. Wissen Sie warum...nun ja...er so merkwürdig gekleidet ist, Sir?" "Nicht ganz. Aber, wenn ich mir den Aufzug so ansehe und die Richtung in Betracht ziehe aus der die beiden kommen...Ich denke, der General war mal wieder auf Geheimmission unterwegs. Wahrscheinlich bei den Kindern des Atoms." sagte Whitefield nachdenklich. "Weiht er Sie denn nicht ein, wenn er solche gefährlichen Dinge macht. Ich dachte immer, Sie als Vorgesetzte wüßten so etwas?" fragte die Wache nach. "Manchmal ja, manchmal nein. Er hatte immer seine guten Gründe dafür. War am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig." Die beiden blieben auf den Wall stehen, bis Nick und Blue herangekommen waren.


    "Also nach Whitefields breitem Grinsen würde ich sagen, dass sie uns erkannt haben." sagte Nick. "Hmm, sieht so aus. Irgendwie schade...aber ich bin froh aus dem Fummel endlich rauszukommen." Beide gingen Richtung des Tors. Es öffnete sich langsam und Whitefield kam heraus. Er war in der Zeit, wo Blue und Nick sich unterhielten, vom Wall heruntergelaufen und hatte veranlasst, das das Tor von innen geöffnet wurde. "Hallo Mr. Valentine. Hallo, Sir. Gute Verkleidung, die Sie da tragen. Sehr kleidsam." Whitefield grinste leicht. "Aber nicht gut genug, um Sie an der Nase herumführen zu können, Whitefield." sagte Blue ebenfalls mit einem Schmunzeln. "Bei allem Respekt, Sir. Da sind Sie selbst schuld. Habe mich leider zu gut ausgebildet. Werde demnächst versuchen, nicht so genau hinzusehen. Aber wenn es Sie tröstet, die Wache haben Sie schon verwirrt. Schön Sie wieder wohlbehalten hier zu haben" sagte Whitefield.


    Nick und Blue gingen nach Eden Meadows hinein. In seinem Zelt legt Blue seine Verkleidung ab und zog sich seine anderen Sachen an. Nick war draußen und unterhielt sich mit Whitefield, als Blue wieder herauskam. Er rief die beiden zu sich und fragte Whitefield, ob noch irgendwas Besonderes in seiner Abwesenheit passiert war. Dieser verneinte. Blue gab daraufhin den Befehl, dass sich die Minutemen, die sich an strategischen Positionen befanden langsam zurückziehen konnten. Im weiteren Verlauf des Gespräches schilderte Blue, was hier auf der Insel längerfristig geplant war. Whitefield schlug von sich aus vor, dass er mit einer ganzen Anzahl von Minutemen hier bleiben würde, um zu schlichten. Sofern es die Lage erforderte. Blue war froh, dass Whitefield es freiwillig übernahm. Er hatte ein recht gutes Fingerspitzengefühl für Vermittlung. Nachdem diese und andere Dinge geklärt waren, machten sich Nick und Blue wieder auf dem Weg nach Acadia.


    Als die beiden Acadia betraten und Richtung DiMas Raum gingen, bekamen die beiden schon von weitem ein Gespräch mit. DiMa unterhielt sich mit jemand, dessen Stimme Blue sehr bekannt vorkam. Es war die Stimme von Tektus. Als sie näher kamen, erkannten sie, dass DiMa sich tatsächlich mit Tektus unterhielt. Dem anderen Tektus. DIeser bedankte sich gerade bei DiMa für die freundliche Aufnahme. Tektus war während einer Vision von Atom nach Acadia geführt worden. Nick und Blue sahen sich an und waren verblüfft, wie authentisch dieser Tektus war. Nur schien dieser tatsächlich nicht so extrem in seinen Einstellungen zu sein, wie der echte Tektus. DiMa und Tektus hatten bemerkt, dass Nick und Blue sich ihnen näherten. Beide, sowohl DiMa, also auch Tektus lächelten.


    Tektus sprach Blue als Erstes an. "Hallo, mein liebes KInd. Schön auch Euch hier zu sehen. Und es ist nicht schlimm, dass Ihr gerade eure Robe nicht tragt. Ihr seid gerade in anderer Mission unterwegs. Und doch auch im Sinne von Atom. DiMa hat mich gerade davon unterrichtet, dass ihr und eure Freunde mit dafür Sorgen werdet, dass Atoms neuer Wille umgesetzt wird. Frieden und Respekt für alle auf dieser Insel. Deshalb nehme ich eure Geheimniskrämerei auch nicht übel, lieber Bruder. Ihr seid auch weiterhin auch gerne im Nukleus gesehen. Nur würde ich euch bitten, dort eine angemessenere Kleidung zu tragen." Blue war für einen kurzen Moment sprachlos. DiMa hat wirklich an alles gedacht und schien selbst die Abmachung zwischen Ihnen dem neuen Tektus mitgegeben zu haben.


    Dann fand Blue die Worte wieder "Verzeiht hoher Beichtvater, dass ich euch..." "Mein liebes Kind, ihr braucht euch nicht zu entschuldigen. Ihr habt auch nach Atoms Willen gehandelt und die Kinder beschützt. Nur mit weiserer Voraussicht, als ich es tat, bevor ich von Atom eine neue Vision erfahren habe. Das habe ich jetzt erkannt." lächelte Tektus. DiMa beobachtete das Gespräch zwischen Blue und Tektus sehr aufmerksam. "Lieber DiMa, Bruder Blue und ein weiterer guter Freund, Mr. Valentine, ich werde jetzt zum Nukleus zurückkehren und den Kindern den neuen Willen des Atoms mitteilen und möchte mich von euch nun verabschieden." Dann ging Tektus Richtung Ausgang von Acadia und trat nach draußen und wanderte abseits der Wege unbehelligt zum Nukleus zurück.

  • Vielen Dank.:saint:

    Das gleiche Kompliment kann ich auch für deine Charaktergeschichten zurückgeben. :thumbup:


    150. Friedlicher Ausklang

    Nick und Blue gingen zu DiMa hin. Nick zog wieder die Tür hinter sich zu, so dass sie wieder ungestört sprechen konnten. DiMa sah Blue erwartungsvoll an und lächelte weiterhin. "Ich weiss bereits, dass ihr erfolgreich gewesen seid. Einer meiner Freunde hat von weitem beobachtet, wie ihr aus dem Nukleus mit Tektus gekommen seid und dieser dann mit seinen beiden Wachen abgezogen ist. Mein Freund ist ihnen vorsichtig gefolgt und hat gesehen, wie sie mit einem kleinen Boot Richtung Festland davon gefahren sind." sagte DiMa zufrieden und seufzte dann.


    "Ich hätte es zwar für sicherer befunden, den alten Tektus tatsächlich verschwinden zu lassen. Aber eigentlich sind schon zu viele wegen der ganzen Sache gestorben. Letztendlich zählt...das Ergebnis. Und vielleicht ist es auch gut, dass einige deiner Leute hier bleiben...wie du ja gerade im Gespräch mit Tektus bemerkt hast, ist er ihnen gegenüber wohlwollend eingestellt. Ich hoffe, ich konnte dir damit zeigen, dass du mir doch vertrauen kannst." bemerkte DiMa. "Das wird letztendlich die Zeit zeigen, ob das Vertrauen in dich gerechtfertigt ist. Es ist ein Schritt auf dem richtigen Weg..." antwortete Blue nachdenklich.


    Er sah DiMa für einen Moment lang durchdringend an, bevor er weiter redete "...für dich und deinen Traum eines friedlichen Zusammenlebens. Auch ich bin froh, dass es nun gelöst worden ist und wir einen Krieg zwischen den unterschiedlichen Gruppen verhindern konnten. Auch wenn ich eine andere "Art" der Lösung bei Tektus bevorzugt hätte, aber das ist nun der Kompromiss, den wir beiden eingegangen sind. DiMa, wenn später Probleme auftreten...bitte sprich mit Whitefield in Eden Meadows. Er wird dir mit Sicherheit helfen können...er ist auch sehr patent im Punkto Vermittlung. Ich werde nicht ewig ihr auf der Insel bleiben können. Leider. Ich werde noch woanders gebraucht." sagte Blue.


    "Danke Blue für deine Hilfe und dein Angebot. Ich denke, ich werde es mit Sicherheit auch gerne annehmen. Und ich werde dich nicht enttäuschen. Mein Freund. Du bist in Acadia immer willkommen. Es ist schade, dass du bald gehst. Aber auch im Commonwealth ist die Lage sicherlich schwierig und da hast auch mehr als genug Probleme zu lösen." DiMa merkte man die Dankbarkeit deutlich an. "Ja, das ist wohl so..." antwortete Blue. "Aber jetzt muss ich mich noch um ein, zwei Sachen kümmern. Zum einem um Kasumi, sie war ja der eigentliche Grund, warum ich hier gelandet bin. Zum anderen werde ich noch nach Far Harbor gehen, um mit Avery zu reden." DiMa und Blue redeten noch einen Moment weiter und Nick beteilligte sich ebenfalls am Gespräch.


    Eine ganze Zeit später gingen sie nach unten zu Kasumi und berichteten von der neuen Situation. Kasumi war erleichtert als sie die Nachrichten hörte. Blue und Nick sprachen mit Kasumi darüber, wie sie persönlich jetzt weiter machen wollte. Blue sprach ihr ruhig ins Gewissen. Kasumi kam für sich wirklich nicht überein, ob sie nun ein Synth war oder nicht. "In deinem Zuhause warten zwei Menschen, die dich vermissen und dich als ihre Tochter sehen. Es gibt in dieser Welt und zu dieser Zeit fast nichts Wichtigeres als ein Familie zu haben. Denke darüber nach, Kasumi. Selbst, wenn du ein Synth wärst, ändert das doch nichts an deinen derzeitigen Gefühlen für sie." sagte Blue ruhig. Kasumi überlegt lange, bevor sie etwas dazu sagte. Dann fasste sie für sich einen Entschluss. Sie würde mitkommen und zu ihrer Familie zurückkehren. Die Gefahr etwas unglaublich Wertvolles zu verlieren, war ihr zu groß. Was wäre, wenn sie im hinter hinein heraus finden würde, dass sich doch ein Mensch wäre. Dann hätte sie keine Familie mehr.


    Sie war dankbar für Blues ehrlich gemeinte Worte. Sie ging zu ihm hin, bedankte sich bei ihm und drückte ihn sogar einen ganzen Moment lang. "Ich... habe gerne geholfen, Kasumi." sagte Blue verlegen und lief im Gesicht ein wenig tiefblau an. Mit so einer herzlichen Reaktion von Kasumis Seite hatte er nicht gerechnet. Ein paar Stunden später, nachdem Kasumi alles zusammen gepackt und sich von den anderen verabschiedet hatte, brachen Nick, Blue, Curie und Kasumi Richtung Far Harbor auf.


    Die vier liefen durch die Reste der alten Stadt und näherten sich langsam dem Eingang von Far Harbor. Man konnte schon hier draußen hören, das in Far Harbor eifrig diskutiert wurde und zwischen durch konnte man Allen Lees Stimme vernehmen. Seine Argumente wurden aber nicht von den anderen wirklich angenommen. Nick und Blue traten als erste nach Far Harbor ein und Curie und Kasumi folgten ihnen.


    Avery und ein Großteil der Bewohner, darunter die Seefahrerin, Teddy und Cassie freuten sich sie zu sehen. "Du glaubst nicht, welche Neuigkeiten es gibt. Die Kinder des Atoms. Sie wollen versuchen mit uns zu Recht zukommen. Ich habe einen Nachricht von Tektus bekommen. Er wünscht ein besseres Verhältnis mit uns...er akzeptiert die Nebelfänger nun und zieht sich weitesgehend bis auf wenig heilige Stätten des Atoms in den Nukleus zurück..." sagte Avery freudig zu Blue. Allen Lee brummte unzufrieden. Dann schaute sie Blue an. "Ich gehe davon aus, dass du einen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen hast. Habe ich recht?" fragte Avery freudig. "Hmm, schon möglich. Kann schon sein" sagte Blue und lächelte kurz.


    Blue und Avery gingen in ihr Haus, während Nick wieder draußen blieb und sich mit der Seefahrerin und Teddy unterhielt. Blue berichtete Avery einige Dinge und wie es jetzt weiter ging. "Es ist gut, dass jemand hier mit aufpasst und tatsächlich auch von den Kindern akzeptiert wird. Ich kann das alles im Moment irgendwie noch nicht glauben." antwortete Avery. "Wie gesagt Tektus meint das ernst und wenn ihr Dispute habt...dann sind die Minutemen da, um zu helfen. Und ich habe meine Leute bezüglich Allen informiert. Sie werden auf ihn ein wachsames Auge haben." sagte Blue. Einige Zeit und etliche Dankesbekundungen später, gingen die drei runter zum Kai und auf das Schiff, mit dem sie hierhergekommen waren. Nachdem sie abgelegt hatten, steuerten sie Richtung Norden. Es ging zu Farm der Daltons.

  • 151. Heimwärts

    Der Seegang war ruhig, so dass sie relativ schnell mit dem Schiff die Farm der Daltons erreichten. Nick steuerte das Boot gekonnt neben die anderen. Einen kurzen Moment später sprang Blue an Land und vertäute das Boot. Anschließend gingen auch Nick, Curie und Kasumi an Land. Sie wollten gerade von Anlegekai Richtung Farm hinauf, als ihnen Ferrington entgegen kam. Er stutzte kurz, als er die vier sah und ging auf sie zu. Er grüßte alle höflich und wandte sich dann an Blue. "Darf ich neugierig sein und fragen, wie es bei Ihrer Mission gelaufen ist, Sir?" fragte Ferrington. "Dürfen Sie Ferrington. Ich würde den Umständen entsprechend gut. Die Situation auf der Insel ist jetzt zum größtenteils entschärft und zur Zufriedenheit für die unterschiedlichen Gruppen geregelt. Die meisten unserer Leute, die auf der Insel verteilt waren, sind auf dem Rückweg nach Eden Meadows." sagte Blue und er schien mit der jetzigen Situation zufrieden zu sein.

    "Das ist sehr gut, Sir. Glückwunsch. Das heißt, unsere Mission hier ist nun beendet, oder? Wie geht es nun weiter?" fragte Ferrington. "Nicht ganz Ferrington, ein Teil unserer Leute wird hier verbleiben und sicherstellen, dass der Frieden gewahrt bleibt. Sie werden als Vermittler fungieren. Ich habe mit den Anführern der unterschiedlichen Gruppen gesprochen und sie haben sich einverstanden erklärt. Der andere Teil wird mit uns ins Commonwealth zurückkehren und zwar schon in einigen Tagen..." erklärte Blue und erläuterte Ferrington den Rest.


    Etwa drei Tage später machten die Minutemen auf den Rückweg. Mit mehreren Schiffen fuhren sie die nächsten Tage gemeinsam zusammen und trennten sich erst kurz vor der Küste des Commonwealths auf. Nick, Blue und Kasumi fuhren mit dem geliehenen Boot der Nakanos zu der Stelle, wo sich das Zuhause von Kasumi befand. Longfellow, Mick und Caspar, die tatsächlich mit ins Commonwealth wollten, fuhren mit den Minutemen mit. Sie leisteten Flux, Ferrington, Curie und Grummpel Gesellschaft. Für diese Gruppe war der nächste Anlegepunkt die Burg. Dort hatte man in der Abwesenheit des Anführers der Minutemen eine kleine Kaianlage errichtet. Später, wenn Blue alles bei den Nakanos erledigt hatte, wollte man sich gemeinsam in der Burg treffen.


    Nick steuerte das Boot langsam in die Bucht, wo das Haus der Nakanos lag. Es dauerte auch nicht lange, dann kam bereits der Landungssteg in Sichtweite. Nick verringerte weiter die Geschwindigkeit des Bootes und kurze Zeit später waren sie dort angekommen. Kasumi hatte während der Überfahrt die ganze Zeit zwischen Nachdenken und Freunde geschwankt und jetzt kam noch Verunsicherung hinzu. Wie würden ihre Eltern nun reagieren? Die drei gingen zum Haus der Nakanos und Kasumi trat als erstes ein. Sie riefen nach ihren Eltern und diese waren heilfroh, sie gesund und munter wieder zusehen. Kasumi verschwieg ihren Eltern den wahren Grund, weswegen sie nach Far Harbor und Acadia gefahren war. Kenji und Rei waren Nick und Blue gegenüber sehr dankbar, dass sie sich auf die gefährliche Suche nach ihrer Tochter gemacht hatten.


    Blue und Nick wollten sich auch recht bald auf den Weg machen, aber Kenji bestand darauf, die beiden für den Rest des Tages zu einem gemeinsamen Gespräch und einem guten Essen einzuladen. Kenji wollte Blue und Nick eine Entlohnung in Form von Kronkorken geben, aber beide lehnten ab. Die beiden übernachteten noch bei Familie Nakano. Am nächsten Morgen verabschiedeten sich die beiden von den Nakanos und brachen Richtung Burg auf. Es war ein weiter Weg von den Nakanos zur Burg, so dass die beiden einen ganzen Tag brauchten, um dort anzukommen. Während der Reise hatten die beiden viel Zeit über die Geschehnisse auf der Insel zu sprechen. "Tja, Großer. Dann haben die Minutemen jetzt ziemlich weit im Norden nun auch Fuß gefasst. Meinst du, das geht auf Dauer gut?" fragte Nick. "Ich denke schon. Mit der besonderen Besetzung an zwei Stellen und Whitefields Verhandlungsgeschick, sollte das langfristig funktionieren. Außerdem haben wir durch die neue Funkanlage in Eden Meadows ständigen Kontakt mit ihnen. Bei Problemen können wir verhältnismäßig gut reagieren. Natürlich bleibt ein Restrisiko. Wir müssen abwarten." sagte Blue nachdenklich.


    "Ich bin gespannt, wie es jetzt hier im Commonwealth weiter geht. Preston und die anderen waren ja während unser Abwesenheit auch fleißig." sagte Nick. "Absolut hohe Priorität hat natürlich immer noch das Institut. Nach Acadia sogar noch mehr als vorher. Aber ich werde mich in nächster Zeit auch bei Danse und der Bruderschaft melden müssen. Das wird nach der langen Abwesenheit noch eine Menge Fragen nach sich ziehen und da werde ich mir noch was einfallen lassen müssen." seufzte Blue. "Ich kann ihnen ja schlecht die Wahrheit über Acadia erzählen. Das wäre für DiMa und die anderen fatal." Nick nickte zustimmend. "Dir wird mit Sicherheit was einfallen. Nachdem, was du auf der Insel hinbekommen hast, glaube ich fest daran." sagte Nick. Auf dem Weg in den Süden des Commonwealths passiert nichts Erwähenswertes und so kamen sie gegen Abend an der Burg an.

  • 152. Beratungsbedarf

    Winter, Ende des Jahres 2280, Bunker: ehem. Lassen Volcanic National Park - Silver Dragons


    Ältester Bardeen war mit den anderen in ihr Quartier im Bereich der Kluft zurückgekehrt. Bardeen hatte sich allein an einen der Tische gesetzt und war tief in seine Gedanken versunken. Gelehrte Abby sah Bardeen nachdenklich an. "Darf ich Sie etwas fragen, Ältester?" fragte Abby vorsichtig. Bardeen schaute auf und nickte. "Wie hoch schätzen Sie zurzeit die Wahrscheinlichkeit ein, dass man zusammen kommt?" Bardeen sah Abby eine ganze Zeitlang an, bevor er etwas sagte. "Ich weiß es nicht...Gelehrte. Ich muss das alles erst einmal alles sacken lassen. Grundsätzlich würde ich sagen, es wäre gut. Sinnvoll. Wie Darrington es schon anriet. Aber dieser Clearance und Konsorten, sie erinnern mich von ihrer Einstellung extrem an die Enklave...wenn diese Leute hier an die Macht kämen...dann hätten wir ein sehr großes Problem. Wir würden aufgrund unseres derzeitigen Zustandes nicht gut mit ihnen fertig werden. Wir sind sehr weit verstreut, in vielen Dingen teilweise uneins und im Moment durch die Dinge mit der NCR angeschlagen. Anderseits, wenn ich an Rothschild und den Kommandanten denke, könnte das wirklich eine gute Partnerschaft werden" seufzte Bardeen und Abby nickte und schaute sehr nachdenklich drein und seufzte ebenfalls.


    "Gelehrte, ich habe da auch ein Frage an Sie. Dieser Silver Dragon mit dieser...merkwürdigen Frisur und etwas zu kurz geraten...bei dem Sie waren, als wir hier ankamen...er sah aus, als würde er Sie ungern gehen lassen...Liege ich da richtig?" fragte Bardeen sehr dezent und leise nach. Abby wurde rot, ohne es eigentlich zu wollen. "Ältester...ich...weiss..." Abby fing an einen Moment, um die Worte zu ringen und hatte sich danach fast wieder im Griff. "...er heißt Tesla und wenn er zu uns gehören würde, würden ich ihn ebenfalls als Gelehrten bezeichnen. In der Zeit, die ich hier allein war, war er derjenige der mir neben dem Kommandten vieles erklärt hat...und...wir beide haben uns beide sehr schätzen gelernt...aber ich habe ihm auch zu verstehen geben das..." Abby hörte auf zu sprechen und schien zu überlegen, wie sie fortfahren sollte.


    Ältester Bardeen seufzte kurz. "Abby, Sie brauchen nichts weiter zu sagen. Ich kenne diesen Blick und die Gestik nur zu gut. Das macht die ganze Sache für mich nicht einfacher. Im Inneren empfinden Sie für ihn auch etwas, richtig?" Bardeen dachte wieder nach. "Ältester, Sie wissen, dass die Bruderschaft immer für mich an erster Stelle steht und dass ich deshalb meine persönlichen Gefühle zurückstellen werde..." rechtfertigte Abby sich. Bardeen sah Abby erneut nachdenklich an und schüttelte dann den Kopf. "Das wird nicht funktionieren, glauben Sie mir. Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung. Sie haben mein Einverständnis, was Tesla betrifft. Aber sollte ich mitbekommen, dass Sie deswegen die Bruderschaft in irgendeiner Form hintergehen oder in Gefahr bringen, dann werde ich Sie verbannen." sagte er ernst. Abby schaute Bardeen mit großen Augen an "Ich weiß nicht was ich sagen soll, Ältester. Danke und das wird nicht passieren." sagte Abby überrascht und verunsichert und doch gleichzeitig erleichtert.


    Während der Älteste sich mit Abby unterhalten hatte, war ein Silver Dragon zu dem Quartier der stählernen Bruderschaft in der Kluft gekommen. Er hatte den Rang eines Ltd. und auf dem Namensschild stand der Name Jenssen und wartete geduldig am Eingang des großen Raumes, in dem der Älteste gerade mit der Gelehrten das Gespräch führte. Als er merkte, dass das Gespräch abgeschlossen war, räusperte er sich und sprach den Ältesten höflich an. "Ältester Bardeen, darf ich Sie stören, oder ist es gerade unpassend?" "Ich habe gerade das Gespräch mit meiner Gelehrten beendet und habe gerade Zeit. Was kann ich für Sie tun Ltd.?" fragte Bardeen. "Ich soll Sie im Auftrag vom Kommandanten fragen, ob Sie die Möglichkeit sehen, sich mit ihm zu einem eher privat ausgelegten Gespräch abseits der Verhandlungen zu treffen. General Rothschild wäre ebenfalls dabei. Natürlich nur, wenn Sie Interesse haben." Der Älteste und die Gelehrte sahen sich zunächst ein wenig verwundert an. Jenssen ergänzte "Sie können Gelehrte Abby auch gerne mitnehmen, wenn Sie jemand der Ihren dabei haben möchten." Bardeen war neugierig geworden. Warum wollten die beiden ihn sprechen und dass ohne Absprache mit dem offiziellen Teil des Bunkers?


    Er sagte Jenssen zu, der darüber sehr erleichtert schien. Abby nahm er mit. Sie folgten Jenssen und es sollte in den Teil des Bunkers gehen, wo Bardeen bis jetzt, aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen noch keinen Zutritt hatte. Der Ltd. schien zu dem Teil des Bunkers zu gehören, der die Zugangsberechtigung zu den sensiblen Bereichen hatte. "Was meinen Sie, Gelehrte? Was könnten die beiden wollen? Sie kennen die beiden etwas besser als ich. Warum dieses Einzelgespräch. Ob sie versuchen wollen, mich unter Druck zu setzten?" flüsterte der Älteste leise zu Abby, als sie mit dem Aufzug auf dem Weg nach unten waren. "Ich bin mir nicht sicher, Ältester. Ich denke, Sie wollen Sie etwas besser kennenlernen und verstehen, ohne dass bestimmte Leute dazwischen funken." versuchte Abby einen Erklärungsansatz. "Sie meinen wahrscheinlich die Gruppe um Clearance?" fragte Bardeen nach.


    Abby nickte. "Ich denke, dem General und dem Kommandanten ist bereits klar, welche Gefahr von denen ausgeht. Die Silver Dragons haben auf der Gefängnisebene immer noch die Leute vom ersten Umsturzversuch inhaftiert und mein letzter Stand dazu ist, dass es da bald eine Entscheidung geben wird. Aufgrund der Gesetzgebung steht hier den meisten von Ihnen eine Verurteilung wegen Hochverrat bevor und damit der Tod durch Erschiessen. Der Kommandant hat sich bis jetzt aber davor geziert, die Verurteilung zur Vollendung zu bringen. Und das, obwohl er eines der Hauptziele war und bei der ganzen Sache schwer verletzt wurde. Und ich habe auch den Verdacht, dass Clearance mit diesen Leuten sympathisiert." flüsterte Abby zurück. Bardeen runzelte die Stirn. "Keine gute Situation für die Führungsebene. Ich verstehe nur nicht, dass der Kommandant da nicht ein Exempel statuiert." Abby nickte zustimmend. "Ich denke zwischen den Leuten gibt es eine Vorgeschichte, die wir nicht verstehen. Noch nicht." sagte Abby. Jenssen hatte das Gespräch der beiden mitbekommen, trotz dessen, das sie sehr leise gesprochen hatten. Aber er schwieg und dachte sich seinen Teil dazu.


    Sie waren in der der Ebene -5 angekommen und verliessen den Aufzug und folgtem einen langen Gang. Dabei passierten sie einige Sicherheitsperimeter und erreichten nach einiger Zeit eine Abzweigung. Jenssen bog links ab und folgten nun einem schmaleren Gang und stoppten vor einer von zwei Türen. Sie waren an ihrem Ziel angekommen. Und sie wurden bereits erwarten.

  • 153. Gefallener Falke

    Winter, Ende des Jahres 2280, Bunker: ehem. Lassen Volcanic National Park - Silver Dragons


    Ältester Bardeen und Gelehrte Abby traten durch die Tür in das Büro von Drake ein. John Rothschild empfing die beiden freundlich und bat sie in der kleinen Gesprächsecke Platz zu nehmen. Von Drake war noch nichts zu sehen. Er schien noch auf dem Weg zum Treffen zu sein. "Hallo John, schön Sie in so einer kleinen Gesprächsrunde wieder zu sehen" sagte Bardeen. "Ich bevorzuge dieses Format auch eher. Diese großen Versammlungen sind mir im Moment wirklich ein Graus. Insbesondere deshalb, weil dort bestimmte Leute sind, die ich in der derzeitigen Gesamtsituation bei uns als eher...kritisch empfinde, Jeremiah." seufzte John. "Verzeihen Sie John, dass ich mich eventuell mit dieser Frage in Ihre internen Belange einmische, aber diese Gruppe, die Ihnen zurzeit Ärger bereitet ...haben die etwas mit den Leuten zu tun, die hier für Chaos gesorgt haben, als meine Leute bei Ihnen...reingestolpert sind?" fragte Jeremiah neugierig.


    John sah Jeremiah einen Moment lang an und schien zu überlegen. "Sie sind sehr scharfsinnig, Jeremiah. Ich formuliere es mal so, wir vermuten es. Können es aber im Moment nicht beweisen. Das bereitet mir und dem Kommandanten Unbehagen. Aber das sollte jetzt nicht Ihre Sorgen sein. Wir beobachten die Situation im Moment sehr genau. Uns ist sehr bewußt, welche Gefahr von ihnen ausgehen könnte. Nur sind unsere Handlungsoptionen hier leider begrenzt" sagte John. Man merkte ihm deutlich die Unzufriedenheit betreffen der Situation an. Dann schaute John auf die Uhr, die auf Drakes Schreibtisch stand und runzelte die Stirn. "Merkwürdig. Er sollte eigentlich schon längst wieder hier sein..." murmelte John besorgt.


    Vor dem Eintreffen vom Ältesten und Abby. Aufgrund dessen, dass Jenssen noch einige Zeit benötigen würde, um bei John und ihm anzukommen, hatte Drake sich dazu entschlossen kurz auf die Ebene mit den Inhaftierten vom ersten Aufstands zu gehen. Jenssen hatte kurz per Sprechverbindung mitgeteilt, dass er mit Abby und dem Ältesten in etwa einer halben Stunde da sein würde. Auf der Gefängnisebene hatte es einen Zwischenfall gegeben. In einer Zelle hatten Gefangene nach einem heftigen Streit zwei Mithäftlinge umgebracht. Die Wachen trennte zwar die Gruppe, aber durch eine hohe Gewaltbereitschaft gegenüber den Wachen war es für sie selbst nicht ungefährlich. Der wachhabende Offizier schilderte Drake die derzeitige Situation und der hörte besorgt zu. Irgendjemand hetzte die Leute untereinander auf und dadurch wuchs die Gefahr einer Gefängnisrevolte. Die Untersuchungen zum Umsturzversuch waren noch nicht zu Gänze abgeschlossen. Man wartete noch auf den letzten Bericht. Daher hatte man die Urteile noch nicht vollstreckt.


    Drake hatte einen Verdacht, wer da seine Finger im Spiel hatte. Mit zwei Wachen suchte er die Einzelzelle von Hawk auf, die sich am Ende eines langen Gefängnisganges befand. Während er den Gang entlang lief, sah er in den großen Zellen viele bekannte Gesichter wieder. Viele meist hassverzerrt und böswillig, einige nachdenklich und noch weniger flehend. Der Verrat der Gruppe um McGuiness und Hawk hatte viele Leute im Bunker tief getroffen. Drake ebenfalls . Mit einigen von Ihnen war er mehrere Jahrzehnte befreundet gewesen und hatte es am Anfang kaum glauben können. Er hatte zwar schon viel in seinem Leben erlebt, aber mit so etwas hatte selbst er nicht gerechnet. McGuiness und Hawk hatten es tatsächlich geschafft einige Leute so zu vereinnahmen, dass man sie am Ende kaum wieder erkannte. Einige der Gefangenen machten eindeutige Bewegung in Richtung Hals, als Drake mit den beiden Wachen an ihnen vorbei lief. Sie hatten nichts mehr zu verlieren.


    Einen Moment später kamen sie an Hawks Einzelzelle. Er war bereits ans Gitter getreten, als er Drake zu ihm hinlaufen sah. "Ach schau an, wer uns da besuchen kommt. Du siehst ja wieder fit aus. Leider. Aber wie du ja McGuiness damals schon gesagt hast, ein guter Schütze war er nicht. Aber gute Leute zu bekommen war ja schon immer schwierig. Nun ja, dann muss ich jawohl deine selbstgefällige Visage noch ein Weile ertragen." sagte Hawk mit beissenden Sarkasmus. "Ich weiss, warum du hier bist. Und ja, bevor du fragst, ich hatte ein wenig Langweile und einige dieser Tölpel sind hier so leicht zu beeinflussen..." flüsterte Hawk mit einem böswilligen Grinsen um die Mundpartie. Drake sah Hawk einen Moment lang an und die beiden Blicke kreuzten sich. Dann wandte sich Hawk ab. "Ich verstehe immer noch nicht, was in dich gefahren ist, Hawk. Sind dir die ganzen Leute hier egal? Sind sie deine Bauernopfer? Und wofür? Du weißt genau, dass ich auf den Posten nicht scharf war, wenn es das war." sagte Drake gereizt.


    Hawk schüttelte den Kopf und lachte bitter. "Das ist wieder typisch für dich, Daniel Warren. Du bist so ein Gutmensch, dass ich k(zensiert) könnte. Da geht die Welt unter und man hat alle Optionen offen für einen Neuanfang. Und was machst du? Immer noch nach den alten Werten handeln. Moral und Anstand. In dieser Welt? Dass ich nicht lache...Diese Welt da draußen bräuchte eine harte Hand...und wir hätten hier die Möglichkeiten...Du bist ein Idiot, wenn du glaubst das solche Werte noch was taugen. Da hätte ich bei deiner Erfahrung mehr erwartet." Drake hatte bis jetzt geschwiegen und die Hasstriaden von Hawk ertragen.


    "Weißt du was Hawk. Genau diese Art von überheblicher, Großkotzigkeit von uns Amerikanern, die ich aus deinem Mund höre, hat dazu geführt, dass die gesamte Welt da draußen letztendlich den Bach runter gegangen ist. Und du wolltest genau so weiter machen? Wieder ohne Rücksicht auf Verluste? Also deshalb das Ganze." Diesmal schüttelte Drake den Kopf. "Du stehst auf deinem Standpunkt und ich auf meinem. Was ich akzeptiere. Mir tut es nur um die vielen Leute leid, die ihr damit reingezogen habt. Im Endeffekt hast du sie auf dem Gewissen. Du weißt, dass wir das Urteil bald ausführen werden und müssen..." sagte Drake immer noch ruhig. Hawk lachte wieder kurz gehässig auf.


    "Das ist dann so, unser Plan ist schief gegangen. Aber wenigstens konnten wir einige aus dem Weg räumen. Schade ist nur, dass du nicht mit draufgegangen bist. Das hätte mir ein wenig Genugtuung gegeben. Und soll ich dir was sagen, wenn ich hier rauskäme, würde ich es wieder versuchen..." sagte Hawk böse und trat vom Gitter zurück und setzte sich auf seine Gefängnisbett. "Du solltest gehen...soweit ich informiert bin, hast du ja noch wichtige Gespräche zu führen...mit diesen Leuten aus Lost Hill. Außerdem habe ich keine Lust mehr mit einem alten idealistischen Narren zu sprechen." sagte Hawk giftig und schwieg. Drake war für einen kurzen Moment im Inneren hingerissen, Hawk eigenhändig zu erschießen. Er war gleichzeitig wütend und bestürzt, dass sein alter Freud so kalt über den Tod und das Verderben hinwegging, welches sie gesät hatten.


    Drake kehrt zum Eingang des Gefängnisbereichs zurück. Eine Sache beunruhigte ihn zutiefst. Hawk war sehr gut über die Vorgänge im Bunker informiert. Zu gut. Das hatte ihm schon der wachhabende Offizier mitgeteilt und auch im Gespräch hatte er das feststellen müssen. "Wir müssen irgendwo einen Maulwurf haben. Das gefällt mir gar nicht. Wer weiß. was Hawk damit wieder anrichtet." dachte Drake in sich hinein. Er schaute auf den Pipboy nach der Uhrzeit und stellte fest, dass die Zeit wieder überschritten war, die er eingeplant hatte. Er ärgerte sich kurz und beeilte sich zum Aufzug zu gehen. Dann verliess er die Gefängnissebene und fuhr nach oben.


    Er war gerade aus dem Aufzug getreten, als ihm zwei Personen entgegenkamen. Es war ein Mann und eine Frau. Sie gehörten zur Untersuchungskommission. Die Frau trug einen relativ dicken Berichtshefter und überreichten ihn Drake. "Wir haben die Untersuchung abgeschlossen. Der Verdacht hat sich bekräftigt. Leider. Und wir haben gerade noch jemand weiteres festnehmen lassen. Einer der Wachen von unten steckte noch damit drin. Er hat auch bereits gestanden." erklärte sie knapp. "Danke und gute Arbeit. Das ist für alle im Bunker wichtig." bedankte sich Drake kurz. "Nicht dafür. Wir haben nur unsere Pflicht getan, Sir." Dann verabschiedeten sich die beiden. Drake ging schnellen Schrittes Richtung Büro, in dem sein Besuch schon wartete.

  • 154. Gefahrenanalyse

    Winter, Ende des Jahres 2280, Bunker: ehem. Lassen Volcanic National Park - Silver Dragons


    Drake blieb vor seiner Tür stehen, schaute kurz auf den Berichtshefter und seufzte. Im Endeffekt wußte er bereits, was dort drinnen stand. Er würde danach handeln. Es gab nur diese eine Option für den Verrat. Eine Verbannung dieser Leute in das Ödland kam nicht in Frage. In der Sache waren sich die unterschiedlichen Entscheidungsebenen im Bunker ausnahmsweise einig. Die Gefahr war einfach zu groß, dass sie mit dem Wissen, was sie hatten, im Ödland großes Unheil anrichten könnten. Anderseits war allen im Bunker klar, dass durch die Ausführung des Urteils ebenfalls eine Menge Wissen verloren ging. "Es nützt alles nichts" dachte Drake bei sich "wir haben auch eine Verantwortung der Leute gegenüber, die da draußen ums tägliche Überleben kämpfen. Immerhin war es unsere Generation, die ihn diese Welt beschert hat. Und wir...ich kann das einfach nicht verantworten die Verräter aus dem Bunker zu verbannen...Hawk und die anderen wußten, welche Konsequenzen bei so etwas droht..." grübelte Drake kurz.


    Dann drückte der die Tür auf und stieß fast mit John zusammen. Dieser war just in diesem Moment aufgestanden und wollte nach Drake schauen. "Ach, da sind Sie ja, Drake" sagte John erleichtert. "Ich hatte kurzfristig noch etwas zu... erledigen. Das hat leider etwas länger gedauert, als ich geplant hatte." sagte Drake zu John. Dann dreht er sich kurz zum Ältesten und Abby hin. "Es tut mir leid, dass Sie warten mussten, Ältester" entschuldigte sich Drake und ging dabei zu seinem Schreibtisch, um den Berichtshefter dort abzulegen. "Kein Problem. Wir haben ja auch noch so nicht lange auf Sie gewartet. So wie es aussieht haben, Sie auch viel im Moment zu tun" sagte Bardeen verständnisvoll und deutete mit dem Kopf auf den Berichtshefter. "Ich kenne solche Phasen nur zu gut, da kommt man mit einer geordneten Planung nicht immer hin."


    Drake schaute Bardeen einen kurzen Moment nachdenklich an und schien über irgendetwas nachzudenken. "Ja, das kann man so sagen...das ist der Bericht zu den Unruhen. Die bei uns ausbrachen...nachdem Ihre Leute uns...nun ja...wie soll ich sagen...entdeckt hatten. Ich muss dazu in nächster Zeit eine...Entscheidung treffen" erläuterte Drake. John Rothschild runzelte kurz die Stirn. Er wunderte sich darüber, dass Drake das Thema so offen gegenüber dem Ältesten erwähnte. Drake war das Stirnrunzeln von John nicht verborgen geblieben.

    "Ich verstehe...das erklärt Ihre derzeitige Verfahrensweise dazu...Abby hatte mich über bestimmte Vorgänge schon in Kenntnis gesetzt ...mich wundert es nur...das Sie das uns gegenüber so offen...erwähnen. Es sind ja eigentlich Interna " sagte Bardeen. "Ältester Bardeen, ich stehe auf dem Standpunkt, dass man sich ein gewisses Vertrauen entgegen bringen sollte, als mögliche Verbündete. Auch hinsichtlich "gewisser" zukünftiger Entwicklungen" sagte Drake. Bardeen stutze für einen Moment bei der letzten Aussage, dann wußte er was Drake damit meinte. "Der Kommandanten ist eine sehr vorauschauende Person. Es ist eine versteckte Warnung an mich, falls bestimmte Kräfte hier doch noch die Oberhand bekommen. Jetzt verstehe ich auch so langsam, warum Abby ihm gegenüber auch so eine hohe Achtung hat. Interessant. Er wird mir langsam wirklich sympathisch" dachte Bardeen in sich hinein.


    Drake setzte sich zu den dreien und sie führten ein langes Gespräch über viele unterschiedliche Dinge, die die Bruderschaft und die Silver Dragons betrafen. Abby hatte rechtgehabt. Die beiden wollten den Ältesten außerhalb der offiziellen Beratung besser kennen lernen und verstehen, umgekehrt war es genauso. Insbesondere schienen Bardeen und Drake sich auf bestimmten Gebieten sehr gut zu verstehen und redeten extrem lange darüber. Das Gespräch war so gesehen für beide Seiten ein voller Erfolg. Am Ende verabredete man sich zu weiteren Treffen, neben den offiziellen. "Danke Jeremiah, das wir uns mal in Ruhe unterhalten konnten. Ich hoffe, beim nächsten Mal können wir bestimmte Dinge noch weiter diskutieren." sagte Drake ausgeglichen. "Ich danke ebenfalls, Drake. Das war eine gute Idee. Nun verstehe ich gewisse Handlungen besser. Wir sehen uns." sagte Jeremiah und verabschiedete sich. Jenssen war bereits da und brachte die beiden zurück in ihr Quartier.


    John und Drake führten danach ein vier Augen-Gespräch miteinander. "War das nicht zu riskant unsere Probleme nach außen zu tragen" fragte John nachdenklich. Drake schüttelte den Kopf. "Ich bin mir der Gefahr solcher Dinge bewußt, John. Aber ich denke, ein guter Draht zu Bruderschaft kann hilfreich für uns sein. Für alle Fälle. Aber wir sollten uns nicht allein auf einen Verbündeten festlegen. Zu mindstens im Moment noch nicht. Wir müssen auch Informationen über die anderen Fraktionen im Ödland in Erfahrung bringen, bevor wir uns letztendlich entscheiden. Ich persönlich bin der Bruderschaft mittlerweile nicht mehr ganz so abgeneigt. Ein großer Knackpunkt bleibt weiterhin deren spezielle Ansicht von Technologie und dem Umgang damit. Ich bin da aber guter Dinge, dass wir mit Ihnen auf einen Konsens kommen könnten" sagte Drake nachdenklich. "Okay. Das wird wohl letztendlich ein längerer Prozess der Annäherung für uns bedeuten. Wenn ich dich richtig verstehe, Drake?" fragte John.


    Drake bestätigte Johns Frage. "Aber etwas anderes. Du warst unten bei den Verrätern. Was war los?" fragte John besorgt und gleichzeitig neugierig. "Zwei Tote durch Aufhetzen" sagte Drake knapp und starrte finster vor sich hin. "Lass mich raten. Hawk?" Drake nickte kurz. "Das war zu befürchten. Dieser verdammte *zensiert*. Hat er denn nicht schon genug Schaden angerichtet?" sagte John wütend. "Nein, hat er nicht. Und er wird solange weiter machen, bis eine Seite das Zeitliche segnet. Ich habe mich mit ihm unterhalten, John. Und was er gesagt hat, möchte ich nicht wiederholen...du würdest ihn dafür im Zorn wahrscheinlich direkt erschießen...und ich befürchte das Ganze ist noch nicht ganz ausgestanden. Er weiß zu gut über die derzeitigen Zustände Bescheid. Wir haben irgendwo noch weitere Verräter sitzen. Ich muss aufpassen, dass ich nicht doch noch einen Dolch zwischen die Rippen bekomme...um es mal bildlich zu sagen." sagte Drake ruhig. "Sollte das wirklich passieren, Drake, dann werde ich diese B*zensiert* gnadenlos dafür büssen lassen. Das schwöre ich dir auf die Hand. Ich verstehe nicht, wie du bei solch einer Gefahr so ruhig bleiben kannst..." sagte John weiterhin wütend. Drake schüttelte den Kopf und seufzte "Es ist nachvollziehbar, dass du so denkst. Aber Hawk hätte dich dann genau da, wo er dich haben wollte." Drake stand an seinem Schreibtisch, hatte beide Hände auf ihm abgestützt, den Oberkörper nach vorne gebeugt und sah John sehr ernst an.


    "Unterschätze diesen Mistkerl bloß nicht. Der beherrscht sein Handwerk immer noch sehr gut. Was wir jetzt nicht gebrauchen können, ist ein Märtyrer. Oder das wir anfangen entgegen unser Gesetze zu agieren. Was meinst wohl, warum ich die Hinrichtung noch nicht...angeordnet habe. Auch wenn es in der derzeitigen Situation seltsam erscheint. Diese Orientierung an unseren alten Werten hilft im Moment alles noch zusammen zu halten und unseren Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich bin kein Stein, John. Wenn ich meinen derzeitigen Gefühlen freien Lauf würde...glaube mir...das würde nicht gut enden. Wir müssen hier an die Zukunft der Leute denken. Und noch was John. Ich habe die Befürchtung, dass da draußen noch unser alter Erzfeind wartet. Kannst du dich an die Erzählung über die Bruderschaft von Jeremiah an einer Stelle erinnern?" sagte Drake. "Die mit dieser Gruppe, die sich Enklave nennt? Meinst du, das sind ein und dieselben?" fragte John. "Ich befürchte ja. Dafür spricht das Verhalten, was sie an den Tag gelegt haben. Wir müssen in doppelter Hinsicht wachsam sein" ergänzte Drake.


    Das Gespräch von zwischen Drake und John ging noch eine ganze Zeit so weiter. Einige Zeit später verabschiedete sich John von Drake. Er hatte selbst noch einiges zu erledigen. Drake setzte sich an seinen Schreibtisch und setzte sich mit dem Inhalt des Berichtshefters auseinander. Die Dinge, die darin standen, waren schlimm, aber noch nicht so tiefgreifend, wie er es ursprünglich angenommen hatte. Nachdem er ihn durch gearbeitet hatte, find er an seinen Bericht dazu mit der Schreibmaschine zu schreiben. Dieser sollte später an den Ältestenrat und die Versammlung gegeben werden und zur Urteilsvollstreckung führen. Drake fragte sich insgeheim, wie die Reaktionen darauf aussehen und ob die versteckten Sympathisanten in Erscheinung treten würden. Nachdem er mit dem Schreiben fertig war, ließ er Hanks kommen. Er bat ihn darum die Berichte an betreffende Stelle weiterzureichen. Dieser kümmerte sich umgehend darum.

  • 155. Ein letzter Versuch

    Winter, Ende des Jahres 2280, Bunker: ehem. Lassen Volcanic National Park - Silver Dragons


    Einige Tage später. Nachdem der Bericht an betreffenden Stellen abgegeben wurde. Wie immer in letzter Zeit, gab es von einigen im Ältestenrat und in der Versammlung etwas auszusetzten. Diese teils grundlose Kritik war merklich mehr geworden, seit dem kurzen Ausraster von Drakes Seite während der Verhandlung mit der Bruderschaft. Er wurde sowohl zum Ältestenrat, als auch zur Versammlung zitiert und mußte Rede und Antwort stehen. Im Ältestenrat wurden ihm von einigen Wenigen Fehler betreffend der Untersuchung unterstellt. Er hätte die Untersuchung zu schnell und schlampig durchführen lassen. Diese Vorwürfe waren teilweise so an den Haaren herbei gezogen, dass Peabody einschreiten mußte. Trotz dessen, dass Drake die Vorwürfe gegen ihn zum größten Teil entkräften konnte. Peabody konnte nur mit dem Kopf schütteln, ebenso wie Dreiviertel des Ältestenrats.


    In der Versammlung lief es ähnlich ab. Hier wurde ihm das Gegenteil vorgeworfen. Er würde zu lange warten und diese Verräter hätten schon lange verurteilt werden sollen. Insbesondere Clearance und sein näheres Umfeld schossen dabei massiv gegen Drake. Aber ähnlich wie im Ältestenrat auch, waren die meisten nicht der Meinung von Clearance, so dass auch hier der Widerstand gegen Drake scheiterte. Er selbst hingegen blieb in beiden Gremien äußerlich sehr ruhig und sachlich. Er hatte sich geschworen, sich von bestimmten Leuten nicht mehr reizen zu lassen. Zu groß war die Gefahr, dass er seinen Gegnern eine weitere Angriffsmöglichkeit bot. Es wurde mehr als deutlich, dass man durch diese Aktionen versuchte, seinem guten Ruf bei der Bunkerbevölkerung zu schädigen. Bis zu diesem Zeitpunkt war den anderen und Drake nicht klar, dass die Aktionen zu einem perfiden Plan gehörte. Dieser war im Verborgenen geschmiedet worden und sollte in nächster Zeit zur Ausführung gebracht werden. Nur der pure Zufall verhinderte Schlimmeres.


    George Cornally, der Sicherheitschef war von seinem Rundgang zurück und wollte eine kurze Pause machen. Er hatte sich gerade auf seinen Stuhl in seinem Raum gesetzt, als es an der Tür klopfte. Ohne zu warten trat derjenigen ein. Es war einer seiner Leute. Er hieß Twibs. Dieser schaute sich nervös nach hinten um und schloss die Tür hinter sich und schnaufte kurz. George wollte gerade etwas sagen, als er den Ausdruck in den Augen sah. Irgendetwas zwischen purer Angst, Erschrockenheit und Wut. "Entschuldigung Captain Cornally, Sir, dass ich hier so reinplatze, aber ich habe etwas zu berichten...*kurzes unsicheres Umsehen*...Sie sind doch allein hier, oder?" fragte Twibs sichtlich angespannt. "Ja, ich bin allein, aber was ist..." Twibs ließ Cornally gar nicht aussprechen "...niemand kann hier drinnen mithören?" fragte Twibs nervös.


    "Nein, hier drinnen kann niemand mitlauschen. Aber hätten Sie mal die Güte..." fragte Cornally deutlich irritiert. Es war offensichtlich, dass sein Gegenüber Angst hatte. Auch dieses Mal ließ Twibs Cornally nicht ausreden. "...Sir, was ich Ihnen jetzt erzähle...bitte Sie müssen mir glauben...Himmel...Sch (zensiert)..." Twibs versuchte die Fassung wiederzufinden. Cornally runzelte die Stirn. Er hatte Twibs so noch nie erlebt. Was es auch war, es schien ihn zutiefst aufzuwühlen. "Beruhigen Sie sich, Twibs. Setzen Sie sich. Und hier ein Schluck Wasser. Sie benehmen sich, als wäre der Leibhaftige hinter Ihnen her." sagte George langsam besorgt. Er hielt Twibs das Glas hin und der nahm es dankbar an. Mit einem Zug leerte er es. "Danke, Sir. Es tut mir leid, dass ich so durch den Wind bin. Aber ich habe etwas mitbekommen...wir sind... wir haben...man plant etwas Schlimmes , Sir. Durch Zufall habe ich ein Gespräch unserer eigenen Leute mitbekommen...ich konnte es erst nicht glauben...aber..." Twibs erzählte Cornally, was er herausgefunden hatte.


    Jetzt verstand Cornally, warum Twibs sich so merkwürdig verhalten hatte. "Ich...ich wußte nicht mehr, wem ich trauen konnte...deshalb bin ich direkt zu Ihnen gekommen." sagte Twibs verunsichert. "Sie glauben mir doch, Sir? Bitte, Sie müssen mir glauben..." sagte er fast flehend. "Alles Gut Twibs, ich glaube Ihnen. Wir müssen jetzt nur genau überlegen, wie wir weiter vorgehen. Haben die mitbekommen, dass Sie sie belauscht haben?" sagte Cornally und versuchte Twibs dabei zu beruhigen. "Nein, ich glaube nicht. Kann das aber nicht mit Genauigkeit sagen." sagte Twibs nachdenklich. "Das ist wirklich äußerst übel. Ich weiss selbst im Moment nicht, wem ich von meinen übrigen Leuten trauen kann. Ich werde Sie nach unten schaffen, ins HQ. Da sind Sie erstmal sicher. Hoffe ich. Nur muss ich mir einen guten Grund überlegen. Die beobachten bestimmt jeden unserer Schritte. Die dürfen bloß keinen Verdacht schöpfen...hm..." Cornally überlegte einen Moment. Es schien ihm etwas einzufallen.


    Er redete mit Twibs sehr leise und erklärte ihm, was er vorhatte. Der nickte. Dann wurde Cornally mit einem Mal sehr laut "Sagen Sie mal Twibs, habe ich Sie richtig verstanden? Sie spinnen doch wohl. Sie können doch keine Zivilsten in die unteren Ebenen bringen, ohne dass mit mir abzusprechen. Meinen Sie, wir haben unsere Sicherheitsauflagen aus Spass an der Freude, Sie Hornochse" sagte Cornally im gespielten Zorn und öffnete dabei die Tür. So bekam draußen im Checkpoint jeder mit, dass Cornally Twibs wegen eines Dienstvergehens zusammen faltete. "Herzlichen Glückwunsch Twibs, zu so viel Dummheit. Sie wissen, dass Sie das ihren Posten hier inklusiv der Zugänge kostet. Aber das dürfen Sie gerne gleich General Rothschild erklären. Der wird mit Sicherheit absolut "begeistert" sein. Mitkommen." sagte Cornally weiterhin sehr sauer. Es war immer noch gespielt. Twibs trottete hinter Cornally her zum Fahrstuhl. Während die beiden Richtung Fahrstuhl gingen und Cornally Twibs weiterhin lautstark maßregelte, kamen drei weitere Wachen aus einem der Seitengänge und schauten sich die Maßregelung von Cpt. Cornally scheinbar mit Vergnügen an und grinsten Twibs blöd an.


    Cornally und Twibs verschwanden im Fahrstuhl und fuhren nach unten. "Das waren die Drei" sagte Twibs zu Cornally während sie unter sich im Fahrstuhl waren. "Gut. Danke für den Hinweis. Dann weiß ich schon mal, dass die zum Kreis der Verschwörer gehören. Ich hoffe, ich habe Sie nicht zu hart beschimpft. Aber dass mußte authentisch wirken." sagte Cornally und ließ sich mit dem Rücken gegen die Fahrstuhlwand sinken. "Alles gut, Sir. Sie dürfen mich gerne nach Strich und Faden beschimpfen. Wichtig war mir nur, dass Sie mir geglaubt haben. Und ich dachte es, wäre alles damit vorbei gewesen, dass wir die Verräter nach dem ersten Mal weggesperrt haben. Das alles wieder zu Ruhe kommt. Meinen Sie, dass es vom Kommandanten doch ein Fehler war, so vorzugehen? " seufzte Twibs.


    Cornally sah ihn nachdenklich an. "Nein, ich denke es war kein Fehler, die Sache an sich so zu regeln. Er wollte nur sicher gehen, dass wir erstens allen habhaft werden, die daran beteiligt waren und zweitens dass nicht noch mehr Unschuldige mit reingezogen werden. Aber was unser Fehler war, dass wir unseren Gegner scheinbar trotz aller Vorsicht doch noch unterschätzt haben. Vor allem seinen Einfluss auf die Leute. Das haben bestimmte "Entscheidungsprozesse" auch noch begünstigt." sagte Cornally nachdenklich. "Haben Sie schon einen Verdacht, wer dahinter stecken könnte, Sir?" fragte Twibs nach. Cornally lachte kurz bitter auf. "Nicht nur einen Verdacht, ich bin mir sogar ziemlich sicher. Diese Art und Weise...die Handschrift kenne ich nur zugut. Hawk." Twibs guckte Cornally mit großen Augen an. "Aber wie, warum...der sitzt doch...der könnte doch gar nicht." "Doch er kann. Er hatte einige Anhänger hier und war lange im Ältestenrat. Und er konnte viele Leute um den Finger wickeln mit seiner Art. Bevor er gefallen ist." sagte Cornally. Beide schwiegen einen Moment. Der Aufzug war da. Sie stiegen aus. Es braute sich eine gefährliche Mischung im Bunker zusammen, die es jetzt zu entschärfen galt.

  • 156. Gegenplan

    Winter, Ende des Jahres 2280, Bunker: ehem. Lassen Volcanic National Park - Silver Dragons


    Cornally und Twibs liefen die Gänge entlang bis sie das Büro von John Rothschild erreichten. Dann klopfte Cornally und trat ein ohne abzuwarten. John schaute irritiert vom Schreibtisch auf, sagte aber zunächst nichts. Wenn sein Freund George so reinplatzte, hatte das meist einen guten Grund. "Was ist los, alter Freund? Du siehst sehr besorgt aus." fragte John ruhig. "Besorgt ist gar kein Ausdruck. Wir haben ein großes Problem. Aber am besten erzählt dir das einer meiner Männer" sagte George und drehte sich zu Twibs hin. "Würden Sie bitte dem General erzählen, was Sie mir erzählt haben." Er nickte und erzählte was er mitbekommen hatte. John hörte sehr aufmerksam zu. Nach einer Zeit verfinsterte sich der Blick von John und er legte die Hand auf seine Stirn. Dann war Twibs fertig.


    John brauchte einen Moment, um das Gesagte zu verdauen. "Das ist...besorgniserregend. Und mehr konnten Sie nicht in Erfahrung bringen, wie sie es genau durchführen wollen?" fragte John geschockt bei Twibs nach. "Leider nicht, Sir. Wäre ich auch nur einem Moment länger geblieben, hätten sie mich entdeckt...und vermutlich hätten sie mich..."Twibs machte eine Bewegung mit der Hand in Höhe des Halses "...dann direkt kaltgemacht. Ich hätte Sie alle nicht warnen können..." sagte Twibs unsicher. "Alles gut. Das war schon alles richtig so. Sie werden erstmal hier unten bleiben. Bei mir. Wir müssen nur überlegen, wie wir jetzt vorgehen. Dieser ganze Vorgang hängt bestimmt mit der drohenden Urteilsvollstreckung übermorgen zusammen. Oder was meinst du, George?" Der nickte. "Das und Rache. Rache an dir und vor allem Drake. Der Plan ist gut durchdacht. Typisch für Hawk. Erst Verwirrung sähen und schnelle Handlungsfähigkeit unterbinden, indem man euch beiden aus dem Weg schaffen lässt und gleichzeitig in der Gefängnisebene einen Aufstand mit Ausbruch lostritt, dazu wahrscheinlich in den politischen Gremien wieder einige Leute plaztiert, die nach einem bestimmten Plan agieren." sagte George nachdenklich.


    "Und dieses Aas weiß genau, dass uns in bestimmten Dingen die Hände gebunden sind" sagte John zornig und schlug mit der Faust auf den Tisch. "Verdammter Mist. Wir können doch nicht einfach die Hälfte unserer eigenen Leute nur auf Verdacht einsperren. Da sähe dann von unserer Seite aus, als würden wir hier einen Staatsstreich einleiten wollen. Dieser Mist (zensiert). Ich würde ihm am liebsten eigenhändig erwürgen..." John war im Moment ratlos, wie diese Situation gelöst werden konnte. "Beruhig dich John, wir müssen jetzt einen klaren Kopf behalten..." sagte George und wurde von John unterbrochen "Das sagst du so einfach, du stehst ja nicht auf der Abschlussliste. Ich..." "Glaubst du wirklich, dass die nur euch beiden umbringen. Ich stehe als Sicherheitschef mit Sicherheit auch in deren Fokus. Ich bin zu loyal und außerdem sind wir zu gut befreundet..." sagte George angespannt. "Da werden noch einige mehr drauf gehen. Hawk macht da keine halben Sachen. Das wird ein regelrechtes Blutbad geben." seufzte George und ergänzte "Wir müssen jetzt erstmal Drake informieren. Wir dürfen keine Zeit verlieren. Die Uhr tickt gegen uns. Es bleibt nicht mehr viel Raum, einen Gegenplan zu entwerfen."


    Die drei machten sich auf dem Weg zu Drake. Der kam gerade auf seinem privaten Bereich nach vorn und runzelte die Stirn, als alle drei ohne Anzuklopfen bei ihm eintraten. George ging vorweg, dann folgte John und Twibs. "Drake, wir müssen reden und zwar sofort. Es ist Gefahr im Verzug." Der nickte und sie setzten sich in die Gesprächsecke. Sie setzten ihn davon in Kenntnis, was Twibs in Erfahrung gebracht hatte. "Ich hätte es ahnen müssen. Er war zu schnell fertig damit. Ich *unverständliches Schimpfen*." sagte Drake extrem frustriert. Mit einem Mal wurde er sehr ruhig und dachte nach. Die Augen hatte er dabei geschlossen. Nach einem Moment des Nachsinnens öffnete er sie wieder. Dann erläuterte er den Dreien sehr ruhig seine Idee, um die bevorstehende Situation abzuwenden. Aber für einige Momente konnte man an seinem Gesichtsausdruck erkennen, dass er innerlich vor Wut kochte.


    John und George waren nicht gerade von Drakes Vorschlag begeistert, aber es schien zurzeit die einzige Option zu sein, die Sache ein für alle Male an der Wurzel zu packen und endgültig zu beenden. "Und du bist wirklich sicher, dass du tatsächlich eine Art Köder abgeben willst? Das könnte für dich auch nach hinten los gehen." sagte John besorgt "Wenn du einen besseren Vorschlag hast, dann sag ihn mir. Meinst du, ich warte gerne heute Nacht auf meine eigene Ermordung? Sie werden bei mir als erstes anfangen. Es werden nur ein bis zwei Personen sein. Mehr wäre zu auffällig. Im Moment wissen wir nur, dass sie heute Nacht zuschlagen werden und wo ist auch klar. Aber wie, das ist mir noch schleierhaft. Wie sie es hier runter schaffen." Drake machte eine kurze Pause und schien wieder über etwas nachzudenken. "Nur wenn wir den Attentätern habhaft werden können, können wir die gesamte Truppe hochgehen lassen. Sonst geht das ganze Spiel wieder von vorne los. Dafür müssen wir uns nun mal unwissend stellen. Und den Rest werden wir festsetzen. So wie wir es besprochen haben. Hank wird sich bei mir verstecken und Jenssen wird ein Auge auf dich haben. Den beiden vertraue ich hundertprozentig und da die beide eh immer in unserer Nähe sind, wird es nicht großartig auffallen. Unser Gegner rechnet zurzeit nicht damit, dass wir in gewisser Hinsicht Bescheid wissen." Drake seufzte kurz.


    "Und außerdem, John habe ich da einen kompetenten Nachfolger, falls ich doch drauf gehen sollte." sagte Drake ergänzend und grinste leicht. "Verdammt, Drake. Mach mit sowas keine Scherze." sagte John erschrocken und schüttelte den Kopf. Die drei beredeten noch einige weitere Details und gingen nach außen hin getrennt Wege. Tatsächlich kommunizierten John, Drake und George über eine Geheimfrequenz ihres Pipboys. Die offiziellen Gesprächskänale nutzen sie nicht, da sie nicht wussten, wie weit das System bereits vom im Schatten lauernden Gegner kompromittiert war. Bis zum Abend hin schien alles wie gewöhnlich im Bunker abzulaufen.

  • 157. Alarmstufe Rot. Teil I

    Winter, Ende des Jahres 2280, Bunker: ehem. Lassen Volcanic National Park - Silver Dragons


    Twibs und George fuhren wieder gemeinsam nach oben. John hatte zwar geplant, Twibs bei sich zu belassen, Drake war aber dagegen gewesen. Er war der Meinung, dass George auch mindestens eine Person zur Seite haben sollte, die loyal auf ihrer Seite stand und im Fall der Fälle helfen konnte. Außerdem war das unauffälliger. George und Twibs zogen sich in das Büro des Sicherheitschefs zurück und gegen Abend verbarrikadierten sie das Büro. "Sagen Sie, Sir, wenn die uns hier tatsächlich angreifen und ihnen der Durchbruch durch die Tür gelingt, dann sitzen wir doch in der Falle" fragte Twibs nachdenklich. "In der Theorie schon, Twibs. In der Praxis sieht das anders aus." sagte George Cornally und grinste leicht. "Wie darf ich das verstehen, Sir? Sie sind ein wenig...kryptisch." fragte Twibs verwirrt. "Wenn es soweit ist, werden Sie es verstehen. Mehr werde ich Ihnen im Moment nicht sagen." sagte George ernst. Twibs runzelte kurz die Stirn, akzeptierte es aber. Jetzt hieß es abwarten. Zunächst passierte bis in den späten Abend hinein nichts Außergewöhnliches.


    Etwa Gegen 23.00 Uhr Ortszeit.


    In einem der Checkpoints nicht weit vom Verteiler fand ein Wachwechsel von der Abend- zur Nachschicht statt. Zehn Leute mit Wachuniformen der Silver Dragons betraten die hintere Wachstube des Checkpoints, wo ihre Kollegen schon auf ihre Ablösung warteten. Sie begrüßten sie, stutzten dann aber. Es war nicht die Leute, die sie erwarteten. Der diensthabende Offizier des Checkpoints wurde misstrauisch und trat vor "Sind Sie sicher, dass Sie hier richtig sind? Ich weiß nichts von einer Abänderung der Dienstpläne. Captain Cornally hätte mir sowas mitgeteilt. Ich werde da einmal nachhören." Er dreht sich um und wollte zum Kommunikationsgerät gehen, als mehrere Dinge gleichzeitig passierten. Er selbst merkte einen stechenden Schmerz im Nacken und ging zu Boden.


    Alle restlichen Anwesenden wurden mit gezielten Schüssen aus schallgedämpften Pistolen getötet. Die Zehn agierten sehr schnell und abgesprochen miteinander. Die Leichen wurden in einem der Lagerräume verstaut und der Tatort so schnell wie möglich hergerichtet. Dann beschäftigte man sich mit dem Offizier, den man nur betäubt hatte. Einer der Männer holte ein kleines Kästchen aus der Tasche und schaltete es zwischen den Pipboy des Offiziers und seinem. Dann programmierte er auf seinem Pipboy herum. Es dauerte einige Minuten, dann hatte er den Code übertragen.


    Das öffnete ihnen einen Zugang auf genau eine weitere Ebene. Das reichte dieser Gruppe auch. Sechs von Ihnen blieben im Checkpoint zurück und legten den diensthabenden Offizier hinten in die Wachstube in eine schwer einzusehende Ecke. Noch brauchten sie ihn und seinen Pipboy als Rückfallebene. Die beiden anderen befestigten Namensschilder auf ihren Uniformen. Es waren nicht ihre eigenen, sondern die Namen derer, die sie ersetzten. Die vier bewegten sich Richtung Aufzug. Es dauerte einen Moment bis dieser kam. Dann stiegen sie ein und fuhren in die Kommandoebene -5. Sobald die vier im Aufzug verschwunden war, teilte einer der sechs per Sprechfunk über den Pipboy dem Empfänger am Ende mit. "Operation Bloody Eagle hat begonnen. Ich wiederhole Bloody Eagle hat begonnen."


    Die vier hatten im Fahrstuhl während der Fahrt zur Kommandoebene die Wachmützen aufgesetzt und so über Gesicht gezogen, dass man nur den unteren Teil des Gesichtes erkennen konnte. Sie waren da und liefen an den Hauptcheckpoint vorbei. Hier schauten zwei der Hauptwachen kurz auf, macht ein kurzes Grußzeichen an die vier und ließen sie unbehelligt durch. Auch die beiden gehörten zum Kreis der Verräter. Die anderen nahmen daran keinen Anstoß. Es war Zeit zum Wachwechsel und hin und wieder kam das Wachpersonal von oben runter in Kommandoebene, um logistische Dinge zu erledigen. Keiner von den anderen Wachleuten ging zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass hier eine Gefahr drohte.


    Die vier bewegten sich zunächst getrennt voneinander zu bestimmten Räumen und täuschten dort Erledigungen vor. Im Anschluss machten sie sich auf den Weg zu den Aufenthaltsräumen vom General und vom Kommandanten. Hier trafen sie niemanden. Zu dieser Uhrzeit hielt sich außer den beiden dort niemand sonst auf. Vor den beiden Räumen splitteten sie sich in zwei Gruppen auf. Bevor sie leise antraten gaben beide jeweils per Pipboy ein verschlüsseltes Zeichen frei. Mit einem Zeitverzug von etwa fünf Minuten würde bei diesem Zeichen in der Gefängnisebene eine bewaffnete Revolte losbrechen. Auch an einigen anderen Stellen im Bunker waren kleinere Gruppe positioniert, die auf weitere Signale warteten.


    Drake saß im Halbdunkeln auf seinem Bett. Unter seine Uniform hatte er eine leichte Weste angezogen. Neben ihm lag eine geladene Beretta. Hank hatte sich in die Ecke des Zimmers zurückgezogen, die man von der Tür nicht einsehen konnte. Beide warteten bereits geduldig eine ganze Zeit. Etwa gegen 23.15 Uhr hörten beide leise Geräusche vor der Tür. Da tat sich etwas. Hank und Drake machten sich bereit. Drake stellte sich schlafend mit dem Gesicht zur Tür und der Beretta unter der Bettdecke. Es wurde eine Tür leise geöffnet und ebenso leise geschlossen. Dann hörte man gedämpfte Schritte. Die beiden Attentäter näherten sich. Die Tür zu Drakes Schlafraum öffnete sich und beiden traten ein. Einer der beide leuchtete vorsichtig mit dem Pipboy Richtung Drake. Hank stand praktisch seitlich in zwei Meter Entfernung hinter ihnen. Noch hatten die beiden Attentäter nicht bemerkt, dass da eine böse Überraschung auf sie wartete.


    Einer der beiden zog wieder die schallgedämpfte Pistole und wollte gerade auf Drake zielen, als plötzlich das Licht anging. In dem kurzen Moment der Ablenkung hatten Hank und Drake ihre Pistolen gezogen. Drake schoss zielgenau dem Attentäter mit der Beretta in die Waffenhand und dann einmal ins linke und ins rechte Knie. Der brach unter Schmerzensgeschrei zusammen. Hank verfuhr mit dem anderen ähnlich. Die beiden Attentäter waren kampfunfähig geschossen. Hank und Drake verschnürten die beiden noch zusätzlich. "Gute Arbeit Hank. Da wollte aber jemand wirklich sicher gehen, bei dem "Begrüßungskomittee" sagte Drake sichtlich erleichtert. "Danke Sir. Sie haben ihren Henker aber auch zielgenau lahmgelegt. Jetzt weiß ich aber auch, warum Sie damals in ihre Truppe den Spitznamen "Eagleeye" bekommen haben" sagte Hank und wendete sich dann zu den beiden Attentätern. "Wenn es nach mir ginge würde ich Sie beiden gerne richtig in die Mangel nehmen. Aber Sie werden noch benötigt. Es könnte aber sein, das Sie sich bald wünschen werden. dass wir Ihnen beide eine Kugel in den Kopf gegeben hätten." sagte Hank ernst.


    Plötzlich hörte man einige weitere Schritte und Hank und Drake nahmen wieder eine Kampfstellung ein. Dann hörte man eine bekannte Stimme. "Hank, Drake alles in Ordnung bei euch?" Es war die von John. "Alles in Ordnung, John. Unser Besuch sitzt gut verpackt auf dem Boden. Bei euch beiden auch alles in Ordnung?" fragte Drake. "Ja. Bei uns haben auch zwei vorbeigeschaut. Also mein lieber Freund, du lässt nach, von wegen nur zwei. Mehr fällt auf. Ja, nee ist klar" scherzte John trotz der ernsten Lage kurz. "Sind aber auch erstmal lahmgelegt. Jenssen kümmert sich gerade um die "Formalitäten". Und nun alter Freund? Alarmstufe Rot für den Bunker?" fragte John nachdenklich. "Wenn du immer noch damit einverstanden bist John, ja. Ich übernehme die volle Verantwortung deswegen. Da wir nicht wissen, wo sie überall sind, müssen wir das tun. Zum Schutz der anderen im Bunker." sagte Drake sichtlich angespannt. "Gut. Einverstanden. Ich sehe die Notwendigkeit ebenso. Meinst du, sie werden nicht versuchen, das System zu hacken?" sagte John. "Ich rechne sogar damit. Da ich aber das System mitentworfen habe, werde ich ihnen ein paar harte Nüsse zu knacken geben. Wenn es ganz schlimm kommt, werde ich das System komplett...umprogrammieren müssen. Nur dafür brauche ich etwas Zeit." sagte Drake nachdenklich.


    Beide gingen in Richtung des letzten Raumes, in dem damals das erste Gespräch mit Abby, Trian, Warry und Darrington stattgefunden hatte. Jenssen und Hank verriegelten den Kommandobereich mit einer blauen Energiesperre und hielten Wache. Dabei hielten sie die vier Attentäter stets im Blick. John und Drake setzten sich jeweils an den entgegen gesetzten Enden des Tisches. An diesen beiden Stellen gab es jeweils zwei Handidentifikationsfelder, die nur sichtbar wurden, wenn zugangsberechtigte Personen mit ihrer Hand darüber fuhren. John und Drake waren dazu berechtigt und nach der Betätigung klappte jeweils ein Konsole hoch. Sowohl John als auch Drake verbanden den Pipboy mit der Konsole und gaben eine sehr lange Zeichenfolge ein.


    Danach trennten sie jeweils die Pipboys wieder und die Konsolen klappten wieder ein. Dafür fuhr an anderer Stelle des Tisches ein großes Bedienfeld heraus und die Wände gaben zwei große Monitore frei, auf denen man unterschiedliche Zustände des Bunkers ablesen konnte. Man konnte von diesem Raum aus nun auf die vielen verschiedenen Systeme des Bunkers zugreifen. Ausgenohmen waren einzig und allein die Energie-und Belüftungssysteme des Bunkers. Bei der Sicherheitskonzeption der Sicherheitssysteme hatte man darauf geachtet, dass keine Seite bei einer Alarmstufe Rot über die Notfallsteuerungen Zugriff darüber bekam und das dementsprechend ausgelegt.


    "Ich habe wirklich gehofft, dass wir dieses System niemals einsetzten müssen. Aber es geht nicht anders." Drake schob den Stuhl zur Hauptkonsole hin und fing mit der Arbeit an. John stand hinter Drake und beobachtete ihn dabei. Plötzlich gab es eine Alarmmeldung aus dem Gefängnisbereich auf einem der Bildschirme. "Jetzt wird es allerhöhste Eisenbahn, da also...Beeil dich." sagte John erschrocken. "Bin dabei" sagte Drake hochkonzentriert. Dann gab es mehrere Meldungen, die nacheinander auf dem anderen Bildschirm aufflammten. "Kommunikationssystem befindet sich im Shutdown...Automatische Verteidigungsgeschütze werden heruntergefahren...alle Sicherheitstüren im Bunker werden verschlossen...Innere Kompromittierung der Anlage...weitere Schritte folgen...Alarmstufe Rot wird eingeleitet...Die gesamte Anlage befindet sich im Abrieglungsmodus." Diese Meldung, die auf den Bildschirm zu lesen war, wurde im Bunker über das Kommunikationssystem ausgerufen. Überall im Bunker schlossen sich die dicken Türen und selbst der Bereich der Kluft wurde verriegelt. Niemand im Bunker kam mehr aus seinem Bereich heraus, geschweige denn hinein.

  • 158. Alarmstufe Rot. Teil II

    Winter, Ende des Jahres 2280, Bunker: ehem. Lassen Volcanic National Park - Silver Dragons


    23.15 Uhr Ortszeit. Büro des Sicherheitschefs des Bunkers


    Twibs und George spielten eine Runde Karten zur Ablenkung. Sie hatten von den Vorgängen im Checkpoint noch nichts mitbekommen. George schaut kurz auf die Wanduhr. Er wurde langsam unruhig. Mit einem Mal hämmerte es an der Tür und man versuchte sie sofort zu öffnen. Was natürlich nicht ging, da sie von Ihnen gesichert worden war. Man hörte jemanden leise fluchen. "Captain Cornally, wir wissen, dass Sie dort drinnen sind. Öffnen Sie die Tür, es ist dringend, Sir" sagte die Stimme. Sie war George zwar geläufig, aber er wusste dass sie um diese Uhrzeit keinesfalls hierhin gehörte. Die Frage für ihn war, ob es Feind oder Freund war. "Identifizieren Sie sich. Nennen Sie mir Ihren Dienstgrad und den Grund Ihres Hierseins. Dann überlege ich, ob ich Ihnen Zutritt gewähre." sagte George ernst. Twibs war schon aufgesprungen und machte sich kampfbereit.


    Kurze Stille von der anderen Seite. "Warum...ach sch(zensiert) was drauf. Ob mit oder Identifikation, wir verschaffen uns Zutritt zu Ihnen und wenn Sie mit uns kooperieren, wird Ihnen nichts passieren." Das hatte George bereits befürchtet und war dabei sein Terminal und alles andere, was damit zusammenhing zu sperren. Dann versenkte sich die Arbeitskonsole im Tisch und war für die Gegenseite nicht mehr zu gebrauchen. Anschließend setzte George eine kurze verschlüsselte Mitteilung an John ab. Von draußen hörte man, wie die Tür mit Gewalt bearbeitetet wurde. Twibs sah erst angsterfüllt zur Tür und dann zu George hin, der äußerlich ruhig zu sein schien.


    "Die werden gleich durch sein, Sir. Und das hört sich nach einigen an, die da an die Tür "klopfen." Gegen so viele haben wir doch kaum eine Chance." flüsterte Twibs ängstlich. "Versuchen Sie ruhig zu bleiben, Twibs. Nur einen kleinen Moment noch. Ich muss bestimmte Systeme noch sperren. Dann werden wir uns in "Wohlgefallen" auflösen" sagte George, der hektisch auf einigen Konsolen herumtippte. Twibs sah George an, als hätte dieser den Verstand verloren. "So das wars. Puh, dass dürfte dem Pack da draußen erstmal Zeit kosten, bis die sich dort wieder eingearbeitet haben. Ich hoffe nur, dass die da unten alles hinbekommen. Los, Twibs kommen Sie zu mir. Wir werden verschwinden. Hier wird es mir gleich zu heiß" sagte George und trat zu einer Wand hinter seinem Schreibtisch.


    Dann fuhr er mit der Hand über eine Stelle. Die Oberfläche eines Handscanners wurde sichtbar. Kurz wurde diese Oberfläche grün, dann verschwand sie. Ein Teil der Wand öffnete sich und gab einen Durchgang in Größe einer Tür frei. Dahinter konnte man den nackten Fels und eine sparsame Beleuchtung erkennen. Twibs machte große Augen. George winkte und beide verschwanden durch die Türöffnung. Gerade als sie durch die Öffnung traten, wurde die Alarmstufe Rot unten durch John und Drake ausgelöst und beide hörten die Durchsage.


    Sie waren im Gang und die Öffnung schloss sich geräuschlos und war auf Seiten des Sicherheitsbüros nicht mehr zu erkennen. Selbst wenn jemand anders gewusst hätte, wo sich die Öffnung befand, hätte er ziemlich lange gebraucht, um diese überhaupt öffnen zu können. Ohne Zugang ging das nur mit brachialer Gewalt. George rannte mit Twibs los und folgten den langen Gang. "Himmel, wo sind wir hier? Ich wusste gar nicht, dass sowas existiert" staunte Twibs nicht schlecht. "Willkommen im Untergrund des Bunkers, Twibs. Außer Ihnen und mir wissen nur noch vier weitere Leute Bescheid. Das ist eine Art sehr gut gesichertes Tunnelfluchtsystem." sagte George und stoppte. Sie waren an eine Gabelung gekommen.


    Ein Gang führte nach oben und war in etwa 50m mit einer dicken Stahltür verschlossen, auch in den anderen Richtungen endete der Weg vor Stahltüren. George schien kurz zu überlegen und murmelte kurz etwas. Dann schlug er den Weg Richtung oberer Tür ein. George blieb vor der Tür stehen und fuhrwerkte an einer Stelle am Gestein. Eine Konsole fuhr heraus. Wieder mit Handscanner und die Computerkonsole forderte einen Eingabecode. George gab eine Zeichenfolge ein und legte die Handfläche auf den Scanner. Einen kurzen Moment später öffnete sich die schwere Tür und beiden gingen weiter. Auch hier schloss sich nach kurzer Zeit wieder die Tür. Die beiden rannten weiter. Dabei passierten sie immer wieder versiegelte Bereiche, die von George geöffnet wurden.


    Als sie etwa eine halbe Stunde gelaufen waren, machten beide eine kurze Pause. Beide waren komplett außer Puste. "Sir, wenn ich mich richtig orientiere *kurzes Schnaufen*, entfernen wir uns vom Bunker. Aber in welche Richtung ist mir nicht klar. Wo wollen wir hin? *wiederholtes Schnaufen* fragte Twibs japsend. "Wir nähern uns...Puh, ich sollte mal wieder an einem Ausdauertraining teilnehmen, wenn wir das hier heil überstehen...der Kluft. Ich will zu unseren Besuchern...zur stählernen Bruderschaft...wir müssen sie warnen...ich denke sie sind im Moment noch in Sicherheit...aber unser Gegner wird mit Sicherheit versuchen sich ins Sicherheitssystem zu hacken. Und dann sind sie schutzlos...Uff. " keuchte George. Sie gönnten sich etwa fünf Minuten und rannten weiter.


    Derweil in der Kluft. Im Quartier der Bruderschaft.

    "Verdammt, was ist da los. Man hat uns eingeschlossen. Durch diese Türen kommen wir niemals durch" knurrte Paladin Torro wütend. Auch die anderen Mitglieder der Bruderschaft waren irritiert und ratlos. Darrington, Abby und Trian standen beim Ältesten und hielten ein Krisengespräch. "Die Durchsage lässt nichts Gutes bedeuten. Die Frage ist doch, wer den Alarm ausgelöst hat?" fragte Bardeen Abby. "Das kann ich leider nicht sagen, Ältester. Über sowas hat man mit mir nicht geredet. Wir sollten äußerst vorsichtig sein...wenn es nicht..." Abby unterbrach mitten im Satz. Ritter Warry kam mit George Cornally und Twibs um die Ecke. Beide waren außer Puste und Ritter Warry sah besorgt aus. Er hatte die beiden an einer Wand lehnend, schweißnass und außer Puste gefunden. Warry mochte den Sicherheitschef der Silver Dragons gut leiden und selbst er fragte sich was passiert war, dass Cornally auf diese Art und Weise auftauchte.


    Ältester Bardeen war aufs Äußerste besorgt, als er Cornally und seinen Begleiter so sah. Es dauert einen Moment, bis der Sicherheitschef in der Lage war einen Bericht über die Geschehnisse abzuliefern. Als er seinen Atem wieder gefunden hatte, ließ er dem Ältesten alle Informationen zu dem aktuellen Vorfall zukommen. "Übel, sehr übel und nun Captain? Können wir helfen?" fragte Bardeen hilfsbereit. Nicht nur aus Interesse der Bruderschaft heraus, sondern auch aus persönlicher Überzeugung fragte Bardee nach. Sie waren zwar mit Vorsicht, aber nie unfair von den Silver Dragons behandelt worden. Cornally nickte. "Ältester, im Moment einfach nur George. Wir sitzen hier jetzt gemeinsam in der Tinte. Ich werde nun versuchen Drake mit dem Pipboy anzupinnen...ich hoffe, ich kann ihn erreichen. Dann sehen wir weiter und Danke für das Angebot, Ältester" George setzte eine verschlüsselte Nachricht ab. "Okay...George. Und Jeremiah reicht. Ich werde meine anderen Leute informieren und erste Ideen ausarbeiten, was man tun kann." sagte jeremiah und ging zu seinen Leuten.


    Es dauerte eine ganze Zeit, bis George eine kurze Mitteilung zurückbekam. Er sah für einen Moment erleichtert aus, dann erschienen wieder Sorgenfalten auf seiner Stirn. Jeremiah hatte mittlerweile seine Leute gebrieft und die unterschiedlichen Gruppen diskutierten verschiedene Taktiken. Jeremiah hatte Georges Reaktion bemerkt und kam wieder zu ihm. "Und? Schlechte Neuigkeiten?" fragte Jeremiah besorgt. "Teils. Sie haben beide das Attentat unverletzt überstanden und die Attentäter sind dingfest gemacht. Die Abrieglung hält im Moment noch. Aber unsere Feinde versuchen gerade über verschiedene Terminals in das Sicherheitssystem einzubrechen." sagte George sichtlich besorgt. "Meinen Sie, ihre Gegner schaffen das?" sagte Jeremiah angespannt. "Ich befürchte auf lange Sicht ja. Wir haben einige Spezialisten...bei denen, die wir in der Gefängnisebene festgesetzt haben." seufzte George.


    "Also wird die Abrieglung wahrscheinlich durch Ihren Feind aufgehoben oder fällt gar in seine Hände? Das ist besorgniserregend." sagte Jeremiah. "Wir müssen abwarten. Mehr können wir im Moment nicht tun. Mein alter Freund wird sich da schon etwas einfallen lassen. So einfach wird er ihnen das nicht machen, das können Sie mir glauben Jeremiah. Und so wie ich ihn kenne, wird er eher die ganze Sache abkoppeln und umprogrammieren, als dass er zulassen würde, das unsere Gegner diese Möglichkeit bekommen. Ich hoffe nur, er hat genug Zeit dazu. Er wird sich bei uns melden" sagte George nachdenklich. Eine Zeit des Abwartens begann.

  • 159. Alarmstufe Rot. Teil III

    Winter, Ende des Jahres 2280, Bunker: ehem. Lassen Volcanic National Park - Silver Dragons


    Während George und Twibs es über die Geheimtunnel bis zum Quartier der Bruderschaft in der Kluft geschafft hatten, ging es in der Kommandoebene hoch her. Drake hatte seine liebe Mühe die Angreifer abzuwehren, die über unterschiedlichen Terminals versuchten die Kontrolle über die Steuerung des Bunkers zu bekommen. Drake fluchte mehrmals vor sich hin, dann rief er nach John. Der war nach vorne zur Energieabrieglung gegangen, um nachzusehen, ob dort alles in Ordnung war. Man konnte auch Schüsse von Plasmagewehren in der Ebene hören. Auch hier unten schienen einige Verräter unter den Wachen zu sein.


    "Verdammt John, ich brauch dich mal eben. Du musst mir bitte etwas aus meinem Schreibtisch holen, oberste Schublade. Ziemlich weit hinten. Eine kleine schwarze Schatulle. Ich komme hier gerade nicht weg, sonst sind die gleich im System..." dann sprach Drake mehr zu sich als zu John "... so meine Freunde, dann versucht euch mal hier daran..." und tippte wieder sehr schnell auf der Tastatur herum. John ging zu Drake ins Büro und schaute in der obersten Schublade nach. Er fand nach kurzer Zeit das, was Drake ihm beschrieben hatte und nahm es mit. Er schaute kurz zu den beiden sauber verschnürten Attentätern herüber, die immer noch auf den Boden saßen. "Na sitzen Sie bequem? Genießen Sie es solange Sie können" sagte John sarkastisch zu den beiden. "Sobald wir die Lage hier halbwegs unter Kontrolle haben, werden wir uns mit Ihnen befassen. Und glauben Sie mir, dass wird nicht angenehm für sie werden." drohte er.


    Dann beeilte er sich, zu Drake zu kommen. Der war immer noch beschäftigt, die Abwehr aufrecht zu halten. "Stelle es bitte neben mich. Danke. Ich habe gleich kurz eine Hand frei" sagte er zu John ohne aufzuschauen und tippte weiter. Die Finger flogen nur so über die Tastatur. *Systemintegrität auf 60 %* las John auf einen der Monitore. "Die setzten uns ganz schön zu." sagte John beunruhigt und runzelte die Stirn, als er den Wert sah. "Was erwartest du? Die wollen raus, denen gefällt die Aussicht auf die Bleigardine und Bleibohnen eben nicht" sagte Drake zurzeit mit einem ausgesprochenen trockenen Humor. "Was ist da drin?" fragte John neugierig und zeigte auf Schatulle. "Etwas, was unseren Gegnern gar nicht gefallen wird" sagte Drake ernst und nahm kurz die rechte Hand von der Tastatur und tippte mit dem Zeigefinger kurz mittig auf die Schatulle. Kurz konnte man ein kleines Feld erkennen, was kurz grün aufleuchtete und dann wieder erlosch. Dann war das Kästchen offen und es klappte auf.


    Innen lagen vier Holobänder. Sie waren von blaugrauer Farbe und nicht in dem orange-weiß, wie sie normalerweise genutzt wurden. "Du machst also so jetzt ernst mit deiner Drohung?" Drake nickte. "Mir bleibt nichts anderes übrig, wenn wir verhindern wollen, das Hawk seine Übernahmepläne umsetzten kann. Ich habe zusammen mit Tes und einigen der anderen vor einiger Zeit ein Systemupdate entwickelt...Uns war die alte Sicherheitstechnik zu anfällig, was bestimmte Dinge betraf..." erklärte Drake. "Es war Tes Idee, kurz nach dem ersten Aufstand. Die anderen waren nur am Anfang dabei...wir haben zwischenzeitlich die Struktur nochmal überholt. Außer Tes und mir kennt das "Gesamtpaket" also niemand. Wir haben es im Kleinen auch getestet. Sollte also funktionieren." Drake schaute kurz auf. *Systemintegrität 55%* "Wir sollten uns beeilen. Sonst sind die durch, bevor wir sie komplett aussperren können."


    Drake nahm das Holoband mit der Beschriftung 1 und legte es ein und es fing an sich zuladen. Es überspielte den Inhalt in die Konsole. "Mir war gar nicht bewusst, dass du dich so tief in der Materie auskennst." fragte John verwundert. "Wenn man fünfzehn Jahre mit Tesla und Einstein unten im Technikbereich zusammenarbeitet, da lernte man einiges. Und die beiden sind gute Lehrer" sagte Drake mit einem leichten Schmunzeln. "...oder hast du gedacht, ich habe in der Zeit nach meinem...offiziellen Ableben...die Hände in den Schoss gelegt? Es gab viel zu tun. Jede helfende Hand wurde gebraucht. Wir waren damals auch wesentlich weniger. Vor dem Krieg...Da habe ich mir das ein oder andere angeeignet." sagte Drake nachdenklich. Das erste Holoband hatte den Inhalt auf die Konsole geladen. Drake nahm es heraus und legte das zweite ein. *Systemintegrität 45%*.


    John seufzte kurz. "Weiß du, was komisch ist? Die Gedanken und Erinnerungen an früher...an vor dem Krieg...sie werden immer weniger...manchmal fällt es mir schwer sich an bestimmte Dinge zu erinnern." Drake nickte. "Geht mir genauso. Sind schwierige Zeiten...hmm, die haben gerade nochmal einen Zahn zugelegt. Diese Holobänder sind in solchen Situationen echt zu langsam." schnaufte Drake kurz. *Systemintegrität 35%*. Das zweite Band war fertig und er legt das dritte ein. "Ich hoffe Tesla und den anderen da unten geht es halbwegs gut. Hoffentlich sind bei denen nicht viele von den Verrätern..." sagte Drake sorgenvoll. Es dauerte wieder mehrere Minuten bis das nächste Band die Informationen eingespielt hatte. Währenddessen tickte die Systemintegrität weiter runter. Sie stand jetzt bei 25%.


    Der Informationsupload des dritten Holobandes war abgeschlossen. Wieder entnahm Drake es und legte das letzte Holoband ein. John und Drake schauten sich die Monitore an. Mittlerweile war in einigen Bereichen war der normale Alarm ausgelöst worden. Man konnte aufgrund der hohen ausgehenden Kommunikationsmeldungen sehen, dass versucht wurde herauszubekommen was los ist. Die Meldungen liefen aber zurzeit ins Leere. Dadurch dass die Alarmstufe Rot ausgelöst worden, war die Kommunikation nur noch auf eine Handvoll Frequenzen beschränkt. Und die waren nur den wenigsten im Bunker bekannt. "Gefängnisebene klar...Da geht der Hauptangriff von aus. Teile der Ebene vier und drei...In den technischen Ebenen im Moment noch Ruhe...Das Archiv...auch ruhig" zählte John auf. "Ruhe auf den Ebenen heißt nicht unbedingt etwas. Können auch schon an den Feind gefallen sein. Sobald das System neugestartet ist, werde ich von hier versuchen mit bestimmten Stellen zu sprechen. Sie müssen wissen, was gerade passiert. Ich habe es noch nicht geschafft, dafür waren die Angriffe zu massiv." sagte Drake angespannt. "Das Archiv ist aber definitiv noch sicher. Da dürfen die keinesfalls dran kommen. Mit dem Wissen, was da liegt, könnten sie massiven Schaden anrichten."


    Das Archiv enthielt Wissen, das man bereits angefangen hatte weit vor dem großen Krieg zu sammeln. Es war dementsprechend schwer geschützt. Nach dem ersten Kontakt mit der neuen Welt wusste man im Bunker wie wertvoll, aber auch gleichzeitig, wie gefährliches manches darin sein konnte. Drake schaute während des Wartens auf seinen Pipboy und stellte fest, dass George ihm eine Nachricht hatte zukommen lassen. "George ist mit Twibs in die Kluft geflohen. Sie sind in Sicherheit und bei der Bruderschaft." seufzte Drake sichtlich erleichtert und schrieb zurück. "Gut zu hören. Ich weiß zwar nicht, wie die beiden es aus der Abrieglung geschafft haben, aber Gott sei Dank. Wenigstens weiß dann die Bruderschaft was hier los ist." sagte John ebenfalls erleichtert, aber auch besorgt und sah dabei Drake an. Der kratzte sich kurz verlegen den Kopf mit den grauen Haaren. "Er...hat das Tunnelfluchtsystem genutzt. Ich glaube...ich habe da etwas vergessen dir noch zu sagen..." sagte Drake entschuldigend zu John, dem gerade Fragezeichen ins Gesicht geschrieben standen.


    "Wir haben ein Fluchtsystem und ich weiß als dein Stellvertreter nichts davon?" sagte John kurz gekränkt. "Und was ist wenn..." "Es weiß kaum einer davon, mit dir sind es jetzt fünf Personen. Und es mehr als gesichert...ich habe es einfach vergessen, dir zu sagen. Es ist mir bei den ganzen Ereignissen durchgegangen. Es steckte keine Absicht dahinter." sagte Drake entschuldigend. John seufzte. "Also sollten wir das hier heil überstehen, solltest du genau überlegen, ob du nicht noch was vergessen hast. Aber ist im Moment nicht die richtige Zeit, um dir deswegen Vorwürfe zu machen." sagte John und klopfte Drake kurz auf die Schulter. Das letzte Holoband hatte sein Informationen ebenfalls in die Konsole geladen. Die Systemintegrität war mittlerweile auf bedrohliche 10% geschrumpft.


    Drake startete den Updatevorgang. Eine Eingabeaufforderung ploppte auf. Drake gab einen Code ein bestätigte. Es ploppte erneut eine weitere Eingabeaufforderung auf und Drake machte für John Platz. Der schaute zunähst irritiert, wusste dann aber was Drake wollte. "Zwei Personen Regel?" fragte er. "Selbstverständlich. Solche Dinge gehören immer doppelt gesichert." sagte Drake. John tippte seinen Code ebenfalls ein und bestätigte. Er machte Drake wieder Platz und der gab den Startbefehl für das Update. Es sollte etwa eine Viertelstunde dauern und überall im Bunker waren die Terminals ausser Betrieb. Es war knapp gewesen. Als der Vorgang gestartet wurde war die Systemintegrität auf 5% runter und der endgültige Durchbruch hatte kurz bevor gestanden.